Wahrscheinlichste Diagnose und empfohlene Abklärung bei erniedrigter alkalischer Phosphatase
Wahrscheinlichste Diagnose
Bei einer erwachsenen Frau mit sechsmonatigem Fieber, ausgeprägter Fatigue, hochtitriger gesprenkelt-positiver ANA, niedrigen Komplementspiegeln, normalen Routine-Blut- und Nierenuntersuchungen sowie erniedrigter alkalischer Phosphatase ist systemischer Lupus erythematodes (SLE) die wahrscheinlichste Diagnose. 1
Die Konstellation aus hochtitrigen ANA (gesprenkelt), niedrigen Komplementspiegeln (C3/C4), und systemischen Symptomen (Fieber, Fatigue) erfüllt die klassischen serologischen und klinischen Kriterien für SLE. 1
Diagnostische Abklärung
Serologische Tests (Priorität 1)
- Anti-dsDNA-Antikörper sollten gemessen werden, da sie eine Spezifität von 85% für aktiven SLE aufweisen und zusammen mit niedrigen Komplementspiegeln die Diagnose stark unterstützen 1
- Anti-Sm-Antikörper (Smooth Muscle Antibody) sind hochspezifisch für SLE und sollten zur Diagnosesicherung bestimmt werden 1
- Komplette Komplementmessung (C3, C4) zur Bestätigung der niedrigen Werte und als Baseline für Verlaufskontrollen 1
- Quantitatives IgG sollte gemessen werden, da erhöhte IgG-Spiegel (>2-fach oberer Normwert) bei SLE häufig sind 1
Urindiagnostik (Priorität 1)
- Urin-Protein/Kreatinin-Ratio (UPCR) ist essentiell, um eine Lupusnephritis auszuschließen, auch wenn die Routine-Nierenuntersuchungen bisher unauffällig waren 1
- Urinmikroskopie mit Sediment zum Nachweis von zellulären Zylindern, die eine Sensitivität >80% für renale Schübe haben 1
- 12- oder 24-Stunden-Urinsammlung kann bei Verdacht auf Lupusnephritis erwogen werden 1
Weitere Laboruntersuchungen
- Komplettes Blutbild mit Differentialblutbild zum Ausschluss von Zytopenien (Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie), die bei SLE häufig vorkommen 1
- Anti-Phospholipid-Antikörper (Anti-Cardiolipin, Anti-β2-Glykoprotein I, Lupus-Antikoagulans) sollten bestimmt werden, da 20-30% der SLE-Patienten eine assoziierte Nephropathie entwickeln können 1
- Leberwerte (ALT, AST, Bilirubin) zur Beurteilung einer möglichen Leberbeteiligung 1
Abklärung der erniedrigten alkalischen Phosphatase
- Knochenspezifische alkalische Phosphatase (B-ALP) sollte gemessen werden, um zwischen Knochen- und Leberquelle zu differenzieren 2, 3
- Pyridoxal-Phosphat (Vitamin B6) und Phosphoethanolamin im Urin können bei Verdacht auf Hypophosphatasie hilfreich sein 2, 4
- Serum-Calcium, Phosphat und PTH zum Ausschluss metabolischer Knochenerkrankungen 2
- 25-Hydroxyvitamin D zur Beurteilung des Vitamin-D-Status 2
Behandlungsempfehlungen
Initiale Therapie bei bestätigtem SLE
- Hydroxychloroquin sollte bei allen SLE-Patienten eingeleitet werden, da es renale Schübe reduziert und die Akkumulation von Organschäden begrenzt 1
- Prednison (5-7,5 mg/Tag) kann zur Symptomkontrolle bei milden Manifestationen eingesetzt werden 1
- ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker sind indiziert bei Proteinurie (UPCR >50 mg/mmol) oder Hypertonie 1
Bei Lupusnephritis
- Belimumab (BENLYSTA) 10 mg/kg intravenös (Tage 0,14,28, dann alle 28 Tage) zusätzlich zur Standardtherapie führt zu Reduktionen von IgG und anti-dsDNA-Antikörpern ab Woche 8 und zu Anstiegen von C3 und C4 ab Woche 12 5
- Mycophenolat-Mofetil (MPA) oder Cyclophosphamid (CY) als Induktionstherapie bei schwerer Lupusnephritis 1
Monitoring
- Engmaschige Kontrollen alle 2-4 Wochen in den ersten 2-4 Monaten nach Diagnose, dann alle 3-6 Monate lebenslang 1
- Bei jedem Besuch: Körpergewicht, Blutdruck, Serum-Kreatinin, eGFR, Serum-Albumin, Proteinurie, Urinsediment, C3/C4, anti-dsDNA, komplettes Blutbild 1
- Veränderungen in Serum-Kreatinin, Proteinurie, Hämoglobin und Blutdruck sind Prädiktoren für Langzeit-Outcome 1
Wichtige klinische Fallstricke
- Nicht annehmen, dass normale Routine-Nierenuntersuchungen eine Lupusnephritis ausschließen – UPCR und Urinsediment sind essentiell 1
- Aktive Serologie (sinkende C3/C4 und/oder steigende anti-dsDNA) ohne Proteinurie ist keine Indikation für präventive Behandlung, erfordert aber engere Überwachung 1
- Erniedrigte alkalische Phosphatase bei SLE-Patienten kann auf Hypophosphatasie hinweisen, besonders wenn Antiresorptiva erwogen werden – diese sind bei Hypophosphatasie relativ kontraindiziert 6
- Bei persistierend niedriger ALP sollte eine genetische Testung auf ALPL-Mutationen erwogen werden, da 50% der Erwachsenen mit unerklärter niedriger ALP eine Mutation tragen 4