Ziprasidone (Steckbrief)
Ziprasidone ist ein atypisches Antipsychotikum mit einzigartigem Rezeptorbindungsprofil, das für akute Psychosen bei Schizophrenie und manische Episoden bei bipolarer Störung zugelassen ist, mit dem Vorteil eines günstigen metabolischen Profils (keine Gewichtszunahme), aber dem wichtigen Nachteil einer QTc-Verlängerung und der Notwendigkeit der Einnahme mit 500 kcal Nahrung für ausreichende Absorption.
Indikationen
- Schizophrenie: Behandlung von Erwachsenen mit Schizophrenie, sowohl bei akuten Exazerbationen als auch bei chronischen Verläufen 1, 2
- Bipolare Störung: Akute manische oder gemischte Episoden (mit oder ohne psychotische Merkmale) 1, 3
- Akute Agitation: Die intramuskuläre Formulierung ist für die Kontrolle akuter Agitation bei psychotischen Patienten zugelassen 4, 5
Dosierung
Orale Formulierung
- Akute Psychose/Manie: 40 mg zweimal täglich am Tag 1, dann Titration auf Zieldosis von 120-160 mg/Tag (60-80 mg zweimal täglich) für optimale Symptomkontrolle 6, 7
- Erhaltungstherapie: 40-80 mg/Tag kann als effektive Erhaltungsdosis ausreichend sein 8, 2
- Maximaldosis: 160 mg/Tag (80 mg zweimal täglich) 1, 7
Intramuskuläre Formulierung
- Akute Agitation: 10-20 mg IM, mit Wirkungseintritt innerhalb von 15-30 Minuten 4, 5
- Wiederholungsdosis: Kann alle 2-4 Stunden wiederholt werden, Maximaldosis 40 mg/Tag 5
Kritische Einnahmehinweise
- Mit Nahrung einnehmen: Ziprasidon muss mit einer 500 kcal Mahlzeit eingenommen werden, da sonst die Absorption erheblich reduziert ist und dies nicht durch Dosiserhöhung kompensiert werden kann 1, 6
- Zweimal täglich: Zur gleichen Tageszeit einnehmen für konstante Plasmaspiegel 1
- Nicht zerkauen oder öffnen: Kapseln ganz schlucken 1
Wirkmechanismus
- Dopamin-Antagonismus: D2-Rezeptor-Blockade für antipsychotische Wirkung 9
- Serotonin-Antagonismus: 5-HT2A-Antagonismus trägt zur atypischen Wirkung bei 9
- Zusätzliche Aktivität: 5-HT1D-Antagonismus und 5-HT1A-Agonismus mit potenziellem antidepressivem und anxiolytischem Effekt 8
- Multirezeptor-Profil: Einzigartiges Bindungsprofil unterscheidet Ziprasidon von anderen atypischen Antipsychotika 2, 3
Wirksamkeit
- Positive Symptome: Signifikant wirksamer als Placebo bei Reduktion von Halluzinationen, Wahn und Denkstörungen 7, 2
- Negative Symptome: Bei 160 mg/Tag signifikant wirksamer als Placebo bei Verbesserung negativer Symptome 7, 2
- Depressive Symptome: Bei 160 mg/Tag signifikant wirksamer als Placebo bei Patienten mit klinisch signifikanter Depression 7
- Vergleichbare Wirksamkeit: Ähnliche Wirksamkeit wie Haloperidol 15 mg/Tag, aber mit besserem Verträglichkeitsprofil 7, 2
- Rückfallprävention: Wirksamer als Placebo bei Verhinderung drohender Rückfälle bei stabilen chronischen Patienten 7, 2
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen
- Schläfrigkeit/Sedierung: Häufig, besonders zu Behandlungsbeginn 1, 8
- Übelkeit/Magenverstimmung: Häufig berichtet 1
- Obstipation: Häufig 1
- Schwindel: Kann durch orthostatische Hypotonie verursacht werden 1, 8
- Ruhelosigkeit (Akathisie): Möglich, aber seltener als bei typischen Neuroleptika 1
- Abnorme Muskelbewegungen: Tremor, schlurfender Gang, unwillkürliche Bewegungen möglich 1
- Durchfall, Hautausschlag, Husten/Schnupfen: Gelegentlich 1
Schwerwiegende Nebenwirkungen
QTc-Verlängerung (KRITISCH)
- Kardiale Überwachung erforderlich: Ziprasidon verlängert das QTc-Intervall mehr als die meisten anderen atypischen Antipsychotika 1, 8
- Kontraindikationen: Langes QT-Syndrom, kürzlicher Herzinfarkt, schwere Herzinsuffizienz, bestimmte Herzrhythmusstörungen 1
- Medikamenteninteraktionen: Nicht kombinieren mit Dofetilid, Sotalol, Chinidin, Klasse Ia/III-Antiarrhythmika, Mesoridazin, Thioridazin, Chlorpromazin, Droperidol, Pimozid und anderen QT-verlängernden Medikamenten 1
- Sofort Arzt kontaktieren bei: Ohnmacht, Bewusstseinsverlust, Palpitationen 1
Malignes neuroleptisches Syndrom (NMS)
- Symptome: Sehr hohes Fieber, Muskelsteifigkeit, Zittern, Verwirrtheit, Schwitzen, erhöhte Herzfrequenz und Blutdruck 1
- Selten aber potenziell tödlich: Sofort Arzt informieren bei diesen Zeichen 1
DRESS und Stevens-Johnson-Syndrom
- DRESS-Zeichen: Hautausschlag, Fieber, geschwollene Lymphknoten 1
- Stevens-Johnson-Zeichen: Hautausschlag mit Blasen, Ulzera im Mund, Hautablösung, Fieber, zielscheibenartige Hautflecken 1
- Manchmal tödlich: Sofort Arzt informieren 1
Metabolische Vorteile (im Vergleich zu anderen Atypika)
- Keine klinisch signifikante Gewichtszunahme: Wichtiger Vorteil gegenüber Olanzapin, Risperidon, Quetiapin 6, 8
- Keine Lipidveränderungen: Keine nachteiligen Veränderungen von Cholesterin oder Triglyceriden 6, 8
- Keine Glukosedysregulation: Nicht assoziiert mit erhöhten Glukosespiegeln 6, 8
- Verbesserung bei Umstellung: Patienten können moderate Verbesserung dieser Parameter bei Umstellung von anderem Antipsychotikum auf Ziprasidon erfahren 6
Weitere Vorteile
- Niedrige EPS-Rate: Geringe Wahrscheinlichkeit für extrapyramidale Symptome 7, 8, 2
- Keine anticholinergen Effekte: Kein Mundtrockenheit, Obstipation durch anticholinerge Mechanismen 8
- Keine anhaltende Prolaktinerhöhung: Im Gegensatz zu Risperidon 8, 2
- Selten orthostatische Hypotonie: Geringeres Risiko als bei einigen anderen Atypika 8
Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen:
Nicht zugelassen: Ältere Patienten mit Demenz-assoziierter Psychose 1
Wichtige Warnhinweise
- Baseline-EKG erforderlich: Vor Behandlungsbeginn bei Patienten mit kardialen Risikofaktoren 1
- Elektrolyte überwachen: Nach Erkrankungen mit Flüssigkeitsverlust (Durchfall, Erbrechen) Kalium und Magnesium kontrollieren 1
- Vorsicht bei Hitze: Kann Fähigkeit zur Thermoregulation beeinträchtigen, hohe Temperaturen/Luftfeuchtigkeit vermeiden 1
- Alkohol vermeiden: Keine alkoholischen Getränke während der Behandlung 1
- Vorsicht beim Autofahren: Kann Schläfrigkeit verursachen 1
- Schwangerschaft: Arzt informieren, Registrierung im National Pregnancy Registry erwägen 1
- Stillen: Ziprasidon geht in Muttermilch über, Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich 1
Besondere Populationen
- Niereninsuffizienz: Keine Dosisanpassung erforderlich, da <1% unverändert renal ausgeschieden wird 1
- Leberinsuffizienz: AUC erhöht um 13% (Child-Pugh A) bzw. 34% (Child-Pugh B), Vorsicht geboten 1
- Ältere Patienten: Keine Dosisanpassung erforderlich, aber erhöhte Vorsicht wegen Sedierung 1
- Geschlecht: Keine geschlechtsspezifischen Dosisanpassungen erforderlich 1
- Rauchen: Kein Einfluss auf Pharmakokinetik, da kein CYP1A2-Substrat 1
Klinische Fallstricke
- Unzureichende Nahrungsaufnahme: Häufigster Grund für Therapieversagen ist Einnahme ohne 500 kcal Mahlzeit 6
- Zu niedrige Dosierung: Zieldosis von 120-160 mg/Tag für optimale Wirksamkeit erforderlich, nicht bei 40-80 mg/Tag bleiben 6
- Zu schnelles Absetzen: Geduld erforderlich, da Wirkung einige Wochen dauern kann 1
- Übersehen von Herzerkrankungen: Sorgfältige kardiale Anamnese und EKG vor Beginn essentiell 1
- Medikamenteninteraktionen: Vollständige Medikamentenliste einschließlich OTC und pflanzlicher Präparate erforderlich 1