Sedierende Antipsychotika
Quetiapin und Olanzapin sind die am stärksten sedierenden atypischen Antipsychotika und werden gezielt bei hyperaktivem Delir oder Agitation eingesetzt, wobei die Sedierung als therapeutisch vorteilhaft gilt. 1
Primär sedierende atypische Antipsychotika
Quetiapin
- Ausgeprägte sedierende Wirkung, die bei hyperaktivem Delir therapeutisch genutzt werden kann 1
- Nur in oraler Formulierung verfügbar, was die Anwendung bei akuter Agitation einschränkt 1
- Dosierung bei älteren Patienten: 50-150 mg/Tag für agitierte Demenz 2
- Wichtige Warnung: Bei niedrigen Dosen (off-label für Sedierung/Schlaf) besteht ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, besonders bei Frauen und Patienten ≥65 Jahre 3
Olanzapin
- Stark sedierend, besonders vorteilhaft bei hyperaktivem Delir 1
- Verfügbar in parenteraler und oral dispergierbarer Form für akute Situationen 1
- Dosierung bei älteren Patienten: 5-7,5 mg/Tag für agitierte Demenz 2
- Kritische Warnung für ältere Patienten: Bei Kombination mit Benzodiazepinen (besonders Clonazepam) sind Todesfälle dokumentiert - Startdosis sollte nur 2,5 mg betragen 4
- Höheres Risiko für Gewichtszunahme und Diabetes 5, 6
Chlorpromazin
- Stark sedierend, klassisches niederpotentes typisches Antipsychotikum 1
- Nur bei bettlägerigen Patienten verwenden wegen ausgeprägter orthostatischer Hypotension 1
- Geeignet für schweres Delir mit Agitation 1
Mäßig sedierende Antipsychotika
Risperidon
- Mäßige Sedierung, weniger ausgeprägt als Quetiapin oder Olanzapin 2
- Erstlinientherapie bei Schizophrenie im Alter: 1,25-3,5 mg/Tag 2
- Bei agitierter Demenz: 0,5-2,0 mg/Tag 2
Zuclopenthixol
- Vorteilhaft wegen sedierender Eigenschaften in der Akutphase 6
- Hochpotentes typisches Antipsychotikum mit schneller Titration 6
Nicht-sedierende/aktivierende Antipsychotika (zu vermeiden bei Sedierungsbedarf)
- Aripiprazol: Minimal sedierend, eher aktivierend 5
- Ziprasidone: Weniger sedierend 5
- Haloperidol: Hochpotentes typisches Antipsychotikum ohne primär sedierende Wirkung 6
Klinischer Algorithmus für die Auswahl
Bei hyperaktivem Delir oder Agitation:
- Erste Wahl: Quetiapin (oral) oder Olanzapin (oral/parenteral) wegen therapeutisch erwünschter Sedierung 1
- Bei bettlägerigen Patienten: Chlorpromazin als Alternative 1
- Wichtig: Benzodiazepine nicht als Erstlinientherapie, nur bei refraktärer Agitation zusätzlich zu Neuroleptika 1
Bei älteren Patienten (≥65 Jahre):
- Drastisch reduzierte Startdosen erforderlich: Olanzapin 2,5 mg, Quetiapin 50 mg 4, 2
- Niemals Kombination von Olanzapin mit Benzodiazepinen in Standarddosen - Mortalitätsrisiko 4
- Vorsicht bei kardiovaskulären Erkrankungen: Niedrig-dosiertes Quetiapin erhöht das Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall 3
Bei Parkinson-Krankheit:
- Quetiapin ist Erstlinientherapie wegen geringster extrapyramidaler Nebenwirkungen 2
Häufige Fallstricke
- Vermeiden Sie Standarddosen bei älteren Patienten - dies erhöht das Mortalitätsrisiko signifikant 4
- Quetiapin off-label in niedrigen Dosen (für Schlaf/Angst) sollte vermieden werden wegen kardiovaskulärer Risiken 3
- Kombination von Olanzapin mit Clonazepam bei älteren Patienten ist kontraindiziert wegen dokumentierter Todesfälle 4
- Chlorpromazin niemals bei mobilen Patienten verwenden wegen Sturzgefahr durch Orthostase 1
- Benzodiazepine verschlimmern Delir und sollten nicht als Monotherapie eingesetzt werden 1