Substanzen mit Hyponatriämie-Risiko bei Patienten – Auflistung nach Risiko
Sehr hohes Risiko (häufig und klinisch bedeutsam)
Antidepressiva stellen die höchste Risikogruppe dar, insbesondere bei älteren Patienten mit Polypharmazie.
SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer): Escitalopram zeigt ein adjustiertes Odds Ratio von 1,82 (95% CI: 1,20-2,76) für Hyponatriämie bei älteren Erwachsenen 1. SSRIs sind als Hochrisiko-Medikamente anerkannt und können SIADH induzieren 2, 3.
Trazodone: Besonders hohes Risiko mit adjustiertem OR von 2,27 (95% CI: 1,26-4,10) 1. Patienten unter Trazodone sollten als Hochrisiko-Patienten betrachtet werden und benötigen engmaschige Natrium-Kontrollen 4.
Tramadol: Wurde zur Liste der Medikamente hinzugefügt, die mit Hyponatriämie oder SIADH assoziiert sind 3.
Hohes Risiko (häufig verschrieben, signifikantes Risiko)
Diuretika sind die häufigste medikamentöse Ursache für Hyponatriämie in der klinischen Praxis.
Thiazid-Diuretika: Hydrochlorothiazid zeigt ein adjustiertes OR von 1,83 (95% CI: 1,28-2,62) 1. Thiazide verursachen hypovolämische Hyponatriämie durch exzessiven Natrium- und Wasserverlust 2, 3.
Schleifendiuretika: Können ebenfalls Hyponatriämie verursachen, besonders bei übermäßigem Gebrauch 2.
RAAS-Inhibitoren (ACE-Hemmer/ARBs): Adjustiertes OR von 1,71 (95% CI: 1,18-2,47) für Hyponatriämie 1. Das Risiko steigt besonders bei Kombination mit Diuretika und bei mangelernährten Patienten 1.
Mittleres bis hohes Risiko (spezifische Indikationen)
NSAIDs werden als Hyponatriämie-Ursache häufig übersehen, stellen aber ein signifikantes Risiko dar.
NSAIDs (alle): Adjustiertes OR von 3,61 (95% CI: 1,0-12,99, p=0,05) für Hyponatriämie 5. Indomethacin hat das höchste Risiko unter den NSAIDs und ist bei älteren Erwachsenen mit erhöhtem Risiko für Hyponatriämie assoziiert 3.
Opioid-Analgetika: Sehr hohes Risiko mit adjustiertem OR von 4,46 (95% CI: 1,24-16,02) 1. Opioide können nicht-osmotische ADH-Sekretion stimulieren 2.
Desmopressin: Hochrisiko-Medikament, das SIADH direkt induziert 2, 3.
Mittleres Risiko (spezielle Patientengruppen)
Antiepileptika und Chemotherapeutika erfordern besondere Aufmerksamkeit bei bestimmten Populationen.
Carbamazepin und Oxcarbazepin: Bekannte SIADH-Induktoren, besonders bei älteren Patienten 2, 4.
Chemotherapeutika: Vincristin und Cyclophosphamid können SIADH verursachen 2, 4. Carboplatin, Cisplatin und Cyclophosphamid wurden aus neueren Leitlinien entfernt, da ihre Verschreibung außerhalb des Geltungsbereichs liegt 3.
Besondere Risikokonstellationen
Die Kombination mehrerer Risikofaktoren potenziert das Hyponatriämie-Risiko exponentiell.
Polypharmazie: Signifikant häufiger bei hyponatriämen Patienten und bleibt nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Komorbiditäten ein unabhängiger Risikofaktor 1.
Mangelernährte ältere Erwachsene: Besonders gefährdet bei gleichzeitiger Einnahme von RAAS-Inhibitoren, Diuretika, Opioiden und Antidepressiva 1.
Geriatrische Syndrome: Hyponatriämie ist assoziiert mit Stürzen (21% vs. 5% bei Normonatriämie), Demenz, Gebrechlichkeit und Sarkopenie 1, 4.
Klinische Überwachungsempfehlungen
Engmaschige Natrium-Kontrollen sind bei Hochrisiko-Patienten essentiell, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.
- Patienten unter Antidepressiva (besonders SSRIs und Trazodone) benötigen regelmäßige Serum-Natrium-Kontrollen 4.
- Bei Kombination von RAAS-Inhibitoren mit Diuretika ist besondere Vorsicht geboten 1.
- Ältere Patienten mit Polypharmazie sollten als Hochrisiko-Population betrachtet werden 1.
- Hyponatriämie bei Natrium <130 mmol/L ist mit 60-fach erhöhter Mortalität assoziiert (11,2% vs. 0,19%) 4.
Wichtiger Hinweis: Die Korrekturrate sollte niemals 8 mmol/L in 24 Stunden überschreiten, um ein osmotisches Demyelinisierungssyndrom zu vermeiden 3, 4.