Diagnose und Management: Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
Bei einer Patientin mit schmetterlingsförmiger Gesichtsrötung unter Aussparung der Nasolabialfalten, intermittierendem Fieber bis 38,3°C und rezidivierendem, transientem Ausschlag (3-4 Stunden Dauer) ist die Verdachtsdiagnose systemischer Lupus erythematodes (SLE), und es sollte unverzüglich eine serologische Diagnostik eingeleitet werden. 1
Klinische Begründung der Diagnose
Die Kombination folgender Merkmale ist hochspezifisch für SLE:
Schmetterlingsexanthem mit Aussparung der Nasolabialfalten: Dies ist ein diagnostisches Hauptkriterium für SLE und unterscheidet sich von anderen Erkrankungen wie Rosazea (die die Nasolabialfalten einbezieht) oder seborrhoischer Dermatitis (die die Nasolabialfalten bevorzugt betrifft). 1, 2
Transiente Natur des Ausschlags: Das Verschwinden nach 3-4 Stunden mit späterem Wiederauftreten spricht für die charakteristische Photosensitivität und fluktuierende Entzündungsaktivität bei SLE. 1
Intermittierendes Fieber: Subfebrile bis febrile Temperaturen (38,3°C) sind häufige systemische Manifestationen bei SLE und reflektieren die zugrunde liegende Autoimmunaktivität. 1
Brennendes Gefühl ohne Wunden oder Erhebungen: Dies entspricht den nicht-sichtbaren Symptomen (Brennen, Stechen) bei entzündlichen Gesichtsdermatosen. 1
Differentialdiagnosen ausschließen
Rosazea: Würde persistierende zentrofaziale Erytheme mit Teleangiektasien zeigen und die Nasolabialfalten nicht aussparen. 1
Seborrhoische Dermatitis: Betrifft typischerweise die Nasolabialfalten mit fettigen (nicht trockenen) Schuppen und würde nicht das transiente Muster oder systemisches Fieber erklären. 2
Erysipel: Würde akut auftreten mit scharf begrenzten, hochroten, ödematösen Läsionen, deutlichem Schmerz und hohem Fieber, aber nicht das rezidivierende 3-4-Stunden-Muster zeigen. 3
Masern (atypische Präsentation): Könnte initial ein schmetterlingsartiges Exanthem zeigen, aber Koplik-Flecken, Konjunktivitis, Husten und generalisierte makulopapulöse Ausschläge würden folgen. 4
Erythema multiforme: Würde polymorphe Läsionen (Targetläsionen), Schleimhautbeteiligung und oft Blasenbildung zeigen, nicht das isolierte schmetterlingsförmige Muster. 5
Sofortige diagnostische Maßnahmen
Serologische Untersuchungen (obligat):
- Antinukleäre Antikörper (ANA): Screening-Test für SLE (Sensitivität >95%) 1
- Anti-Doppelstrang-DNA-Antikörper (anti-dsDNA): Hochspezifisch für SLE 1
- Anti-Sm-Antikörper: Hochspezifisch, aber weniger sensitiv 1
- Anti-Ro/SSA und Anti-La/SSB: Bei kutanem Lupus relevant 1
- Komplementfaktoren (C3, C4): Erniedrigt bei aktiver Erkrankung 1
Zusätzliche Laboruntersuchungen:
- Komplettes Blutbild: Prüfung auf Zytopenie (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie) 1
- Urinstatus mit Mikroskopie: Ausschluss einer Lupusnephritis (Proteinurie, Hämaturie, zelluläre Zylinder) 1
- BSG und CRP: Entzündungsmarker 1
- Nieren- und Leberfunktion: Baseline-Werte und Organbefall 1
Hautbiopsie mit direkter Immunfluoreszenz:
- Bei unklarer Diagnose oder zur Bestätigung: Zeigt typischerweise Immunglobulin- und Komplementablagerungen an der dermoepidermalen Junktion ("Lupusband"). 6
Klinische Untersuchung erweitern
Systemische Manifestationen evaluieren:
- Gelenkbeschwerden: Arthralgien oder Arthritis (häufig bei SLE) 1
- Okuläre Symptome: Trockene Augen, Photophobie, Konjunktivitis 1
- Mukosale Läsionen: Orale oder nasale Ulzera (oft schmerzlos) 6
- Serositis: Pleuritische Brustschmerzen, Perikarditis 1
- Neurologische Symptome: Kopfschmerzen, Krampfanfälle, kognitive Dysfunktion 1
Management-Algorithmus
Bei bestätigtem SLE:
Photoprotection (essentiell): Breitspektrum-Sonnenschutz (LSF ≥50), Meidung von UV-Exposition, breitkrempige Hüte. 1
Topische Therapie für kutane Manifestationen:
Systemische Therapie (bei systemischen Manifestationen oder refraktären Hautläsionen):
Interdisziplinäre Betreuung:
Wichtige Fallstricke vermeiden
Nicht abwarten: Bei Verdacht auf SLE mit systemischen Symptomen (Fieber) sofort Diagnostik einleiten, da Organbefall (Niere, ZNS, Herz) lebensbedrohlich sein kann. 1
Nicht nur topisch behandeln: Isolierte topische Therapie ist unzureichend bei systemischen Manifestationen; Hydroxychloroquin ist die Basis-Systemtherapie. 1
Photosensitivität ernst nehmen: UV-Exposition kann Krankheitsschübe auslösen; strikte Photoprotection ist nicht optional, sondern therapeutisch essentiell. 1
Regelmäßige Verlaufskontrollen: Alle 4-6 Wochen klinische und laborchemische Kontrollen zur Beurteilung der Krankheitsaktivität und Therapieansprechen. 1
Nierenbeteiligung überwachen: Regelmäßige Urinkontrollen, da Lupusnephritis oft asymptomatisch beginnt und unbehandelt zu Nierenversagen führen kann. 1