Antiemetische Therapie bei Peritonealkarzinose mit Magenstase
Direkte Empfehlung
Bei Peritonealkarzinose mit Magenstase sollten Sie Ondansetron (Vomex) absetzen und stattdessen Metoclopramid als Erstlinientherapie einsetzen, da 5-HT3-Antagonisten die Magenstase verschlimmern können; Olanzapin oder Haloperidol sind wirksame Alternativen bei refraktären Symptomen. 1, 2
Warum die aktuelle Therapie problematisch ist
Ondansetron verschlimmert Magenstase
- Ondansetron (Vomex) reduziert die gastrointestinale Peristaltik und kann eine progressive Magenstase maskieren, was bei Peritonealkarzinose besonders gefährlich ist. 3
- Die FDA warnt ausdrücklich: "Ondansetron is not a drug that stimulates gastric or intestinal peristalsis. It should not be used instead of nasogastric suction" und "may mask a progressive ileus and gastric distention." 3
- Bei Patienten mit Darmobstruktion oder Magenstase dürfen Antiemetika die progressive Ileussymptomatik nicht verschleiern. 1
Lorazepam (Tavor) hat begrenzten Nutzen
- Lorazepam ist primär für antizipatorische Übelkeit indiziert, nicht für Übelkeit bei mechanischer Ursache. 4
- Bei älteren Patienten kann Lorazepam paradoxe Aggressivität und Übersedierung verursachen. 2
Empfohlene Therapiestrategie
Erste Wahl: Metoclopramid (MCP)
- Metoclopramid 10–20 mg IV/PO alle 6–8 Stunden ist die Erstlinientherapie bei Magenstase, da es die Magenentleerung fördert und prokinetische Eigenschaften besitzt. 1, 2
- MCP wirkt als Dopaminantagonist und verbessert gleichzeitig die gastrointestinale Motilität – ideal bei Peritonealkarzinose mit Stase. 1
- Dexamethason 4–8 mg IV/PO täglich sollte beibehalten werden, da es synergistisch mit Dopaminantagonisten wirkt. 1, 2
Zweite Wahl: Haloperidol
- Haloperidol 0,5–2 mg IV/PO alle 4–6 Stunden ist besonders effektiv bei kontinuierlicher, schwerer Übelkeit. 1, 2
- Haloperidol hat einen anderen Rezeptorprofil als MCP und kann bei MCP-Versagen eingesetzt werden. 1
- Vorsicht: Haloperidol kann QTc-Verlängerung verursachen; EKG-Monitoring ist empfohlen. 2
Dritte Wahl: Olanzapin
- Olanzapin 10 mg PO täglich zeigt hohe Wirksamkeit bei refraktärer Übelkeit, besonders in Kombination mit Dexamethason. 4, 5
- Eine randomisierte Studie bei Mammakarzinom-Patientinnen zeigte: 50% der Olanzapin-Gruppe vs. 10,5% der Placebo-Gruppe hatten keine Übelkeit (P=0,008). 5
- Olanzapin wirkt auf multiple Rezeptoren (Dopamin, Serotonin, Histamin) und ist besonders bei Versagen konventioneller Therapie indiziert. 4, 1
Praktisches Vorgehen – Schritt für Schritt
Sofortmaßnahmen (erste 24 Stunden)
- Ondansetron absetzen – es verschlimmert die Magenstase. 3
- Metoclopramid 10 mg IV alle 6 Stunden starten (kann auf 20 mg gesteigert werden). 1, 2
- Dexamethason 8 mg IV/PO täglich beibehalten – verstärkt die antiemetische Wirkung. 1, 2
- Lorazepam nur bei Bedarf für Angst-assoziierte Komponenten (0,5–1 mg alle 4–6 Stunden). 1
Bei unzureichender Kontrolle nach 48 Stunden
- Haloperidol 1 mg IV/PO alle 4–6 Stunden hinzufügen (nicht ersetzen!). 1, 2
- Mehrere Substanzen aus verschiedenen Klassen gleichzeitig verwenden, nicht sequenziell. 1
- Auf festen Zeitplan umstellen (nicht nur bei Bedarf), um konstante Plasmaspiegel zu gewährleisten. 1, 2
Bei refraktären Symptomen nach 72 Stunden
- Olanzapin 10 mg PO täglich einführen – besonders wirksam bei therapierefraktärer Übelkeit. 4, 5
- Alternativ: Prochlorperazin 10 mg IV/PO alle 6–8 Stunden als weiterer Dopaminantagonist. 1, 2
Kritische Fallstricke vermeiden
Extrapyramidale Symptome (EPS)
- Akathisie kann innerhalb von 48 Stunden nach Beginn von Dopaminantagonisten auftreten. 2
- Behandlung: Diphenhydramin 50 mg IV bei ersten Anzeichen. 1
- Metoclopramid verursacht bei 19% der Patienten EPS, was zum Therapieabbruch führen kann. 6
QTc-Verlängerung
- Baseline-EKG vor Haloperidol-Gabe durchführen, besonders wenn Dexamethason kombiniert wird. 2
- Elektrolyte (Kalium, Magnesium) korrigieren – Hypokaliämie erhöht das Risiko für Torsade de Pointes. 1
Mechanische Obstruktion ausschließen
- Vor Eskalation der Antiemetika immer mechanische Obstruktion ausschließen – Bildgebung oder klinische Untersuchung. 1
- Bei kompletter Obstruktion sind chirurgische Intervention, Stenting oder perkutane Gastrostomie indiziert. 4
Warum nicht Olanzapin als Erstlinie?
- Olanzapin ist hocheffektiv, aber Metoclopramid hat den zusätzlichen Vorteil der Prokinetik bei Magenstase. 1, 2
- Die NCCN-Leitlinien empfehlen Dopaminantagonisten als Erstlinie, Olanzapin als Drittlinie bei Versagen. 1
- Olanzapin verursacht mehr Sedierung (signifikant häufiger als Placebo), was bei palliativen Patienten problematisch sein kann. 5