Quetiapin-Medikationsvorschlag bei bipolarer Erkrankung
Akute manische/gemischte Episoden
Für akute manische oder gemischte Episoden bei bipolarer Störung empfehle ich Quetiapin 300 mg einmal täglich zur Nacht, mit der Möglichkeit einer Erhöhung auf 600 mg, falls nach 1–2 Wochen keine ausreichende Besserung eintritt. Beide Dosierungen (300 mg und 600 mg) zeigen vergleichbare Wirksamkeit in kontrollierten Studien, wobei die meisten Patienten bereits mit 300 mg ansprechen 1, 2.
Dosierungsalgorithmus für akute Manie
- Beginnen Sie mit Quetiapin 50 mg am ersten Abend, um die Verträglichkeit zu testen 2.
- Erhöhen Sie auf 100 mg am zweiten Abend, dann 200 mg am dritten Abend und erreichen Sie 300 mg am vierten Abend 2.
- Die Zieldosis von 300 mg einmal täglich zur Nacht sollte innerhalb von 4 Tagen erreicht werden 2.
- Falls nach 1–2 Wochen bei 300 mg keine ausreichende Symptomkontrolle vorliegt, erhöhen Sie auf 600 mg einmal täglich 3, 2.
- Bei gemischten Episoden können höhere Dosen (>800 mg) erforderlich sein, obwohl dies außerhalb der üblichen Zulassung liegt 4.
Kombinationstherapie-Überlegungen
- Die American Academy of Child and Adolescent Psychiatry empfiehlt Quetiapin plus Valproat als wirksamer als Valproat allein bei jugendlicher Manie 1.
- Bei schweren Verläufen oder therapieresistenten Fällen sollte Quetiapin mit Lithium oder Valproat kombiniert werden 1.
Akute depressive Episoden
Für akute bipolare Depression empfehle ich Quetiapin 300 mg einmal täglich zur Nacht als Monotherapie, basierend auf den BOLDER-I- und BOLDER-II-Studien, die signifikante antidepressive Wirksamkeit zeigten.
Dosierungsalgorithmus für bipolare Depression
- Beginnen Sie mit Quetiapin 50 mg am ersten Abend 2.
- Erhöhen Sie auf 100 mg am zweiten Abend, dann 200 mg am dritten Abend und erreichen Sie 300 mg am vierten Abend 2.
- Die Zieldosis von 300 mg einmal täglich ist für die meisten Patienten mit bipolarer Depression ausreichend 3, 2.
- Eine Erhöhung auf 600 mg zeigt keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber 300 mg bei bipolarer Depression 3, 2.
- Erwarten Sie eine erste Besserung innerhalb von 2–4 Wochen, mit maximalem Nutzen nach 8–12 Wochen 2.
Wirkmechanismus bei Depression
- Quetiapin verstärkt die zentrale serotonerge Neurotransmission durch hohe antagonistische Affinität zu 5-HT2A-Rezeptoren und partielle agonistische Aktivität an 5-HT1A-Rezeptoren 5.
- Der aktive Metabolit Norquetiapin hemmt stark den Noradrenalin-Transporter, was das antidepressive Potenzial erklärt 5, 2.
- Die partielle 5-HT1A-Agonismus erhöht die dopaminerge Neurotransmission im präfrontalen Kortex, was zur antidepressiven Wirkung beiträgt 5.
Langzeit-Erhaltungstherapie
Für die Erhaltungstherapie empfehle ich die Fortsetzung der Dosis, die zur akuten Stabilisierung geführt hat (300 mg oder 600 mg einmal täglich), für mindestens 12–24 Monate.
Evidenz für Erhaltungstherapie
- Patienten, die auf Quetiapin während der Akutbehandlung ansprachen und die Therapie für bis zu 52 Wochen fortsetzten, hatten ein signifikant reduziertes Risiko für Rückfälle jeglicher Stimmungsepisoden 2.
- In einer 104-wöchigen Studie war Quetiapin-Erhaltungstherapie wirksamer als Placebo oder Lithium bei der Verlängerung der Zeit bis zum Rückfall 2.
- Die American Academy of Child and Adolescent Psychiatry empfiehlt, dass Erhaltungstherapie für mindestens 12–24 Monate fortgesetzt werden sollte, wobei einige Patienten eine lebenslange Behandlung benötigen 1.
Monitoring während der Erhaltungstherapie
- Überwachen Sie monatlich das Körpergewicht in den ersten 3 Monaten, dann vierteljährlich 1.
- Kontrollieren Sie Nüchternglukose und Lipide nach 3 Monaten, dann jährlich 1.
- Beurteilen Sie Stimmungssymptome, Suizidalität und Medikamentenadhärenz bei jedem Besuch 1.
Wichtige klinische Überlegungen
Verträglichkeit und Nebenwirkungen
- Die häufigsten Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Sedierung, Somnolenz, Schwindel und Verstopfung 2.
- Gewichtszunahme tritt bei einigen Patienten auf und erfordert proaktives Gewichtsmanagement 2.
- Klinisch relevante Erhöhungen von Blutzucker oder Lipidparametern können auftreten, obwohl die klinische Bedeutung unsicher ist 2.
- Extrapyramidale Symptome treten selten auf, ohne signifikante Unterschiede zu Placebo 2.
Häufige Fallstricke, die es zu vermeiden gilt
- Vermeiden Sie eine zu schnelle Dosissteigerung, da dies das Risiko von Sedierung und Unverträglichkeit erhöht 2.
- Warten Sie nicht länger als 1–2 Wochen bei 300 mg, bevor Sie bei unzureichendem Ansprechen auf 600 mg erhöhen 2.
- Setzen Sie Quetiapin nicht vorzeitig ab – eine angemessene Therapiedauer von 6–8 Wochen bei therapeutischer Dosis ist erforderlich, bevor Unwirksamkeit festgestellt wird 1.
- Überwachen Sie metabolische Parameter regelmäßig, insbesondere bei Patienten mit Risikofaktoren für Diabetes oder Dyslipidämie 1, 2.
Besondere Populationen
- Bei bipolarer II-Störung ist Quetiapin gleichermaßen wirksam wie bei bipolarer I-Störung 3.
- Patienten mit Rapid Cycling in der Anamnese sprechen ebenfalls auf Quetiapin an 3.
- Bei gemischten Episoden können höhere Dosen erforderlich sein (>800 mg), obwohl dies außerhalb der üblichen Empfehlungen liegt 4.