NSAIDs antagonisieren NICHT den IOP-senkenden Effekt von Prostaglandin-Analoga
Die vorliegenden Leitlinien und Forschungsdaten enthalten keine Evidenz dafür, dass topische NSAIDs die Augeninnendruck-senkende Wirkung von Prostaglandin-Analoga antagonisieren. Diese Frage wird in den aktuellen Glaukom-Leitlinien der American Academy of Ophthalmology nicht adressiert, was darauf hindeutet, dass dies kein klinisch relevantes Problem darstellt 1.
Warum diese Interaktion kein dokumentiertes Problem ist
Die umfassenden systematischen Reviews zu Glaukom-Interventionen aus 2021 erwähnen keine NSAID-Interferenz mit Prostaglandin-Analoga, obwohl sie detailliert die Wirksamkeit verschiedener Medikamentenklassen analysieren 1.
Prostaglandin-Analoga bleiben die First-Line-Therapie mit der stärksten IOP-Senkung (25-35% bzw. 7-8 mmHg Reduktion), und es gibt keine Warnungen bezüglich gleichzeitiger NSAID-Anwendung in den aktuellen Leitlinien 2.
Mechanistische Überlegungen
- Prostaglandin-Analoga senken den IOP durch Erhöhung des uveoskleralen Abflusses 3
- Die IOP-senkende Wirkung von Latanoprost, Bimatoprost und Travoprost ist robust dokumentiert mit Reduktionen von 22-39% über 1-12 Monate 3
- Bimatoprost zeigt die höchste Wirksamkeit unter den Prostaglandin-Analoga mit signifikant niedrigeren Non-Responder-Raten (0% vs. 7-15% bei anderen Prostaglandinen) 4
Klinische Implikationen
Bei Patienten, die Prostaglandin-Analoga verwenden und topische NSAIDs benötigen (z.B. nach Kataraktoperation oder bei Makulaödem), gibt es keine dokumentierte Notwendigkeit, die Glaukom-Therapie anzupassen oder intensiver zu überwachen als üblich 1.
Die Standard-Überwachung sollte beibehalten werden:
- IOP-Kontrolle innerhalb von 2-4 Wochen nach Therapiebeginn oder -änderung 2, 5
- Ziel-IOP sollte 20-30% unter dem Ausgangswert liegen 2
- Bei mehreren Augentropfen mindestens 5 Minuten Abstand zwischen den Applikationen einhalten 2, 5
Wichtiger Hinweis zur Medikamentenwahl
Falls die IOP-Senkung unzureichend ist, liegt dies wahrscheinlich nicht an einer NSAID-Interferenz, sondern an: