Benzodiazepine zur Beruhigung bei MDMA-Intoxikation unter Quetiapin
Bei einem agitierten Patienten mit MDMA-Intoxikation unter Quetiapin-Therapie sind Benzodiazepine die eindeutig bevorzugte pharmakologische Erstlinientherapie zur Beruhigung, da sie die sympathomimetische Toxizität direkt antagonisieren und das Risiko einer malignen Hyperthermie senken, während zusätzliche Antipsychotika die Krampfschwelle senken und die Mortalität erhöhen würden.
Warum Benzodiazepine bei MDMA-Intoxikation bevorzugt werden
Lorazepam 0,05–0,1 mg/kg PO/IM/IV ist das Mittel der Wahl bei Intoxikation oder medizinisch bedingter Agitation, mit Wirkungseintritt nach 5–15 Minuten i.v., 15–30 Minuten i.m. oder 20–30 Minuten p.o. 1
Benzodiazepine sind spezifisch indiziert bei Kokain-Intoxikation und anderen substanzbedingten Agitationszuständen, da sie die sympathomimetische Überstimulation direkt dämpfen 1
Bei vermuteter Intoxikation oder medizinischer Ursache der Agitation sind Benzodiazepine die Erstlinientherapie, während Antipsychotika nur bei unzureichender Wirkung hinzugefügt werden sollten 1
Warum zusätzliche Antipsychotika kontraindiziert sind
Antipsychotika sollten bei anticholinerger Intoxikation oder Delirium vermieden werden, da sie den Zustand verschlechtern können 1
Die Kombination von Quetiapin mit weiteren Antipsychotika erhöht das Risiko für QTc-Verlängerung, Arrhythmien, plötzlichen Herztod und maligne Hyperthermie 2
Bei MDMA-Intoxikation besteht bereits ein erhöhtes Risiko für Serotonin-Syndrom und Hyperthermie – zusätzliche Antipsychotika würden diese lebensbedrohlichen Komplikationen potenzieren 1
Praktisches Vorgehen bei MDMA-Intoxikation unter Quetiapin
Sofortmaßnahmen vor Medikamentengabe
Point-of-Care-Glukosemessung durchführen, da Hypoglykämie eine rasch reversible und potenziell tödliche Ursache für Tremor und Agitation darstellt 1
Vitalzeichen erheben zur Identifikation von Fieber, Tachykardie, Hypertonie oder respiratorischer Insuffizienz, die auf spezifische Ätiologien hinweisen 1
Kognitive Funktion beurteilen, um Delirium von primär psychiatrischen Ursachen zu unterscheiden 1
Verbale Deeskalation (immer zuerst versuchen)
Zwei Armlängen Abstand halten, ruhige Umgebung schaffen, empathische Aussagen verwenden, klare Grenzen setzen, realistische Wahlmöglichkeiten anbieten und Trigger modifizieren 1
Verbale Deeskalationstechniken sollten immer vor pharmakologischen oder physischen Zwangsmaßnahmen versucht werden 1
Pharmakologische Therapie bei Versagen der Deeskalation
Lorazepam 0,05–0,1 mg/kg PO/IM/IV als Erstlinientherapie bei substanzbedingter Agitation 1
Lorazepam hat keine aktiven Metaboliten, zuverlässige i.m.-Resorption und keine extrapyramidalen Nebenwirkungen, was es für Alkoholentzug, Kokain-Intoxikation und andere substanzbedingte Agitationszustände geeignet macht 1
Wirkungseintritt: 5–15 Minuten i.v., 15–30 Minuten i.m., 20–30 Minuten p.o.; Wirkdauer: 6–8 Stunden 1
Kombination mit Antipsychotika nur bei schwerer Intoxikation
Bei schwerer Intoxikation kann ein Antipsychotikum der ersten Generation (z.B. Haloperidol) hinzugefügt werden, wenn Benzodiazepine allein unzureichend sind 1
Haloperidol 5–10 mg i.m. für Jugendliche/Erwachsene, mit Wirkungseintritt nach 10–20 Minuten i.m. und 45–60 Minuten p.o., aber höherem Risiko für extrapyramidale Symptome 1
Kritische Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Benzodiazepine bei Patienten mit respiratorischer Insuffizienz vermeiden, da sie eine Atemdepression auslösen können 1
Antipsychotika bei anticholinerger Intoxikation oder Delirium vermeiden, da sie den Zustand verschlechtern können 1
Nach Medikamentengabe Vitalzeichen, Sedierungsgrad und Atemstatus engmaschig überwachen; Atemwegsausrüstung bereithalten 1
Patienten über 50 Jahre können eine ausgeprägtere und längere Sedierung mit Lorazepam erfahren 1
Häufige Fehler, die vermieden werden müssen
Nicht mehrere Antipsychotika gleichzeitig verabreichen bei einem Patienten, der bereits Quetiapin einnimmt – dies erhöht die kardiovaskulären Risiken und die Mortalität erheblich 2
Nicht direkt zu chemischen oder physischen Zwangsmaßnahmen übergehen, ohne verbale Deeskalation zu versuchen, es sei denn, der Patient stellt eine unmittelbare Gefahr dar 1
Keine Annahmen über Gefährlichkeit aufgrund von Rasse oder kulturellem Hintergrund treffen – Entscheidungen müssen ausschließlich auf klinischer Beurteilung basieren 1
Monitoring nach Intervention
Vitalzeichen, Sedierungsgrad und Atemstatus engmaschig überwachen nach jeder Medikamentengabe 1
Atemwege freihalten und Beatmungsausrüstung verfügbar halten 1
Nach jeder unfreiwilligen Intervention Nachbesprechung mit dem Patienten durchführen, um die Begründung zu erklären, deren Perspektive einzuholen und alternative Strategien für zukünftige Episoden zu besprechen 1