Vorteile von Zuclopenthixol im Vergleich zu anderen Neuroleptika
Zuclopenthixol bietet keinen eindeutigen klinischen Vorteil gegenüber anderen typischen Neuroleptika bei der Behandlung von Schizophrenie, obwohl es möglicherweise im Kurzzeitbereich eine geringfügig bessere Wirksamkeit auf den Globalzustand zeigt, jedoch mit dem Nachteil häufiger extrapyramidaler Nebenwirkungen, die bei etwa der Hälfte der Patienten auftreten. 1
Wirksamkeit im Vergleich zu typischen Neuroleptika
Zuclopenthixol zeigt eine leichte Überlegenheit gegenüber anderen typischen Antipsychotika beim Outcome "unverändert oder schlechter", mit einer Risikoreduktion (RR 0.72,95% CI 0.53-0.98, NNT 10) in Kurzzeitstudien 1
Die Abbruchrate war bei Zuclopenthixol niedriger als bei anderen typischen Neuroleptika (22% vs 30%, RR 0.70,95% CI 0.51-0.95, NNT 12), was auf eine bessere Verträglichkeit oder Akzeptanz hindeuten könnte 1
Es gibt keine klaren Unterschiede zwischen Zuclopenthixol und anderen typischen Antipsychotika bezüglich Bewegungsstörungen (RR für zusätzliche Antiparkinson-Medikation 1.07,95% CI 0.86-1.33) oder allgemeiner Agitation 1
Vergleich mit atypischen Antipsychotika
Zuclopenthixol zeigt keine Überlegenheit gegenüber Risperidon beim Outcome "unverändert oder schlechter" (RR 1.30,95% CI 0.80-2.11) 1
Patienten unter Zuclopenthixol benötigen signifikant häufiger Antiparkinson-Medikation im Vergleich zu Risperidon (RR 1.92,95% CI 1.12-3.28, NNH 3), was einen klaren Nachteil gegenüber atypischen Antipsychotika darstellt 1
Die Abbruchrate war bei Zuclopenthixol höher als bei atypischen Antipsychotika (45% vs 30%, RR 1.48,95% CI 0.98-2.22) 1
Spezielle Formulierungen: Zuclopenthixol-Acetat
Zuclopenthixol-Acetat zeigt eine statistisch signifikante Reduktion psychotischer Angst bereits nach 24 Stunden (PAS-Score-Reduktion von 63 auf 25 innerhalb von 9 Tagen, p < 0.01) 2
Die Acetat-Formulierung hat einen schnellen Wirkungseintritt mit maximalen Serumkonzentrationen nach etwa 36 Stunden und einer Wirkdauer von 2-3 Tagen 3
Trotz Behauptungen über Vorteile in psychiatrischen Notfällen zeigt Zuclopenthixol-Acetat keine überlegene Wirksamkeit bei der Kontrolle aggressiven/desorganisierten Verhaltens oder akuter psychotischer Symptome im Vergleich zu Standardbehandlungen 4
Es gibt Hinweise auf eine frühere und intensivere Sedierung bei 4 Stunden im Vergleich zu oralem Haloperidol (OR 0.18,95% CI 0.04-0.93), jedoch ohne Vermeidung zusätzlicher antipsychotischer Medikation 4
Nebenwirkungsprofil
Zuclopenthixol verursacht Bewegungsstörungen, möglicherweise häufiger als neuere Antipsychotika, jedoch nicht häufiger als ältere typische Neuroleptika 1
Im Vergleich zu Placebo zeigt Zuclopenthixol ein erhöhtes Risiko für extrapyramidale Symptome (RR 5.37,95% CI 1.12-29.34, NNH 2) 1
Die Acetat-Formulierung zeigt wenige anticholinerge und extrapyramidale Nebenwirkungen sowie geringe Somnolenz mit ausgezeichneter lokaler Verträglichkeit 5
Klinische Einordnung im Behandlungsalgorithmus
Aktuelle Leitlinien empfehlen atypische Antipsychotika wie Risperidon, Olanzapin oder Paliperidon als Erstlinientherapie bei Schizophrenie, nicht Zuclopenthixol 6
Wenn ein älteres typisches Neuroleptikum verschrieben werden soll, ist Zuclopenthixol-Dihydrochlorid eine praktikable Option, sollte jedoch am besten mit zusätzlicher Medikation zur Vermeidung von Bewegungsstörungen kombiniert werden 1
Für behandlungsresistente Fälle sollte Clozapin ernsthaft in Betracht gezogen werden, bevor auf Antipsychotika-Polypharmazie umgestellt wird 7
Wichtige Einschränkungen
Es fehlen Daten zu Service-, funktionalen und Verhaltensoutcomes sowie zu wichtigen Ergebnissen wie Rückfällen 1
Die meisten Studien zu Zuclopenthixol weisen erhebliche methodologische Mängel auf, und die Ergebnisse sind schlecht dokumentiert 4
Eine Behandlungsdauer von mindestens 4-6 Wochen bei therapeutischer Dosis ist erforderlich, bevor die Wirksamkeit beurteilt werden kann 7, 6