Ja, Cobenfy wird in den USA bereits verordnet
Cobenfy (Xanomelin-Trospium) wurde am 26. September 2024 von der FDA für die Behandlung von Schizophrenie bei Erwachsenen zugelassen und ist seitdem in der klinischen Praxis verfügbar. 1, 2
Zulassungsstatus und klinische Verfügbarkeit
- Die FDA-Zulassung erfolgte im September 2024 als erste Therapie ihrer Klasse – ein muskarinischer M1/M4-Agonist kombiniert mit einem peripheren muskarinischen Antagonisten zur Behandlung der Schizophrenie bei Erwachsenen 1, 2
- Cobenfy ist bereits in ambulanten Praxen im Einsatz, wobei erste klinische Erfahrungen mit 40 erwachsenen ambulanten Patienten dokumentiert wurden 3
- Das Medikament stellt die erste mechanistisch neuartige Schizophrenie-Behandlung seit Jahrzehnten dar, die nicht primär auf Dopamin-Blockade basiert 4, 5
Dosierung und Verabreichung in der Praxis
- Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 50 mg/20 mg oral zweimal täglich für mindestens zwei Tage, dann Erhöhung auf 100 mg/20 mg zweimal täglich für mindestens fünf Tage 1
- Die Dosis kann basierend auf Verträglichkeit und Ansprechen auf 125 mg/30 mg zweimal täglich erhöht werden 1
- Einnahme mindestens 1 Stunde vor oder mindestens 2 Stunden nach einer Mahlzeit; Kapseln dürfen nicht geöffnet werden 1
- Bei geriatrischen Patienten: Anfangsdosis 50 mg/20 mg zweimal täglich mit langsamerer Titration; maximale Dosis 100 mg/20 mg zweimal täglich 1
Klinische Wirksamkeit aus Zulassungsstudien
- Zwei Phase-3-Studien zeigten signifikante Reduktionen der PANSS-Positiv- und Negativ-Subskalen mit einer Effektstärke (Cohen's d) von etwa 0,60 in beiden Studien 4
- Langzeitstudien über 52 Wochen zeigten, dass mehr als 75% der Teilnehmer eine >30%ige Verbesserung des PANSS-Gesamtscores erreichten, mit einer mittleren Reduktion von 33,3 Punkten 4
- Verbesserungen traten bereits ab Woche 2 auf, auch bei Patienten, die zuvor Placebo erhalten hatten 4
Wichtige Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
- Absolute Kontraindikationen: Harnretention, moderate bis schwere Leberfunktionsstörung, Magenretention, Überempfindlichkeit gegen Cobenfy oder Trospiumchlorid, unbehandeltes Engwinkelglaukom 1
- Vor Therapiebeginn müssen Leberenzyme, Bilirubin und Herzfrequenz bestimmt werden 1
- Geriatrische Patienten und solche mit Blasenauslassobstruktion haben ein erhöhtes Risiko für Harnretention und benötigen engmaschige Überwachung 1
- Nicht empfohlen bei Patienten mit moderater bis schwerer Nierenfunktionsstörung aufgrund erhöhter anticholinerger Nebenwirkungen 1
Häufigste Nebenwirkungen in der Praxis
- Die häufigsten Nebenwirkungen (≥5% und mindestens doppelt so häufig wie Placebo) waren: Übelkeit, Dyspepsie, Obstipation, Erbrechen, Hypertonie, Bauchschmerzen, Diarrhö, Tachykardie, Schwindel und gastroösophageale Refluxkrankheit 1
- Die meisten Nebenwirkungen wurden als leicht bis moderat eingestuft 4
- Klinische Erfahrung zeigt, dass die Balance zwischen cholinergen (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö) und anticholinergen Nebenwirkungen (Reflux, Obstipation, Harnretention) durch Dosisanpassung optimiert werden kann 3
Position in aktuellen Behandlungsalgorithmen
- Die internationalen INTEGRATE-Leitlinien von 2025 erwähnen, dass Xanomelin-Trospium kürzlich für die Behandlung der Schizophrenie zugelassen wurde und eine zeitnahe Bewertung seiner Position im Behandlungsalgorithmus erforderlich ist 6
- Das Medikament repräsentiert einen vielversprechenden nicht-dopaminergen Mechanismus, der besonders relevant ist, da es auch Wirksamkeit bei Negativsymptomen und kognitiven Defiziten zeigen könnte 6, 4
Praktische Überlegungen für die Verordnung
- In der realen klinischen Praxis werden Patienten häufig Komorbiditäten und Polypharmazie aufweisen, im Gegensatz zu den kontrollierten Zulassungsstudien, in denen Patienten vor der Cobenfy-Gabe von vorherigen Antipsychotika abgesetzt wurden 3
- Frühe klinische Erfahrungen deuten darauf hin, dass Cobenfy auch bei Patienten mit komorbiden Erkrankungen wie Autismus oder Demenz kognitive Verbesserungen bewirken könnte 3
- Die Überwachung sollte sowohl cholinerge als auch anticholinerge Nebenwirkungen umfassen, um Dosis und Verabreichung entsprechend anzupassen 3