Therapie eskalieren
Bei einem SLE-Patienten unter Belimumab, Hydroxychloroquin und niedrig dosiertem Prednison (≤5 mg täglich), der persistierendes Fieber (38,3 °C) ohne Infektionsnachweis, unverändert niedrige Komplementwerte und keine neue Organbeteiligung aufweist, sollte die Therapie eskaliert werden – beginnend mit intravenösen Methylprednisolon-Pulsen (250–1000 mg täglich für 1–3 Tage), gefolgt von der Hinzunahme oder Intensivierung eines konventionellen Immunsuppressivums (Mycophenolatmofetil, Azathioprin oder Methotrexat). 1, 2, 3
Begründung für Therapieeskalation
Persistierend niedriges C3 signalisiert aktive Krankheit
- Ein anhaltend niedriges C3 bei normalisiertem C4 weist auf fortbestehende Lupusaktivität hin und erfordert eine therapeutische Anpassung 2
- Persistierendes Fieber ohne Infektionsnachweis in Kombination mit niedrigem Komplement deutet auf einen systemischen Lupus-Flare hin 1, 2
Aktuelle Therapie ist unzureichend
- Die Kombination aus Belimumab, Hydroxychloroquin und ≤5 mg Prednison stellt bereits eine Standardtherapie dar 4
- Das Fortbestehen von Fieber und niedrigem C3 trotz dieser Therapie zeigt, dass die Krankheitsaktivität nicht ausreichend kontrolliert wird 1, 2
- Belimumab sollte fortgesetzt werden, da eine Beurteilungsperiode von 6–12 Monaten erforderlich ist 1
Konkreter Eskalationsalgorithmus
Schritt 1: Sofortige Glukokortikoid-Pulstherapie
- Intravenöses Methylprednisolon 250–1000 mg täglich für 1–3 Tage zur raschen Kontrolle 1, 3
- Die Dosierung richtet sich nach der Schwere: 250–500 mg bei moderater Aktivität, bis zu 1000 mg bei schwerer organgefährdender Manifestation 3
- Methylprednisolon-Pulse sind effektiver und deutlich weniger toxisch als eine Erhöhung der oralen Prednison-Dosis 5
Schritt 2: Hinzunahme eines konventionellen Immunsuppressivums
- Mycophenolatmofetil (2–3 g täglich), Azathioprin oder Methotrexat hinzufügen, um eine Glukokortikoid-Reduktion zu ermöglichen 4, 1, 6
- Kosten und Verfügbarkeit können Methotrexat oder Azathioprin bevorzugen 4
- Diese Medikamente sollten gleichzeitig mit der Pulstherapie begonnen werden, um eine rasche Steroid-Reduktion zu ermöglichen 3
Schritt 3: Orale Glukokortikoid-Erhaltungstherapie
- Nach den Pulsen orales Prednison mit maximal 0,5–0,6 mg/kg täglich (maximal 40 mg) beginnen 3
- Ziel ist eine rasche Reduktion auf ≤5 mg täglich innerhalb von 3–6 Monaten 4, 3, 6
- Langfristige Dosen >7,5 mg täglich vermeiden, da das Risiko für unerwünschte Ereignisse (Infektionen, Osteonekrose, irreversibler Schaden) deutlich ansteigt 4, 7, 5
Schritt 4: Hydroxychloroquin optimieren
- Hydroxychloroquin-Blutspiegel messen (Zielwert >0,6 mg/L) zur Bestätigung der Adhärenz 1, 2
- Dosierung bei etwa 5 mg/kg idealem Körpergewicht täglich halten, maximal 400 mg täglich 1, 6
- Niemals Hydroxychloroquin absetzen, da dies das Flare-Risiko um das 2,5-fache erhöht 1, 2
Wichtige Warnhinweise
Infektionsausschluss bleibt prioritär
- Vor jeder Therapieintensivierung müssen mindestens zwei Blutkulturen, eine Urinkultur und eine Thorax-Röntgenaufnahme durchgeführt werden 1, 2
- CMV-Testung bei immunsupprimierten Patienten (einschließlich Belimumab) durchführen 1
- Schwere Neutropenie, schwere Lymphopenie und niedrige IgG-Spiegel sind die Hauptrisikofaktoren für Infektionen bei SLE 1, 7
Häufige Fehler vermeiden
- Nicht empirisch die Immunsuppression allein aufgrund von Fieber intensivieren ohne gründliche Infektionsabklärung 1, 2
- Keine vorzeitigen Änderungen des Therapieregimes; der aktuellen Behandlung eine angemessene Testperiode geben 1
- Belimumab in Kombination mit anderen Immunsuppressiva erhöht das Infektionsrisiko; wachsame Überwachung ist essentiell 1
Organspezifische Überwachung erforderlich
- Systematische Organuntersuchung auf neue oder sich verschlechternde kutane Manifestationen, aktive Arthritis, Serositis, neuropsychiatrische Symptome oder Nierenbeteiligung durchführen 1, 2
- Serumkreatinin, quantitative Proteinurie und Urinsediment bei Verdacht auf Nierenbeteiligung evaluieren 2
- Validierte Aktivitätsmaße (z.B. SLEDAI) zusammen mit Blutbild, Anti-dsDNA-Titern und Komplementspiegeln zur Quantifizierung der Krankheitsaktivität verwenden 1, 2