Überwachung von Vitalzeichen nach Nicht-Opioid-Analgetika und Sedativa
Bei moderater prozeduraler Sedierung/Analgesie mit Nicht-Opioiden sollten Vitalzeichen (Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Pulsoxymetrie) kontinuierlich während des gesamten Eingriffs und mindestens bis zur Entlassung überwacht werden, wobei die Überwachungsfrequenz vom klinischen Zustand des Patienten abhängt. 1
Überwachungsprotokoll nach ASA-Leitlinien
Die American Society of Anesthesiologists (ASA) gibt klare Empfehlungen für die Überwachung bei moderater Sedierung ohne Opioide:
Vor dem Eingriff
- Baseline-Vitalzeichen (Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz, SpO₂) müssen dokumentiert werden, es sei denn, die Patientenkooperation verhindert dies 1
- Bewusstseinslage sollte vor Beginn der Sedierung beurteilt werden 1
Während des Eingriffs
- Kontinuierliche Überwachung der Ventilation durch klinische Beobachtung ist erforderlich 1
- Kontinuierliche Kapnographie sollte eingesetzt werden, sofern nicht durch Art des Patienten, Eingriffs oder Geräts ausgeschlossen 1
- Kontinuierliche Pulsoxymetrie mit entsprechenden Alarmen ist obligatorisch 1
- Blutdruck und Herzfrequenz sollten kontinuierlich (z.B. alle 5 Minuten) überwacht werden, sobald ein stabiles Sedierungsniveau erreicht ist 1
- Bei unkooperativen Patienten kann die Kapnographie erst nach Erreichen der Sedierung begonnen werden 1
Nach dem Eingriff
Die ASA-Leitlinien spezifizieren, dass Überwachung erfolgen muss: 1
- Während der initialen Erholungsphase
- Unmittelbar vor der Entlassung
- Die Frequenz richtet sich nach Art und Menge der verabreichten Medikamente, Dauer des Eingriffs und Allgemeinzustand des Patienten 1
Spezifische Überwachungsparameter
Bewusstseinslage
- Periodische Überwachung (z.B. alle 5 Minuten) der Reaktion auf verbale Kommandos während moderater Sedierung 1
- Bei Eingriffen, bei denen verbale Antwort nicht möglich ist (z.B. Oralchirurgie, Endoskopie), sollte die Fähigkeit zu "Daumen hoch" oder anderen Bewusstseinszeichen geprüft werden 1
Ventilation und Oxygenierung
- Kontinuierliche Beobachtung qualitativer klinischer Zeichen der Ventilation 1
- Kontinuierliche Kapnographie, außer wenn kontraindiziert 1
- Kontinuierliche Pulsoxymetrie mit Alarmen 1
Hämodynamik
- Blutdruck vor Sedierungsbeginn bestimmen 1
- Kontinuierliche Überwachung (alle 5 Minuten) von Blutdruck und Herzfrequenz während des Eingriffs 1
Wichtige Unterschiede zu Opioid-Überwachung
Im Gegensatz zur Opioid-Gabe, bei der spezifische Mindestüberwachungszeiten gelten (z.B. mindestens 2 Stunden nach lipophilen Opioiden, 24 Stunden nach hydrophilen Opioiden) 1, gibt es für Nicht-Opioid-Sedativa keine festen Mindestüberwachungszeiten nach Beendigung der Wirkung. Die Überwachung richtet sich nach dem klinischen Zustand 1.
Dokumentation und Alarmeinstellungen
- Zeitgleiche Aufzeichnung (automatisch oder manuell) der Patientendaten kann kritische Trends aufdecken 1
- Gerätealarme sollten so eingestellt werden, dass sie das Behandlungsteam auf kritische Veränderungen des Patientenstatus aufmerksam machen 1
- Manuelle Aufzeichnung stellt sicher, dass eine betreuende Person zeitnah über Statusänderungen informiert ist 1
Häufige Fallstricke
- Vermeiden Sie: Ausschließliche Überwachung der Oxygenierung ohne Ventilationsüberwachung – Pulsoxymetrie ist kein Ersatz für Ventilationsüberwachung 1
- Vermeiden Sie: Zu lange Intervalle zwischen Vitalzeichenkontrollen während der Sedierung – alle 5 Minuten ist der empfohlene Standard 1
- Vermeiden Sie: Vorzeitige Entlassung ohne finale Vitalzeichenkontrolle – unmittelbar vor Entlassung muss eine letzte Kontrolle erfolgen 1
Personalanforderungen
Eine geschulte Person (zusätzlich zum Operateur) muss während des gesamten Eingriffs zur Patientenüberwachung anwesend sein 1. Diese Person sollte in der Erkennung von Apnoe und Atemwegsobstruktion geschult sein 1.