Analgetikum-Empfehlung bei Leberfunktionsstörung und Alkoholanamnese
Bei erwachsenen Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion und Alkoholanamnese ist Paracetamol (Acetaminophen) in reduzierter Dosierung von 2-3 g täglich das Analgetikum der Wahl, während NSAIDs strikt vermieden werden sollten. 1
Paracetamol als Erstlinientherapie
Paracetamol bleibt das sicherste Analgetikum bei Lebererkrankungen, wenn die Dosierung angepasst wird:
- Empfohlene Tagesdosis: 2-3 g täglich bei Patienten mit Leberzirrhose, auch bei dekompensierter Erkrankung 1
- Obwohl Paracetamol fulminantes Leberversagen verursachen kann, zeigen Studien, dass Dosen unter 4 g täglich sehr unwahrscheinlich klinisch signifikante Hepatotoxizität verursachen 1
- Bei chronischen Alkoholkonsumenten wurde zwar über Leberversagen bei Dosen ≤4 g berichtet, aber mehrere Studien zeigten keine nennenswerte Hepatotoxizität bei 4 g täglich 1
- Die Halbwertszeit von Paracetamol ist bei Leberzirrhose mehrfach verlängert, aber Studien belegen, dass ≤4 g keine bedeutsamen Nebenwirkungen bei dekompensierter Zirrhose verursachen 1
Wichtiger Hinweis: Die reduzierte Dosis von 2-3 g wird empfohlen, da Patienten mit Leberzirrhose ein Risiko für Stoffwechselstörungen und verlängerte Halbwertszeit haben 1
NSAIDs müssen vermieden werden
NSAIDs sind bei Lebererkrankungen kontraindiziert aufgrund mehrerer schwerwiegender Risiken:
- Höhere Konzentration freier Wirkstoffe führt zu erhöhter Toxizität 1
- Verantwortlich für 10% der medikamenteninduzierten Hepatitis 1
- Verursachen Nephrotoxizität, Magenulzera, Blutungen und Dekompensation bei Leberzirrhose 1
- NSAIDs sollten "so weit wie möglich vermieden werden" bei Patienten mit Leberzirrhose 1
- Besonders bei Alkoholanamnese besteht erhöhtes Risiko für gastrointestinale Toxizität (≥2 alkoholische Getränke täglich) 1
Algorithmus für Schmerzmanagement nach Intensität
Leichte Schmerzen (Numerische Schmerzskala 1-3):
- Paracetamol 2-3 g täglich in geteilten Dosen 1
- Bei Kombinationspräparaten: Paracetamol-Dosis auf ≤325 mg pro Dosierungseinheit begrenzen 1
Moderate Schmerzen (Numerische Schmerzskala 4-6):
- Tramadol mit extremer Vorsicht: maximal 50 mg innerhalb 12 Stunden bei Leberzirrhose (Bioverfügbarkeit erhöht sich 2-3-fach) 1
- Tramadol nicht mit Medikamenten kombinieren, die Serotonin-Metabolismus beeinflussen oder Krampfschwelle senken 1
Schwere Schmerzen (Numerische Schmerzskala 7-10):
- Starke Opioide (Morphin, Oxycodon, Fentanyl) können direkt eingesetzt werden, ohne die Analgetika-Leiter von unten zu beginnen 1
- Dosisanpassung und Überwachung erforderlich aufgrund veränderter Pharmakokinetik 1
Besondere Überlegungen bei Alkoholanamnese
Thiamin-Supplementierung ist obligatorisch:
- 100-300 mg täglich für 4-12 Wochen zur Prävention der Wernicke-Enzephalopathie 1, 2
- Thiamin muss vor glukosehaltigen Infusionen gegeben werden 1
Alkoholabstinenz-Pharmakotherapie (nicht primär analgetisch, aber relevant):
- Baclofen (30-80 mg täglich) ist das einzige bei Leberzirrhose getestete Medikament zur Aufrechterhaltung der Abstinenz 1, 2
- Naltrexon ist kontraindiziert bei alkoholischer Lebererkrankung wegen Hepatotoxizitätsrisiko 1
- Acamprosate hat keinen hepatischen Metabolismus und ist wahrscheinlich sicher, aber nicht bei fortgeschrittener Lebererkrankung untersucht 1
Häufige Fallstricke und wie man sie vermeidet
Kritische Warnzeichen:
- Niemals die Paracetamol-Gesamtdosis aus allen Quellen (einschließlich Kombinationspräparate) übersehen 1
- Leberfunktionstests sollten bei längerer Paracetamol-Anwendung überwacht werden 1
- Bei aktiver Alkoholkonsumption ist besondere Vorsicht geboten, auch wenn 2-3 g Paracetamol als sicher gelten 1
Kontraindikationen beachten: