Antidepressiva nach Manierisiko geordnet
Antidepressiva mit dem niedrigsten Manierisiko
Bupropion und SSRIs (insbesondere Sertralin, Escitalopram, Fluoxetin) haben das niedrigste Risiko für Manieinduktion bei bipolarer Störung, wenn sie mit einem Stimmungsstabilisator kombiniert werden. 1, 2
Bupropion (niedrigstes Risiko)
- Bupropion zeigt die niedrigste Rate an affektiven Nebenwirkungen und wird als bevorzugtes Antidepressivum bei bipolarer Depression empfohlen 2, 3
- Wenn Bupropion mit Antimanika kombiniert wird, liegt die Switch-Rate auf Placeboniveau 3
- Bupropion ist besonders geeignet für Patienten mit Bipolar-II-Subtyp, der mit niedrigen Switch-Raten assoziiert ist 3
SSRIs (niedriges Risiko)
- SSRIs zeigen deutlich niedrigere Switch-Raten als trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer 4, 3
- Fluoxetin in Kombination mit Olanzapin wird als Erstlinientherapie für bipolare Depression empfohlen 1
- Sertralin und Escitalopram haben minimale CYP450-Interaktionen und sind daher besonders sicher in Kombination mit Stimmungsstabilisatoren 1
- Wenn SSRIs mit Antimanika kombiniert werden, liegt die Switch-Rate auf Placeboniveau 3
SNRI Venlafaxin (moderates Risiko)
- Venlafaxin wird als bevorzugtes Antidepressivum genannt, hat aber ein höheres Aktivierungsrisiko als SSRIs 2
- Die FDA-Kennzeichnung warnt vor Aktivierung von Manie/Hypomanie bei Patienten mit affektiven Störungen 5
- Venlafaxin sollte vorsichtig bei Patienten mit Manieanamnese eingesetzt werden 5
Antidepressiva mit dem höchsten Manierisiko
Trizyklische Antidepressiva (höchstes Risiko)
- Trizyklische Antidepressiva sollten bei bipolarer Störung vermieden werden, da sie mit den höchsten Switch-Raten assoziiert sind 4, 3
- TCAs sind mit intensiveren manischen Switches verbunden als andere Antidepressiva 4
- Die Leitlinien empfehlen, TCAs zu vermeiden und stattdessen SSRIs oder Bupropion zu verwenden 3
MAO-Hemmer (hohes Risiko)
- MAO-Hemmer zeigen höhere Switch-Raten als SSRIs 4
- Diese Substanzklasse sollte bei bipolarer Depression vermieden werden 3
Duloxetin (moderates bis hohes Risiko)
- Die FDA-Kennzeichnung warnt vor Aktivierung von Manie/Hypomanie bei 0,1% der Patienten mit Depression 6
- Duloxetin sollte vorsichtig bei Patienten mit Manieanamnese eingesetzt werden 6
Paroxetin (moderates Risiko)
- Bei unipolaren Patienten trat Hypomanie/Manie bei 1,0% unter Paroxetin auf 7
- Bei bipolaren Patienten lag die Rate manischer Episoden bei 2% unter Paroxetin 7
- Paroxetin sollte vorsichtig bei Patienten mit Manieanamnese eingesetzt werden 7
Kritische Risikofaktoren für Antidepressiva-induzierte Manie
- Anamnese mit vielen manischen Episoden erhöht das Switch-Risiko signifikant (p < 0,023) 4
- Gemischte Episoden und Rapid Cycling sind stark mit Antidepressiva-induzierten Switches assoziiert – Antidepressiva sollten bei diesen Patienten vermieden werden 3
- Früher Krankheitsbeginn, psychotische Merkmale und positive genetische Belastung beeinflussen negativ das Auftreten affektiver Nebenwirkungen 3
- Bipolar-I-Störung hat ein höheres Switch-Risiko als Bipolar-II-Subtyp 3
Obligatorische Sicherheitsmaßnahmen
Antidepressiva-Monotherapie ist bei bipolarer Störung kontraindiziert, da sie manische Episoden oder Rapid Cycling auslösen kann. 1, 8
- Antidepressiva müssen immer mit einem Stimmungsstabilisator (Lithium, Valproat oder Lamotrigine) kombiniert werden 1, 8, 3
- Lithium oder Valproat als Basistherapie reduziert die Häufigkeit und Schwere postdepressiver Stimmungserhöhungen 4
- Antidepressiva sollten 2-6 Monate nach Remission ausgeschlichen werden 2
- Escitalopram sollte bei Patienten mit bipolarer Störung niemals als Monotherapie verwendet werden 8
Bevorzugte Behandlungsalgorithmus
- Für leichte bis moderate bipolare Depression: Stimmungsstabilisator-Monotherapie (Lithium, Valproat oder Lamotrigine) 1, 2
- Für schwere bipolare Depression: Olanzapin-Fluoxetin-Kombination als Erstlinientherapie 1
- Alternative für schwere Depression: Stimmungsstabilisator + Bupropion oder SSRI (Sertralin/Escitalopram) 1, 2, 3
- Zu vermeiden: Trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer, und Antidepressiva bei gemischten Episoden oder Rapid Cycling 3