Xanomelin wird derzeit NICHT in aktuellen Schizophrenie-Leitlinien erwähnt
Xanomelin (als Xanomelin-Trospium-Kombination, Cobenfy™) ist nicht in den aktuellen Schizophrenie-Behandlungsleitlinien enthalten, da die FDA-Zulassung erst im September 2024 erfolgte – nach Veröffentlichung der maßgeblichen APA-Leitlinie von 2020. 1
Warum Xanomelin nicht in Leitlinien erscheint
Die American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients with Schizophrenia aus dem Jahr 2020 – die aktuellste und maßgeblichste Leitlinie – listet Xanomelin nicht auf. 1 Diese Leitlinie konzentriert sich auf etablierte Antipsychotika (typische und atypische Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonisten), Clozapin für therapieresistente Fälle, und psychosoziale Interventionen. 1
Die Leitlinie wurde vor der FDA-Zulassung von Xanomelin-Trospium veröffentlicht, sodass dieses Medikament nicht berücksichtigt werden konnte. 1
Aktueller Zulassungsstatus von Xanomelin
Xanomelin-Trospium erhielt im September 2024 die FDA-Zulassung für die Behandlung von Schizophrenie bei Erwachsenen. 2 Dies basierte auf drei 5-wöchigen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studien und zwei 52-wöchigen offenen Studien. 2
Das Medikament wirkt als dualer M1/M4-Muskarinrezeptor-Agonist – ein völlig neuartiger Wirkmechanismus, der nicht auf Dopamin-D2-Rezeptor-Blockade beruht. 2, 3
Klinische Evidenz für Xanomelin
In den Phase-III-Studien EMERGENT-2 und EMERGENT-3 zeigte Xanomelin-Trospium signifikante Verbesserungen:
- PANSS-Gesamtscore-Reduktion um 9,6 bzw. 8,4 Punkte gegenüber Placebo (Cohen's d ≈ 0,60). 3, 4
- Verbesserungen bei positiven und negativen Symptomen sowie kognitiven Funktionen. 5, 3, 4
- Nach 52 Wochen erreichten über 75% der Teilnehmer eine >30%ige Verbesserung im PANSS-Gesamtscore mit einer mittleren Reduktion von 33,3 Punkten. 3
Das Nebenwirkungsprofil unterscheidet sich deutlich von herkömmlichen Antipsychotika: keine klinisch bedeutsamen motorischen Symptome, keine Hyperprolaktinämie, keine sexuellen Nebenwirkungen und keine Gewichtszunahme im Vergleich zu Placebo. 2, 3 Die häufigsten Nebenwirkungen waren mild bis moderat und cholinerger Natur. 3
Zukünftige Leitlinien-Integration
Zukünftige Aktualisierungen der Schizophrenie-Leitlinien werden voraussichtlich Xanomelin-Trospium einbeziehen müssen, da es:
- Einen neuartigen, nicht-dopaminergen Wirkmechanismus bietet. 2, 6
- Potenzielle Wirksamkeit gegen positive, negative und kognitive Symptome zeigt. 5, 6
- Ein günstigeres Nebenwirkungsprofil als dopaminerge Antipsychotika aufweist. 2, 4
Wichtiger Hinweis: Bis zur Aktualisierung der Leitlinien bleibt die Behandlung gemäß APA-Empfehlungen von 2020 der Standard: Antipsychotika-Monotherapie als Erstlinientherapie, Clozapin bei Therapieresistenz, und psychosoziale Interventionen wie kognitive Verhaltenstherapie für Psychosen. 1, 7, 8