Rangordnung der Antipsychotika nach EPS-Risiko
Die Antipsychotika können nach ihrem Risiko für extrapyramidale Symptome (EPS) wie folgt eingestuft werden (vom niedrigsten zum höchsten Risiko): Clozapin < Quetiapin < Olanzapin < Ziprasidon < Risperidon (dosisabhängig) < hochpotente typische Antipsychotika (z.B. Haloperidol). 1
Atypische Antipsychotika – Detaillierte Risikostufung
Niedrigstes EPS-Risiko
Clozapin weist das niedrigste EPS-Risiko aller Antipsychotika auf und kann sogar parkinsonsche Symptome reduzieren, obwohl es aufgrund von Agranulozytose-Risiko (ca. 1%) und Krampfanfällen (ca. 3-5%) ein intensives Monitoring erfordert. 2, 1
Quetiapin zeigt nach Clozapin das zweitniedrigste EPS-Risiko mit einer aggregierten EPS-Inzidenz von nur 3,6% bei Kindern/Jugendlichen mit bipolarer Manie (vs. 1% Placebo) und 12,9% bei Schizophrenie (vs. 5,3% Placebo). 3, 1
Mittleres EPS-Risiko
Olanzapin hat ein intermediär-niedriges EPS-Risiko, das teilweise durch seine anticholinerge Aktivität erklärt wird, die EPS begrenzt. 4, 1
Ziprasidon liegt im mittleren Risikobereich und erhöht signifikant das Risiko für EPS sowohl bei Manie (NNTH = 11) als auch bei Schizophrenie (NNTH = 19), wobei die Effekte bei Manie ausgeprägter sind. 5
Höheres EPS-Risiko unter den Atypika
Risperidon zeigt ein dosisabhängiges EPS-Risiko, das bei Dosen über 2 mg/Tag deutlich ansteigt. 6, 4 Bei niedrigen Dosen ist das Risiko geringer als bei Olanzapin und Ziprasidon, bei höheren Dosen jedoch höher. 1 Die American Academy of Child and Adolescent Psychiatry betont, dass Risperidon bei Dosen über 2 mg/Tag ein erhöhtes EPS-Risiko aufweist. 6
Lurasidon zeigt dosisabhängige EPS-Raten: 4,9% bei 20-60 mg/Tag und 9,0% bei 80-120 mg/Tag (vs. Placebo). 7
Typische Antipsychotika – Hohes EPS-Risiko
Hochpotente typische Antipsychotika
- Haloperidol hat das höchste EPS-Risiko mit einem NNTH für Akathisie von 4 bei Manie und 7 bei Schizophrenie, für Gesamt-EPS von 3 bei Manie und 5 bei Schizophrenie. 5 Die American Academy of Pediatrics klassifiziert hochpotente Antipsychotika wie Haloperidol als Verursacher von mehr EPS, aber weniger Sedierung. 6
Niedrigpotente typische Antipsychotika
Thioridazin zeigt eine niedrigere Co-Verschreibungsrate von Antiparkinson-Medikamenten (60,99%) im Vergleich zu anderen typischen Antipsychotika, was auf ein relativ niedrigeres EPS-Risiko innerhalb dieser Klasse hindeutet. 8
Chlorpromazin verursacht mehr Sedierung mit weniger EPS im Vergleich zu hochpotenten Wirkstoffen. 6
Populationsspezifische Risikofaktoren
Kinder und Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko für EPS, insbesondere junge Männer für akute Dystonie. 6, 4
Bipolare Patienten, besonders in der depressiven Phase, sind vulnerabler für antipsychotika-induzierte Bewegungsstörungen als Schizophrenie-Patienten. 5
Das Risiko für Tardive Dyskinesie beträgt etwa 5% pro Jahr bei jungen Patienten unter Antipsychotika-Therapie. 4, 9
Klinische Implikationen
Wichtige Fallstricke:
Risperidon wird oft als "atypisch mit niedrigem EPS-Risiko" wahrgenommen, hat aber bei Dosen >2 mg/Tag ein erhebliches EPS-Risiko. 6
Akathisie wird häufig als psychotische Agitation oder Angst fehlinterpretiert, was zu inadäquater Dosiserhöhung führen kann. 6, 4
Prophylaktische Anticholinergika sollten nicht routinemäßig eingesetzt werden, sondern nur bei Hochrisikopatienten (junge Männer, frühere dystone Reaktionen). 4
Monitoring-Empfehlungen: