Ab wann Hypertonie – Blutdruckgrenzwerte für die Diagnose
Eine Hypertonie liegt vor, wenn der Blutdruck in der Praxis bei 2–3 Messungen ≥140/90 mm Hg beträgt. 1
Praxismessung (Office Blood Pressure)
Grenzwert: ≥140/90 mm Hg 1
- Die Diagnose sollte nicht auf einer einzigen Praxismessung basieren, sondern auf 2–3 Besuchen im Abstand von 1–4 Wochen (abhängig von der Blutdruckhöhe) 1
- Bei jedem Besuch sollten 3 Messungen im Abstand von 1 Minute durchgeführt und der Durchschnitt der letzten 2 Messungen verwendet werden 1
- Eine Ausnahme: Bei Blutdruck ≥180/110 mm Hg und Vorliegen einer kardiovaskulären Erkrankung kann die Diagnose bereits beim ersten Besuch gestellt werden 1
Korrekte Messtechnik ist entscheidend
- Ruhiger Raum, 3–5 Minuten Ruhe vor der Messung 1
- Keine Zigaretten, kein Koffein, keine körperliche Aktivität 30 Minuten vor der Messung 1
- Leere Blase 1
- Sitzende Position mit Rücken- und Fußunterstützung, Arm in Herzhöhe 1
- Validiertes elektronisches Oberarm-Messgerät verwenden 1
Häufiger Fehler: Eine einzelne Praxismessung kann den Blutdruck erheblich überschätzen – Studien zeigen, dass 82,5% der Patienten Unterschiede >2 mm Hg zwischen der ersten und den Folgemessungen aufweisen 2
Häusliche Blutdruckmessung (Home Blood Pressure)
Grenzwert: ≥135/85 mm Hg 1, 3, 4
- Häusliche Messungen sind reproduzierbarer als Praxismessungen und korrelieren besser mit Endorganschäden und kardiovaskulären Ereignissen 1
- Bei Praxiswerten im Bereich 130–159/85–99 mm Hg sollte die Diagnose durch häusliche oder ambulante Messung bestätigt werden 1
- Die häusliche Messung identifiziert Weißkittelhypertonie (erhöhter Praxisdruck, normaler Heimdruck) und maskierte Hypertonie (normaler Praxisdruck, erhöhter Heimdruck) 1
24-Stunden-Ambulante Blutdruckmessung (ABPM)
24-Stunden-Durchschnitt: ≥130/80 mm Hg
Tagesdurchschnitt: ≥135/85 mm Hg
Nachtdurchschnitt: ≥120/70 mm Hg
Die ambulante Messung gilt als Goldstandard zur Bestätigung der Hypertonie-Diagnose 1
Sie ist besonders wichtig bei Verdacht auf Weißkittelhypertonie oder maskierte Hypertonie 1
Unterschiedliche Definitionen: Wichtige Nuance
Amerikanische Leitlinien (ACC/AHA) definieren Hypertonie bereits ab ≥130/80 mm Hg in der Praxis 1, 5, während die internationalen (ISH) und europäischen Leitlinien weiterhin den Grenzwert von ≥140/90 mm Hg verwenden 1, 5. Die niedrigere amerikanische Schwelle basiert auf der SPRINT-Studie, die zeigte, dass eine intensive Blutdrucksenkung auf <130 mm Hg systolisch die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität um >25% reduziert 5.
Für die globale Praxis und in Deutschland gilt primär der Grenzwert ≥140/90 mm Hg 1, wobei bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (Diabetes, chronische Nierenerkrankung, etablierte kardiovaskuläre Erkrankung) bereits niedrigere Werte behandlungsbedürftig sein können 4, 5.
Weißkittelhypertonie und maskierte Hypertonie
Weißkittelhypertonie: Praxisdruck ≥140/90 mm Hg, aber häuslich/ambulant <135/85 bzw. <130/80 mm Hg 1
Maskierte Hypertonie: Praxisdruck <140/90 mm Hg, aber häuslich/ambulant ≥135/85 bzw. ≥130/80 mm Hg 1
Zusammenfassung der Grenzwerte
| Messart | Grenzwert (systolisch/diastolisch) |
|---|---|
| Praxismessung | ≥140/90 mm Hg [1] |
| Häusliche Messung | ≥135/85 mm Hg [1,3] |
| 24h-ABPM (Durchschnitt) | ≥130/80 mm Hg [1,3] |
| ABPM (Tag) | ≥135/85 mm Hg [1,3] |
| ABPM (Nacht) | ≥120/70 mm Hg [1,3] |