Kombination von Lithium und Venlafaxin bei therapieresistenter Depression
Primäre Empfehlung
Die Kombination von Venlafaxin mit Lithium-Augmentation ist eine evidenzbasierte und wirksame Strategie für therapieresistente Depression und sollte bevorzugt werden, insbesondere wenn eine bipolare Störung in Betracht gezogen wird. 1
Wirksamkeit der Kombination
Die Venlafaxin-Lithium-Strategie zeigt überlegene Ergebnisse:
In einer randomisierten klinischen Studie erreichten 77% der Patienten mit schwerer Depression eine Response (≥50% HAM-D-Reduktion) unter Venlafaxin-Lithium im Vergleich zu nur 52% unter Imipramin-Lithium (p=0,01). 1
Die Remissionsrate (HAM-D ≤7) betrug 50% in der Venlafaxin-Lithium-Gruppe versus 34% in der Imipramin-Lithium-Gruppe. 1
Venlafaxin allein zeigt bereits bei therapieresistenter Depression eine Response-Rate von 58% und eine Remissionsrate von 28% bei mittlerer Tagesdosis von 260 mg. 2
Dosierungsalgorithmus
Phase 1 - Venlafaxin-Optimierung:
- Beginnen Sie mit Venlafaxin 37,5 mg zweimal täglich und titrieren Sie auf 150-225 mg täglich (therapeutische Dosis). 3, 4
- Die aktuelle Evidenz unterstützt Dosierungen bis 375 mg/Tag bei schwerer therapieresistenter Depression. 4, 2
- Bewerten Sie die Response nach 4-6 Wochen bei therapeutischer Dosis. 3, 5
Phase 2 - Lithium-Augmentation bei Non-Response:
- Niedrigdosis-Lithium (300-450 mg/Tag) ist ebenso wirksam wie höhere Dosen und besser verträglich. 4
- 51% der Patienten zeigten nach 5 Wochen deutliche Verbesserung mit niedrigdosiertem Lithium (mittlerer Plasmaspiegel 0,33 mEq/L). 4
- Bipolare Patienten sprechen signifikant besser an als unipolare (64,3% vs 45,5%, p<0,038). 4
- 76% der Responder zeigen eine schnelle Response innerhalb von 7 Tagen nach Lithium-Zugabe. 4
Alternative bei Versagen der Niedrigdosis:
- Erhöhen Sie Lithium auf 600-900 mg/Tag mit Ziel-Plasmaspiegel von 0,6-1,0 mEq/L. 5
- Lithium-Augmentation ist eine der am besten dokumentierten Strategien für therapieresistente Depression. 3, 6
Besondere Überlegungen bei bipolarer Störung
Wenn eine bipolare Störung vermutet wird, ist Lithium besonders vorteilhaft:
- Lithium ist ab 12 Jahren für akute Manie und Erhaltungstherapie zugelassen. 7
- Die Kombination von Lithium mit einem Antidepressivum ist bei bipolarer Depression indiziert, da Antidepressiva allein manische Episoden auslösen können. 7
- Venlafaxin zeigt überlegene Wirksamkeit bei Angst-Symptomen, die häufig mit bipolarer Depression einhergehen. 3, 5
Monitoring-Anforderungen
Für Lithium (auch bei Niedrigdosis):
- Wöchentliche Lithium-Spiegel in den ersten 4 Wochen, dann monatlich. 5
- Monatliche Schilddrüsenfunktion (TSH) und Nierenfunktion (Kreatinin). 5
- Bei Niedrigdosis (300-450 mg/Tag) ist routinemäßiges Plasma-Monitoring nicht zwingend erforderlich. 4
Für Venlafaxin:
- Blutdruckkontrolle bei jeder Dosiserhöhung (dosisabhängige Hypertonie möglich). 5
- Wöchentliche Suizidalitäts-Beurteilung im ersten Monat, dann bei jeder Dosisanpassung. 5
- Monitoring auf Serotonin-Syndrom, besonders bei Kombination mit anderen serotonergen Substanzen. 3
Wichtige Warnhinweise
Vermeiden Sie diese häufigen Fehler:
- Venlafaxin 37,5 mg ist eine subtherapeutische Dosis für Depression oder Angst und erklärt wahrscheinlich fehlendes Ansprechen. 3
- Eine adäquate Antidepressiva-Therapie erfordert mindestens 4 Wochen bei therapeutischer Dosis, bevor ein Therapieversagen festgestellt werden kann. 3, 6
- Bei bipolarer Störung können Antidepressiva ohne Stimmungsstabilisator manische Episoden auslösen. 7
- Nach zwei Therapieversagen sinkt die Remissionschance erheblich, was aggressive Augmentationsstrategien rechtfertigt. 5
Alternative Strategien bei Versagen
Wenn Venlafaxin-Lithium nicht ausreichend wirksam ist:
- Augmentation mit Aripiprazol (2-15 mg) zeigt Remissionsraten von 55,4% bei therapieresistenter Depression. 6, 5
- Kombination mit Bupropion SR 150-300 mg reduziert Depressionsschwere stärker als Buspiron. 3, 6
- Wechsel zu einem SSRI wie Sertralin 100-200 mg führt bei 25% der therapieresistenten Patienten zur Remission. 3