Behandlung der Alopecia Areata bei kleinen Bereichen am Kopf und Bart
Erstlinientherapie
Intralasionale Triamcinolonacetonid-Injektionen (5–10 mg/ml) sind die Behandlung der ersten Wahl bei Alopecia areata, wenn eine aktive Therapie gewünscht wird, mit einer vollständigen Nachwachsrate von 62% bei Patienten mit weniger als fünf Herden unter 3 cm Durchmesser. 1, 2
- Jede Injektion von 0,05–0,1 ml erzeugt typischerweise ein Haarbüschel von etwa 0,5 cm Durchmesser 1, 2
- Die Injektionen sollten knapp unter der Dermis erfolgen und monatlich wiederholt werden, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht ist 1, 2
- Die therapeutische Wirkung hält in der Regel etwa 9 Monate an, danach sind häufig Erhaltungsinjektionen erforderlich 1, 2
- Hautatrophie an den Injektionsstellen ist eine konsistente Nebenwirkung 1
Alternative: Beobachtung ohne Behandlung
- Bei begrenztem, fleckigem Haarverlust von kurzer Dauer (<1 Jahr) ist eine Beruhigung ohne aktive Behandlung ein evidenzbasierter Erstlinienansatz, da bei bis zu 80% dieser Patienten eine spontane Remission auftritt 1, 2
- Zwischen 34% und 50% der Patienten erreichen innerhalb eines Jahres eine spontane Remission 1
- Sichtbares Nachwachsen ist innerhalb der ersten 3 Monate nach Auftreten eines neuen Herdes unwahrscheinlich 2
Zweitlinientherapie: Topische Kortikosteroide
- Clobetasolpropionat 0,05% Schaum oder Creme zweimal täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen ist eine Zweitlinienoption, jedoch mit begrenzter Evidenz (Empfehlungsstärke C, Evidenzqualität III) 1, 2
- ≥50% Haarnachwuchs wurde bei 21% der behandelten Stellen versus 3% mit Placebo nach 12 Wochen beobachtet 1, 2
- Follikulitis ist die häufigste Nebenwirkung der topischen Kortikosteroidtherapie 1, 2
- Eine Studie mit 0,25% Desoximetason-Creme bei 70 Patienten zeigte keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo 2
Zusatztherapie
- Topisches Minoxidil 5% kann zu intralasionalen oder topischen Steroidregimen hinzugefügt werden, sollte aber nicht als Monotherapie verwendet werden 1, 2
- Eine neuere Studie (2025) zeigte, dass die Kombination von topischem Calcipotriol mit intralasionalem Triamcinolonacetonid bei Kopfhautherden wirksamer war als die Monotherapie, jedoch nicht bei Bartherden 3
Wichtige Einschränkungen und Fallstricke
- Keine Behandlung hat gezeigt, dass sie den Langzeitverlauf der Alopecia areata verändert; alle Interventionen induzieren nur vorübergehendes Haarwachstum mit hohen Rückfallraten 1, 2
- Der Schweregrad der Erkrankung bei Erstvorstellung ist der stärkste Prädiktor für das Langzeitergebnis: 68% der Patienten mit weniger als 25% initialem Haarverlust sind bei der Nachuntersuchung krankheitsfrei 1, 2
- Die Haarfollikel bleiben bei Alopecia areata erhalten, und das Potenzial für eine Erholung des Haarwachstums bleibt auch bei langjähriger Erkrankung bestehen 1
- Eine Behandlungsdauer der Alopecia areata von länger als 6 Monaten ist mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit eines signifikanten Haarnachwuchses verbunden 4
Klinische Diagnose
- Die Diagnose kann in den meisten Fällen klinisch ohne Labortests gestellt werden, mit Schlüsselmerkmalen wie runden/ovalen Herden mit vollständigem Haarverlust, kurzen abgebrochenen Haaren mit verjüngten Enden ("Ausrufezeichenhaare"), leicht geröteter Haut und gelben Punkten bei der Dermoskopie 1, 2
- Nagelveränderungen (Tüpfelung oder Rillenbildung) treten bei etwa 10% der Fälle auf 1
- Differentialdiagnosen zum Ausschluss umfassen Trichotillomanie, Tinea capitis, Telogeneffluvium, systemischen Lupus erythematodes und sekundäre Syphilis 1, 2