Candesartan bei symptomatischer Hypotonie absetzen oder reduzieren
Bei symptomatischer Hypotonie unter Candesartan sollte die Dosis vorübergehend reduziert oder das Medikament pausiert werden, bis der Volumenstatus korrigiert ist – nicht dauerhaft abgesetzt, da Candesartan bei Herzinsuffizienz die Mortalität senkt. 1, 2
Sofortmaßnahmen bei symptomatischer Hypotonie
- Candesartan vorübergehend pausieren oder Dosis halbieren, wenn der Patient Schwindel, Benommenheit oder Synkope entwickelt 2
- Volumendepletion korrigieren durch Reduktion oder Pausierung von Diuretika, wenn keine klinischen Zeichen von Volumenüberlastung vorliegen (keine peripheren Ödeme, klare Lungen, keine Jugularvenenstauung) 3, 2
- Flüssigkeitszufuhr erhöhen auf mindestens 2 Liter täglich zur Aufrechterhaltung des Plasmavolumens 3
- Salzaufnahme steigern auf 6–9 g pro Tag (ca. 1–2 Teelöffel), sofern keine Herzinsuffizienz oder unkontrollierte Hypertonie vorliegt 3
Algorithmus zur Wiederaufnahme von Candesartan
Schritt 1: Volumenstatus optimieren
- Diuretika reduzieren oder absetzen, wenn keine Stauungszeichen bestehen 3, 2
- Andere blutdrucksenkende Medikamente überprüfen (ACE-Hemmer, Betablocker, trizyklische Antidepressiva) und bei Bedarf reduzieren 3
- Volumenrepletion über 3–7 Tage durchführen 2
Schritt 2: Candesartan mit niedriger Dosis neu starten
- Mit Candesartan 4 mg einmal täglich beginnen (niedrigste verfügbare Dosis) 1
- Blutdruck und Symptome nach 1 Woche kontrollieren 1
- Engmaschige Überwachung in den ersten 2 Wochen, besonders bei Herzinsuffizienz-Patienten 2
Schritt 3: Vorsichtige Dosistitration
- Nach 2–4 Wochen auf 8 mg erhöhen, wenn Blutdruck stabil und keine Symptome auftreten 1
- Ziel-Erhaltungsdosis: 32 mg einmal täglich (evidenzbasierte Dosis aus CHARM-Studien) 1
- Bei jeder Dosissteigerung Nierenfunktion und Elektrolyte nach 1 und 4 Wochen kontrollieren 1
Wann Candesartan dauerhaft absetzen?
- Persistierende symptomatische Hypotonie trotz Volumenrepletion und Dosisreduktion 2
- Akutes Nierenversagen mit Kreatinin-Anstieg >310 µmol/L (3,5 mg/dL) 1
- Schwere Hyperkaliämie >6,0 mmol/L 1
- Schwangerschaft – sofort absetzen bei Feststellung 2
Besondere Situationen
Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion
- Candesartan nicht dauerhaft absetzen, da es Mortalität und Hospitalisierungen reduziert (23% relative Risikoreduktion) 1
- Niedriger Ausgangsblutdruck (systolisch ≤100 mmHg) verändert nicht den relativen Nutzen von Candesartan 4
- Das Risiko für Therapieabbruch wegen Hypotonie ist bei niedrigem Ausgangsblutdruck erhöht, aber das relative Risiko im Vergleich zu Placebo bleibt gleich 4
Hämodialyse-Patienten
- Candesartan 4 mg unmittelbar vor Hämodialyse beginnen 5
- Keine Akkumulation oder symptomatische Hypotonie in Studien beobachtet 5
- Plasmaspiegelsteigerung um Faktor 1,4 bei Erhöhung auf 8 mg 5
Genetische Faktoren
- *CYP2C91/3-Genotyp* (heterozygoter Poor Metabolizer) führt zu 2,5-fach erhöhter AUC und verstärkter Hypotonie 6
- Bei unerklärlich starker Hypotonie genetisches Screening erwägen 6
Häufige Fehler vermeiden
- Nicht Candesartan dauerhaft absetzen, ohne Volumendepletion zu korrigieren 2
- Nicht mit ACE-Hemmer kombinieren (erhöht Hypotonie-, Hyperkaliämie- und Niereninsuffizienz-Risiko ohne zusätzlichen Nutzen) 1, 2
- Nicht bei asymptomatischer Hypotonie behandeln – Intervention nur bei Symptomen erforderlich 3
- Nicht Diuretika fortsetzen, wenn keine Volumenüberlastung besteht 3, 2
Monitoring nach Wiederaufnahme
- Blutdruck im Stehen und Liegen nach 1 Woche messen 3
- Nierenfunktion und Kalium nach 1 und 4 Wochen, dann nach 1,2,3 und 6 Monaten 1
- Symptome von Schwindel, Benommenheit oder Synkope erfragen 2
- Bei persistierender symptomatischer Hypotonie trotz optimiertem Volumen: Midodrin 2,5–10 mg dreimal täglich erwägen (nicht nach 18 Uhr wegen Risiko für supine Hypertonie) 3