Symptome eines Progesteronmangels
Ein Progesteronmangel manifestiert sich primär durch Menstruationsstörungen – insbesondere verkürzte Lutealphase (<10 Tage), Oligomenorrhoe oder sekundäre Amenorrhoe – da niedriges mid-luteales Progesteron das Kennzeichen einer Anovulation ist. 1
Primäre klinische Manifestationen
Menstruationsstörungen
- Verkürzte Lutealphase (weniger als 10 Tage zwischen Eisprung und Menstruation) ist das klinische Hauptmerkmal eines Progesteronmangels 1, 2
- Oligomenorrhoe (Zyklen >35 Tage Abstand) oder sekundäre Amenorrhoe (Ausbleiben der Menstruation für 3 Monate bei zuvor regelmäßigen Zyklen oder 6 Monate bei unregelmäßigen Zyklen) 3
- Unregelmäßige Menstruationszyklen aufgrund fehlender Ovulation 1
Reproduktive Symptome
- Infertilität durch inadäquate sekretorische Transformation des Endometriums 4
- Rezidivierende Fehlgeburten im ersten Trimenon, da Progesteron für die Aufrechterhaltung der Frühschwangerschaft essentiell ist 2, 5
- Dünnes Endometrium (<5 mm im Ultraschall), was auf Östrogenmangel und fehlende Progesteronwirkung hinweist 3
Wichtige diagnostische Hinweise
Laborchemische Bestätigung
- Mid-luteales Progesteron <6 nmol/L (ca. 7 Tage nach vermutetem Eisprung gemessen) bestätigt eine Anovulation 1, 6
- Optimal ist die Messung an Zyklustag 25-26 mit einem Grenzwert von 21 nmol/L (Sensitivität 81%, Spezifität 73%) 7
- LH/FSH-Verhältnis >2 deutet auf PCOS mit chronischer Anovulation hin 1, 6
Klinische Kontexte für Progesteronmangel
Anovulation ist die häufigste Ursache für niedrige Progesteronwerte bei Frauen im reproduktiven Alter, da ohne Eisprung kein Corpus luteum gebildet wird, das Progesteron produzieren könnte 1
Die wichtigsten zugrunde liegenden Ursachen sind:
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS): Betrifft 4-6% der Frauen und zeigt sich durch hyperandrogene chronische Anovulation mit beschleunigter GnRH-Sekretion, Insulinresistenz und LH-Hypersekretio 1
- Hypothalamische Amenorrhoe: Tritt bei 1,5% der Allgemeinbevölkerung auf, häufiger bei exzessivem Sport oder Kaloriendefizit 1
- Hyperprolaktinämie: Erhöhtes Prolaktin supprimiert die GnRH-Pulsatilität und verursacht Anovulation 1
Häufige Fallstricke
Timing der Messung
Progesteron darf niemals zur falschen Zykluszeit gemessen werden – es muss zwingend mid-luteal (etwa Zyklustag 21-26 bei 28-Tage-Zyklus) abgenommen werden, sonst ist das Ergebnis bedeutungslos 1, 6
Differenzialdiagnosen
- Nicht verwechseln: Polyzystische Ovarien im Ultraschall allein bedeuten nicht PCOS – es müssen zusätzlich klinische/biochemische Hyperandrogenismus-Zeichen oder Ovulationsstörungen vorliegen 1
- Funktionelle hypothalamische Amenorrhoe mit polyzystischen Ovarien (FHA-PCOM) kann als PCOS fehldiagnostiziert werden, zeigt aber typischerweise niedriges LH, niedriges Östradiol, dünnes Endometrium und LH/FSH-Verhältnis <1 3
Zusätzliche Bewertung erforderlich
Bei Verdacht auf Progesteronmangel sollte eine umfassende Abklärung erfolgen, einschließlich:
- Detaillierte Menstruationsanamnese und Bewertung von FHA-Auslösern (Gewichtsveränderungen, Essstörungen, exzessiver Sport) 1
- BMI, Taillen-Hüft-Verhältnis und Zeichen von Androgenüberschuss 1
- Labor: LH, FSH, Prolaktin, Testosteron, TSH, Nüchternglukose/Insulin-Verhältnis 1
- Transvaginaler oder transabdominaler Beckenultraschall zur Beurteilung polyzystischer Ovarien und Endometriumdicke 1
Symptome, die NICHT spezifisch für Progesteronmangel sind
Es ist wichtig zu betonen, dass viele unspezifische Symptome fälschlicherweise einem Progesteronmangel zugeschrieben werden. Die einzigen eindeutig zuordenbaren Symptome sind Menstruationsstörungen (verkürzte Lutealphase, Oligomenorrhoe, Amenorrhoe) und reproduktive Probleme (Infertilität, rezidivierende Fehlgeburten). 1, 2
Während der Schwangerschaft kann Progesteron gastrointestinale Motilität hemmen und zu verzögerter Magenentleerung führen, aber dies ist ein physiologischer Effekt während der Schwangerschaft, nicht ein Symptom eines Mangels 8