Statine verursachen keine Demenz – Die Evidenz ist eindeutig
Statine erhöhen das Demenzrisiko nicht und sollten bei älteren Erwachsenen mit kardiovaskulären Risikofaktoren ohne Bedenken eingesetzt werden, da hochwertige randomisierte kontrollierte Studien und systematische Reviews keine negativen kognitiven Effekte zeigen. 1
Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien
Die stärkste Evidenz stammt aus großen RCTs mit präspezifizierten kognitiven Endpunkten:
Drei große randomisierte Studien (einschließlich HPS und PROSPER) führten spezifische kognitive Tests durch und fanden keine Unterschiede zwischen Statin- und Placebogruppen in Bezug auf Aufmerksamkeit, visuelle Wahrnehmung, motorische und Verarbeitungsgeschwindigkeit, Gedächtnis, kognitive Leistung oder exekutive Funktionen. 1
Eine systematische Cochrane-Review von zwei großen Studien mit 26.340 Teilnehmern (Follow-up 3,2-5 Jahre) zeigte keine Unterschiede in der Demenzinzidenz (31 Fälle in jeder Gruppe; OR 1,00,95% CI 0,61-1,65) und keine Unterschiede in fünf verschiedenen kognitiven Tests. 2
Die US Preventive Services Task Force fand in ihrer systematischen Übersicht keine klare Erhöhung des Risikos für kognitive Beeinträchtigungen bei Statingebrauch. 1
Langzeitbeobachtungsstudien bestätigen die Sicherheit
Eine prospektive Beobachtungsstudie bei älteren Erwachsenen über 6 Jahre fand keinen Unterschied in der Rate des Gedächtnisverlusts oder der globalen Kognition zwischen Statinanwendern und Nichtanwendern. 1
Eine Meta-Analyse von 24 Studien mit über 1 Million Teilnehmern ≥60 Jahre zeigte: Alle drei RCTs zeigten keine signifikante Assoziation zwischen Statingebrauch und negativen kognitiven Effekten, Beobachtungsstudien zeigten keine Assoziation mit inzidenter Demenz. 1
Eine Meta-Analyse von 30 Beobachtungsstudien mit 9.162.509 Teilnehmern zeigte sogar eine reduzierte Demenzrate bei Statinanwendern (RR 0,83,95% CI 0,79-0,87), insbesondere für Alzheimer-Demenz (RR 0,69,95% CI 0,60-0,80). 3
Warum Statine das Gehirn nicht schädigen
Die Cholesterinregulation im Gehirn hängt primär von der lokalen Synthese innerhalb des Gehirns ab, nicht von zirkulierenden Plasmacholesterinspiegeln – deshalb beeinträchtigt die Senkung des Blutcholesterins die Gehirnfunktion nicht. 4
Die FDA-Überprüfung von Postmarketing-Überwachungsdatenbanken, RCTs und Kohortenstudien fand keinen negativen Effekt von Statinen auf die Kognition. 1, 4
Klinische Implikationen für die Praxis
Bei älteren Patienten (>75 Jahre):
- Moderate-Intensity-Statine (z.B. Atorvastatin 10-20 mg oder Rosuvastatin 5-10 mg) werden empfohlen, nicht hochintensive Regime. 1, 4
- Die Number Needed to Treat beträgt nur 28, um ein Leben zu retten – ein erheblicher Nutzen. 4
Risiko-Nutzen-Verhältnis:
- Für je 255 Patienten, die 4 Jahre lang mit Statinen behandelt werden, tritt ein zusätzlicher Diabetesfall auf, während 5,4 kardiovaskuläre Ereignisse verhindert werden. 1, 4
- Das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko wird um 18% reduziert (RR 0,82,95% CI 0,71-0,94). 1
Häufige Fallstricke vermeiden
Verwechslung mit reversiblen kognitiven Beschwerden:
- Einzelne Patienten berichten über Gedächtnisprobleme, aber diese sind in kontrollierten Studien nicht häufiger als unter Placebo. 1
- Bei kognitiven Beschwerden sollten andere Ursachen (andere Medikamente, systemische Erkrankungen) evaluiert werden, bevor Statine beschuldigt werden. 5
Methodologische Unterschiede in Studien:
- Frühere Fall-Kontroll-Studien zeigten scheinbare Vorteile, aber Kohortenstudien mit 1-Jahres-Lag zwischen Exposition und Outcome zeigten keine Assoziation – dies deutet auf Indikationsbias in Fall-Kontroll-Designs hin. 6
Abschließende Empfehlung
Die Sorge, dass Statine Demenz verursachen könnten, sollte ihre Anwendung bei Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko nicht verhindern, da die Evidenz diese Assoziation nicht unterstützt und der kardiovaskuläre Nutzen erheblich ist. 1, 4, 7