Hypokaliämie induzierende Substanzen
Diuretika (Hauptursache medikamentöser Hypokaliämie)
Diuretika sind die häufigste Ursache medikamentös induzierter Hypokaliämie und erfordern besondere Aufmerksamkeit bei der Verschreibung und Überwachung. 1, 2, 3
Schleifendiuretika
- Furosemid, Bumetanid, Torasemid verursachen erhebliche Kaliumverluste durch erhöhte distale Natriumzufuhr und sekundäre Aldosteronstimulation 4, 1
- Hypokaliämie entwickelt sich besonders bei kräftiger Diurese, unzureichender oraler Elektrolytzufuhr oder bei Vorliegen einer Zirrhose 1
- Das Risiko ist deutlich erhöht, wenn zwei Diuretika kombiniert werden 4
- Furosemid kann bei schwerer Hypokaliämie (<3,0 mmol/L) vorübergehend abgesetzt werden 4
Thiaziddiuretika
- Hydrochlorothiazid (HCTZ) und Chlorthalidon blockieren die Natrium-Chlorid-Reabsorption im distalen Tubulus und lösen kompensatorische Kaliumausscheidung aus 5, 6, 3
- Klinisch signifikante Hypokaliämie tritt bei 7-56% der Patienten unter Thiazidtherapie auf 3
- Bei 12,5 mg HCTZ ist Hypokaliämie seltener als bei höheren Dosen 6
- Chlorthalidon verursacht Hypokaliämie besonders bei kräftiger Diurese, schwerer Zirrhose oder gleichzeitiger Anwendung von Kortikosteroiden oder ACTH 5
- Das Risiko ist bei Frauen und bei schwarzen Patienten höher 3
Kaliumsparende Diuretika (Schutzwirkung)
- Spironolacton, Amilorid, Triamteren verhindern Kaliumverluste und sind wirksamer als chronische orale Kaliumsupplementierung bei persistierender diuretikainduzierter Hypokaliämie 4, 2
Kortikosteroide und hormonelle Substanzen
- Kortikosteroide (z.B. Prednisolon) verursachen Hypokaliämie durch mineralokortikoide Effekte 4
- Hydrokortison verursacht mehr Hypokaliämie als Methylprednisolon bei äquivalenten Dosen 4
- ACTH (Adrenokortikotropes Hormon) verstärkt die Elektrolytdepletion, insbesondere Hypokaliämie 5, 6, 1
- Die gleichzeitige Anwendung mit Diuretika intensiviert die Kaliumdepletion 5, 6
Beta-2-Agonisten
- Albuterol und andere Beta-2-Agonisten verursachen intrazelluläre Kaliumverschiebung (transzellulärer Shift) 4, 7
- Beta-Agonisten können bestehende Hypokaliämie verschlimmern 4
- Der Effekt tritt innerhalb von 30-60 Minuten ein 4
Insulin
- Insulin treibt Kalium in die Zellen und reduziert den extrazellulären Kaliumspiegel 4, 7
- Besonders relevant bei diabetischer Ketoazidose, wo trotz initial normaler oder erhöhter Serumwerte ein Gesamtkörperkaliumdefizit von 3-5 mEq/kg Körpergewicht besteht 4
- Hochdosierte Insulintherapie kann Hypokaliämie auslösen oder verschlimmern 4
Antibiotika und antimikrobielle Substanzen
- Amphotericin B verursacht renale Kaliumverluste 8
- Penicilline in hohen Dosen (insbesondere Carbenicillin, Ticarcillin) können Hypokaliämie induzieren 8
- Aminoglykoside können zu Kaliumverlusten führen 8
Laxantien
- Chronischer Laxantiengebrauch führt zu gastrointestinalen Kaliumverlusten 1, 2
- Besonders bei längerer Anwendung steigt das Hypokaliämierisiko 1
Weitere Substanzen
Theophyllin
- Kann Kaliumverschiebungen verursachen 9
- Interagiert mit Moxifloxacin und erhöht das Konvulsionsrisiko 9
Süßholz (Lakritze)
Koffein
- Erhöht renale Kaliumverluste 4
Wichtige Kombinationen mit erhöhtem Risiko
Die gleichzeitige Anwendung mehrerer kaliumdepletierender Substanzen erhöht das Risiko schwerer Hypokaliämie exponentiell. 4, 3
- Diuretika + Kortikosteroide/ACTH: Intensivierte Elektrolytdepletion 5, 6, 1
- Zwei Diuretika kombiniert: Deutlich erhöhtes Hypokaliämierisiko 4
- Diuretika + Digitalis: Hypokaliämie verstärkt die metabolischen Effekte und Toxizität von Digitalis, besonders auf das Myokard 5, 6, 1
- Diuretika + Beta-Agonisten: Additive kaliumdepletierende Effekte 4
Besondere Risikogruppen
- Ältere Patienten: Besonders anfällig durch reduzierte glomeruläre Filtration, Multimorbidität und Polypharmazie 4
- Patienten mit Leberzirrhose: Erhöhtes Risiko bei Diuretikaanwendung 5, 1
- Patienten mit Herzerkrankungen: Hypokaliämie erhöht das Arrhythmierisiko erheblich 10, 11
- Diabetiker: Insulintherapie und Hyperglykämie können Kaliumverschiebungen verursachen 4, 7
Klinische Überwachung
Regelmäßige Elektrolytkontrollen sind bei allen Patienten unter kaliumdepletierenden Medikamenten essentiell. 6, 1, 3
- Serumkalium sollte besonders in den ersten Monaten der Therapie häufig bestimmt werden 1
- Bei Patienten mit Risikofaktoren (Hypertonie, Herzinsuffizienz, Diabetes) ist sorgfältige Überwachung entscheidend 11
- Warnsymptome umfassen: Mundtrockenheit, Durst, Schwäche, Lethargie, Schläfrigkeit, Unruhe, Muskelschmerzen oder -krämpfe, muskuläre Ermüdung, Hypotonie, Oligurie, Tachykardie und gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen 5, 6, 1