Fieber bei SLE: Wahrscheinlichste Ursache und Management
Bei einem SLE-Patienten unter Belimumab, Hydroxychloroquin und niedrig dosiertem Prednison mit persistierendem Fieber bis 38,3°C, ausgeschlossener Infektion, stabil erniedrigten Komplementwerten ohne neue Organbeteiligung handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine milde bis moderate Lupus-Aktivität, die eine Intensivierung der immunsuppressiven Therapie erfordert.
Differentialdiagnose und Bewertung
Die wichtigste Differentialdiagnose bei Fieber unter Immunsuppression bleibt die Infektion, auch wenn initial ausgeschlossen 1. Bei SLE-Patienten unter immunsuppressiver Therapie besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere bei schwerer Neutropenie (<500 Zellen/mm³), schwerer Lymphopenie (<500 Zellen/mm³) oder niedrigem IgG (<500 mg/dl) 1.
Kontinuierliche Überwachung auf okkulte Infektionen ist essentiell:
- Wiederholte Evaluation auf opportunistische Infektionen, einschließlich CMV-Testung bei immunsupprimierten Patienten 1
- Berücksichtigung, dass Fieber allein kein verlässlicher Indikator für Lupus-Aktivität ist, wenn andere Aktivitätsmarker fehlen 2
Beurteilung der Lupus-Aktivität
Stabil erniedrigte C3/C4-Werte ohne neue Organbeteiligung haben eine spezifische prognostische Bedeutung:
- Persistierend niedrige Komplementwerte ohne Organbeteiligung sind nicht zwingend mit aktiven Schüben assoziiert 3, 4
- Die Korrelation zwischen niedrigen Komplementwerten und Krankheitsaktivität ist bei nicht-renalen Manifestationen schwächer als bei Nierenbeteiligung 5
- Patienten mit konstant normalen Komplementwerten haben eine geringere Prävalenz hämatologischer Beteiligung und Anti-dsDNA-Antikörper 3
Validierte Aktivitätsindizes sollten zur Beurteilung verwendet werden:
- SLEDAI, BILAG oder ECLAM zur objektiven Bewertung der Krankheitsaktivität 1, 2
- Neue klinische Manifestationen (Haut, Anämie, Lymphopenie, Thrombozytopenie) korrelieren mit Krankheitsschwere 1
- Anti-dsDNA-Titer und Anti-C1q-Antikörper können zukünftige Schübe vorhersagen 1
Therapeutisches Management
Optimierung der Basistherapie:
- Hydroxychloroquin-Dosierung überprüfen (nicht mehr als 5 mg/kg reales Körpergewicht) und Therapieadhärenz sicherstellen, da niedrige HCQ-Spiegel mit höherer SLE-Aktivität assoziiert sind 6, 2
- Hydroxychloroquin sollte nicht abgesetzt werden, es sei denn, es besteht eine spezifische Kontraindikation 2
Glukokortikoid-Anpassung bei mildem Schub:
- Kurzfristige Erhöhung der Prednison-Dosis zur Kontrolle der Krankheitsaktivität erwägen 2
- Ziel bleibt eine Erhaltungsdosis unter 7,5 mg/Tag Prednison-Äquivalent 2, 7
- Prolongierte Hochdosis-Glukokortikoide vermeiden, da Risiken oberhalb von 7,5 mg/Tag kontinuierlicher Dosierung erheblich zunehmen 2
Intensivierung der Immunsuppression:
- Hinzufügen oder Eskalation immunsuppressiver Substanzen (Azathioprin oder Mycophenolat Mofetil) zur Erleichterung der Glukokortikoid-Reduktion 2
- Belimumab-Therapie fortsetzen, da es die Krankheitsaktivität reduziert und Schübe verhindert 8
- Bei refraktärer Erkrankung Biologika in Betracht ziehen 2
Kritische Fallstricke
Niemals Fieber ausschließlich auf Lupus-Aktivität zurückführen ohne umfassende Infektionsdiagnostik:
- Immunsuppression nicht empirisch bei Fieber allein eskalieren ohne vollständige infektiöse Abklärung 2
- Auch bei initial negativer Infektionsdiagnostik wachsam bleiben für opportunistische Erreger 1
Vermeidung von Übertherapie basierend auf serologischer Aktivität allein:
- Intensivierung der Therapie ausschließlich aufgrund serologischer Aktivität, insbesondere eines Anstiegs der Anti-dsDNA-Titer, birgt das Risiko einer Übertherapie 1
- Klinische Korrelation ist essentiell, da erniedrigte Komplementwerte nicht konsistent mit Schüben assoziiert sind 4
Monitoring und Prävention
Engmaschige Verlaufskontrolle:
- Klinische Beurteilung des Hautausschlags, Arthritis, Serositis und neurologischer Manifestationen 2
- Laborkontrollen alle 3-6 Monate: Blutbild, Kreatinin, Proteinurie, Urinsediment, C3/C4, Anti-dsDNA 1, 7
- Kontinuierliche Bewertung des Infektionsrisikos bei Nachsorgeuntersuchungen 1
Komorbiditätsmanagement: