Flush bei hEDS und SLE: Wahrscheinliche Ursache und Management
Bei einer Patientin mit systemischem Lupus erythematodes und hypermobilem Ehlers-Danlos-Syndrom, die kurze, selbstlimitierende Gesichtsflushes ohne Zusammenhang zu Nahrung, Aktivität oder Medikamenten entwickelt, ist Mast Cell Activation Syndrome (MCAS) die wahrscheinlichste Ursache und sollte gezielt evaluiert werden. 1
Pathophysiologischer Hintergrund
Die Koinzidenz von hEDS und MCAS ist gut dokumentiert:
- Mast Cell Activation Syndrome tritt häufig bei hEDS-Patienten auf und kann episodische Flushes, Urtikaria und multisystemische Symptome verursachen. 1
- Die gestörte Kollagenstruktur bei hEDS triggert Fibroblasten-Dysfunktion im Bindegewebe, was zu veränderter mechanischer Steifigkeit führt. 1
- Mastzellen proliferieren im Bindegewebe und können bei hEDS zu früh oder übermäßig degranulieren, wodurch Histamin, Heparin und proinflammatorische Zytokine freigesetzt werden. 1
- Trigger für Mastzellaktivierung umfassen Nahrungsmittel, Hitze, Emotionen, mechanische Stimuli, Temperaturwechsel und bestimmte Medikamente – aber Flushes können auch spontan ohne erkennbaren Trigger auftreten. 1
Diagnostische Evaluation
Primäre MCAS-Diagnostik (nur bei spezifischen Indikationen)
Baseline-Serum-Tryptase sollte NUR gemessen werden, wenn die Patientin episodische multisystemische Symptome in ≥2 physiologischen Systemen aufweist (z.B. Flush plus Urtikaria, Wheezing, gastrointestinale Symptome). 1, 2
- Diagnostischer Schwellenwert für MCAS: Tryptase-Anstieg von 20% über Baseline plus 2 ng/mL während symptomatischer Episoden. 2, 3
- Wichtiger Fallstrick: Routine-MCAS-Testing bei allen hEDS-Patienten mit isolierten Symptomen ist NICHT indiziert. 2
Differentialdiagnosen ausschließen
Bei SLE-Patienten müssen andere Ursachen für Flush evaluiert werden:
- Lupus-Aktivität: Anti-dsDNA, C3/C4-Komplementspiegel zur Beurteilung systemischer Aktivität. 1
- Kutane Lupus-Manifestationen: Akute kutane LE kann Gesichtsrötung verursachen – Hautbiopsie erwägen, wenn Läsionen persistieren oder atypisch erscheinen. 1, 3
- Medikamentenreaktionen: Obwohl Sie angeben, dass kein Zusammenhang zu Medikamenten besteht, sollten Vasodilatatoren, Niacin oder andere Flush-induzierende Substanzen ausgeschlossen werden.
Autonome Dysfunktion evaluieren
POTS (Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome) ist bei bis zu 37,5% der hEDS-Patienten vorhanden und kann Flush-Symptome durch autonome Dysregulation verursachen. 1, 2
- Active Stand Test durchführen: Herzfrequenzanstieg ≥30 Schläge/min bei Erwachsenen (≥40 bei Jugendlichen 12-19 Jahre) innerhalb von 10 Minuten Stehen ohne orthostatische Hypotonie. 1, 2
- Bei positivem Screening: Tilt-Table-Testing zur Phänotypisierung erwägen. 2
Management-Algorithmus
Wenn MCAS bestätigt oder klinisch wahrscheinlich ist:
Erste Linie: Histamin-Rezeptor-Antagonisten und Mastzell-Stabilisatoren 1
- H1-Antihistaminika (z.B. Cetirizin, Loratadin)
- H2-Antihistaminika (z.B. Famotidin) zusätzlich erwägen
- Mastzell-Stabilisatoren (z.B. Cromoglicinsäure) bei refraktären Symptomen
Trigger-Vermeidung: 1
- Bestimmte Nahrungsmittel, Alkohol
- Starke Gerüche
- Temperaturwechsel
- Mechanische Stimuli (Reibung)
- Emotionaler Stress
- Spezifische Medikamente (Opioide, NSAIDs, jodhaltige Kontrastmittel)
Wenn POTS-Komponente vorhanden:
Konservative Maßnahmen zuerst: 1
- Erhöhte Flüssigkeits- und Salzaufnahme
- Strukturiertes Bewegungstraining
- Kompressionsstrümpfe
Pharmakologische Therapie bei unzureichendem Ansprechen: 1
- Volumenexpansion
- Herzfrequenzkontrolle
- Vasokonstriktion
- Integrierte Betreuung durch Kardiologie/Neurologie
SLE-Basistherapie optimieren:
Hydroxychloroquin sollte bei allen SLE-Patienten fortgeführt werden – es reduziert Krankheitsschübe und hat protektive Effekte. 1, 4
Photoprotection ist obligatorisch: 1
- UV-Exposition vermeiden, besonders bei hohem UV-Index
- Physikalische Barrieren (Hüte, Sonnenbrillen, langärmelige Kleidung)
- Breitspektrum-Sonnenschutz SPF 60+
Wichtige Fallstricke
- Nicht alle hEDS-Patienten mit Flush haben MCAS – diagnostische Kriterien müssen erfüllt sein (multisystemische Symptome). 1, 2
- Invasive vaskuläre Bildgebung bei Verdacht auf vaskuläres EDS vermeiden – fatale Komplikationen sind beschrieben. 1, 2
- Opioide bei chronischen Schmerzen vermeiden – multidisziplinärer Ansatz zur Opioid-Reduktion erforderlich. 1, 2
- Prolongierte Hochdosis-Glukokortikoide vermeiden – erhöhtes Infektionsrisiko, Osteoporose, avaskuläre Nekrose. 3
Überwachung und Follow-up
Regelmäßige Kontrollen alle 6-12 Monate mit: 1
- Komplettblutbild, BSG, CRP
- Serumalbumin, Kreatinin, Urinanalyse
- Anti-dsDNA, C3, C4
- Validierte Aktivitätsindizes (SLEDAI, BILAG)
Bei refraktären Symptomen trotz adäquater Therapie: Überweisung an spezialisiertes Mastzell-Zentrum erwägen. 2