Psychopharmaka mit hohem metabolischen Risiko
Clozapin und Olanzapin tragen das höchste metabolische Risiko unter allen Psychopharmaka, gefolgt von Quetiapin mit moderatem Risiko, während Risperidon ein eher niedriges und Aripiprazol sowie Ziprasidon das niedrigste metabolische Risiko aufweisen. 1, 2, 3
Antipsychotika der zweiten Generation (nach Risiko geordnet)
Höchstes metabolisches Risiko
- Clozapin: Verursacht die stärksten metabolischen Störungen, einschließlich Gewichtszunahme (4-10 kg), Insulinresistenz, beeinträchtigte Insulinsekretion, Hyperglykämie, atherogene Dyslipidämie und erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes 2, 3, 4
- Olanzapin: Zeigt ähnlich schwere metabolische Effekte wie Clozapin mit Gewichtszunahme (4-10 kg), erhöhter Insulinresistenz, beeinträchtigter Insulinsekretion, Dyslipidämie und Diabetes-Risiko 1, 2, 3, 4
- Die American Diabetes Association empfiehlt bei Patienten, die Olanzapin oder Clozapin einnehmen, die adjuvante Gabe von Metformin aufgrund des schweren kardiometabolischen Profils dieser Medikamente 1
Moderates metabolisches Risiko
- Quetiapin: Verursacht moderate metabolische Effekte auf Glukosekonzentration, Hyperglykämie und Gewichtszunahme 1, 3
- Risperidon: Zeigt ein eher niedriges Risiko für Glukoseintoleranz/Diabetes, Hyperlipidämie und Hyperleptinaemie im Vergleich zu Clozapin und Olanzapin 1, 3
- Haloperidol: Hat mehr metabolische Effekte als Aripiprazol und Ziprasidon 1
Niedrigstes metabolisches Risiko
- Aripiprazol: Zeigt minimale metabolische Effekte mit geringer Gewichtszunahme (weniger als 2 kg) und niedrigstem Risiko für Glukose- und Lipidstörungen 1, 2, 3, 5, 4
- Ziprasidon: Verursacht minimale Gewichtszunahme (weniger als 2 kg) und hat das niedrigste Risiko für metabolische Störungen unter allen Antipsychotika 1, 3, 5, 4
- Lumateperone und Lurasidon: Sollten bei Patienten mit metabolischem Syndrom priorisiert werden aufgrund weniger metabolischer Nebenwirkungen 5
- Amisulpride: Verursacht nur bescheidene Gewichtszunahme (weniger als 2 kg) 4
Antidepressiva
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): Können metabolische Störungen verursachen, jedoch mit Unterschieden zwischen einzelnen Molekülen innerhalb der pharmakologischen Familie 2
- Trizyklische Antidepressiva: Können metabolische Störungen verursachen, jedoch mit Unterschieden zwischen einzelnen Molekülen 2
- Generell: Das metabolische Risiko ist bei Antidepressiva niedriger als bei Antipsychotika 2
Metabolische Komplikationen im Detail
Gewichtszunahme und Insulinresistenz
- Gewichtszunahme ist mit erhöhter Insulinresistenz assoziiert, aber Clozapin und Olanzapin verursachen zusätzlich eine beeinträchtigte Insulinsekretion 2, 4
- Die Prävalenz des metabolischen Syndroms bei Patienten unter Antipsychotika-Behandlung liegt zwischen 37% und 63% 5
Diabetes und Hyperglykämie
- Die American Diabetes Association empfiehlt, dass Patienten, die Antipsychotika der zweiten Generation wie Olanzapin einnehmen, zu Beginn auf Prädiabetes oder Diabetes gescreent werden sollten, nach 12-16 Wochen erneut und danach jährlich 1
- Das Risiko für Typ-2-Diabetes ist bei psychiatrischen Patienten unabhängig von der Medikation erhöht, wird aber durch bestimmte Antipsychotika weiter verstärkt 6
Dyslipidämie
- Unerwünschte Veränderungen der Lipidwerte wurden bei Patienten unter atypischen Antipsychotika beobachtet 1
- Atherogene Dyslipidämie tritt besonders bei Clozapin und Olanzapin auf 2
Überwachungsprotokoll
Vor Behandlungsbeginn
- BMI, Taillenumfang, Blutdruck, HbA1c, Nüchternglukose, Lipidprofil, Prolaktin, Leberfunktionstests, Harnstoff und Elektrolyte, großes Blutbild und EKG 1
Während der Behandlung
- Nüchternglukose nach 4 Wochen erneut prüfen 1
- BMI, Taillenumfang und Blutdruck wöchentlich für 6 Wochen 1
- Alle Messungen nach 3 Monaten wiederholen und danach jährlich 1
- Bei Clozapin-Behandlung spezifische Richtlinien vor und während der Einleitung befolgen 1
Wichtige klinische Überlegungen
- Metabolische Störungen können durch Absetzen der Medikation und Ersatz durch ein sichereres Medikament abgeschwächt werden 2
- Die psychiatrische Population ist zusätzlich schlechten Lebensgewohnheiten (ungesunde Ernährung und sitzende Lebensweise) ausgesetzt, die das Risiko für metabolische Störungen erhöhen 2
- Das Management sollte zunächst Lebensstilmaßnahmen verstärken, und wenn dies unzureichend ist, können spezifische Medikamente zur Behandlung der metabolischen Störung in Betracht gezogen werden 2
- Bei Patienten mit metabolischem Syndrom sollten Antipsychotika mit weniger metabolischen Nebenwirkungen wie Lurasidon, Lumateperone, Ziprasidon und Aripiprazol priorisiert werden 5
Häufige Fallstricke
- Die erheblichen Vorteile der atypischen Antipsychotika-Behandlung (verbesserte Kognition, reduzierte Suizidalität und weniger Depression) müssen gegen die Risiken metabolischer Störungen abgewogen werden 6
- Typische Antipsychotika vermeiden die metabolischen Probleme nicht, da Schizophrenie selbst mit einem relativ hohen Risiko für Diabetes und andere Erkrankungen verbunden ist, unabhängig von der Medikation 6
- Aerobe Bewegung und diätetische Beratung sind als nichtpharmakologische Behandlung des Antipsychotika-induzierten metabolischen Syndroms wirksam 5