ASA 100 mg beim Lynch-Syndrom
Ja, niedrig dosiertes Aspirin (100 mg täglich) sollte Erwachsenen mit Lynch-Syndrom zur Krebsprävention angeboten werden, obwohl die optimale Dosis noch nicht endgültig geklärt ist.
Evidenzbasierte Empfehlung
Die American Gastroenterological Association empfiehlt, dass Aspirin zur Krebsprävention bei Lynch-Syndrom-Patienten nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung angeboten werden sollte 1. Diese Empfehlung basiert auf der CAPP2-Studie, die zeigte, dass Aspirin 600 mg täglich die Inzidenz von kolorektalen Karzinomen um 44% reduzierte (IRR 0.37; 95% CI 0.18-0.78; P=0.008) bei Patienten, die mindestens 2 Jahre behandelt wurden 2.
Dosierungsfrage: 100 mg vs. 600 mg
Die 100 mg Dosis ist eine vernünftige klinische Wahl, obwohl die Studiendaten primär für 600 mg vorliegen:
- Die CAPP2-Studie verwendete 600 mg täglich, aber viele Kliniker verschreiben in der Praxis niedrigere Dosen 2
- Die laufende CAPP3-Studie untersucht derzeit die Wirksamkeit von 100 mg, 300 mg und 600 mg täglich, aber Ergebnisse liegen noch nicht vor 2
- Bei sporadischen kolorektalen Karzinomen zeigen niedrige Aspirin-Dosen (75-100 mg) bereits protektive Effekte 2
- Die Manchester International Consensus Group erwähnt, dass gastrointestinale Toxizität dosisabhängig ist, weshalb die optimale Dosis für Krebsrisikoreduktion durch CAPP3 erforscht wird 2
Behandlungsalgorithmus
Wann beginnen:
- Nach Diagnosestellung des Lynch-Syndroms bei Erwachsenen 1
- Nach ausführlicher Aufklärung über Nutzen und Risiken 2
Dosierung:
- 100 mg täglich ist eine akzeptable niedrige Dosis, basierend auf Daten zu sporadischen Karzinomen 2
- Alternativ 300-600 mg täglich, wenn gastrointestinale Verträglichkeit gegeben ist 2
Behandlungsdauer:
- Mindestens 2 Jahre erforderlich für protektiven Effekt 2
- Langfristige Einnahme empfohlen, da Schutzeffekt erst nach dieser Mindestdauer eintritt 2
Zusätzlicher Nutzen
Der protektive Effekt erstreckt sich nicht nur auf kolorektale Karzinome, sondern auch auf andere Lynch-Syndrom-assoziierte Karzinome (IRR 0.42; 95% CI 0.25-0.72; P=0.001) 2. Dies schließt Endometriumkarzinome und andere extrakolonische Malignome ein 2, 1.
Wichtige Warnhinweise und Fallstricke
Gastrointestinale Nebenwirkungen:
- Hauptrisiko sind gastrointestinale Blutungen mit einer Odds Ratio von 1.5-2 für schwere Blutungen 2
- Das absolute Risiko ist gering und betrifft hauptsächlich ältere Patienten 2
- Die 100 mg Dosis minimiert dieses Risiko im Vergleich zu höheren Dosen 2
Keine Wirkung bei kurzer Einnahme:
- Patienten müssen verstehen, dass kein Schutz bei Einnahme unter 2 Jahren nachweisbar ist 2
- Compliance ist entscheidend für den Erfolg der Chemoprävention 3
Koordination der Versorgung:
- Hausärzte sind oft unsicher bezüglich Verschreibung und Dosierung bei Lynch-Syndrom 3
- Klare Kommunikation zwischen Genetikern/Onkologen und Hausärzten ist erforderlich 3
- Nicht alle Patienten erhalten Informationen über Aspirin von ihren Behandlern 3
Ergänzende Überwachung
Aspirin ersetzt nicht die Koloskopie-Überwachung alle 1-2 Jahre, die bei Lynch-Syndrom weiterhin essentiell bleibt 1. Die Kombination aus Aspirin-Chemoprävention und regelmäßiger endoskopischer Überwachung bietet den besten Schutz 1.