Progesteronmangel und gastrointestinale Symptome
Warum Progesteronmangel zu GI-Symptomen führt
Die Frage basiert auf einem Missverständnis: Progesteronmangel verursacht keine gastrointestinalen Symptome – vielmehr führt ein Progesteronüberschuss zu GI-Beschwerden durch Hemmung der gastrointestinalen Motilität. 1
Mechanismus der Progesteron-induzierten GI-Symptome
- Progesteron verlangsamt die Motilität im gesamten Gastrointestinaltrakt, was zu verzögerter Magenentleerung und Obstipation führt 1
- Die Hemmwirkung erfolgt durch Erhöhung der Stickoxid-Synthese (NO), die eine Relaxation der glatten Muskulatur induziert 2
- Progesteron hemmt kontraktionsfördernde Signalwege, insbesondere durch Inhibition der Rho-Kinase-II-Aktivität 2, 3
- Die Wirkung tritt innerhalb von weniger als 1 Minute ein und erfolgt über nicht-genomische Mechanismen (Membranrezeptoren), nicht über klassische nukleäre Progesteronrezeptoren 4, 5
- Progesteron reduziert spannungsabhängige Kalziumströme in glatten Muskelzellen des Darms, was die Kontraktion vermindert 5
Klinische Manifestationen
- Obstipation ist das Hauptsymptom bei erhöhten Progesteronspiegeln (z.B. während der Schwangerschaft oder Lutealphase) 1
- Die Obstipation führt sekundär zu abdomineller Völlegefühl und Blähungen 1
- Bei Behandlung der Obstipation mit osmotischen Laxantien (z.B. Lactulose) kann sich die Blähungssymptomatik paradoxerweise verschlechtern 1
Erkennung einer Progesteronresistenz
Es gibt keine etablierten klinischen Kriterien oder diagnostischen Tests zur Identifikation einer "Progesteronresistenz" im Kontext gastrointestinaler Symptome. Die bereitgestellte Evidenz adressiert dieses Konzept nicht.
Praktische Überlegungen bei unzureichender Wirkung
- Wenn orale Progesteronpräparate nicht wirken, können Absorptionsstörungen vorliegen, insbesondere nach bariatrischer Chirurgie (Roux-en-Y-Magenbypass, biliopankreatische Diversion) 6
- Aktives Erbrechen oder schwere Diarrhö verhindern die adäquate Absorption oraler Medikamente einschließlich Progesteron 6
- Vaginales mikronisiertes Progesteron (200 mg täglich) umgeht den First-Pass-Metabolismus und erreicht adäquate Gewebespiegel bei niedrigeren systemischen Hormonspiegeln und potenziell weniger GI-Nebenwirkungen 6
Wichtige Fallstricke
- Die Frage nach "Progesteronmangel und GI-Symptomen" verwechselt wahrscheinlich Ursache und Wirkung: Progesteron selbst verursacht GI-Symptome durch Motilitätshemmung, nicht dessen Mangel 1, 2
- Bei Patientinnen mit zyklischem Erbrechen-Syndrom können erhöhte Progesteronspiegel während der Lutealphase die GI-Symptomatik verschlechtern (katameniales zyklisches Erbrechen-Syndrom) 7
- Die Behandlung Progesteron-induzierter Obstipation sollte Quellmittel bevorzugen statt übermäßiger Ballaststoffe oder osmotischer Laxantien, die Blähungen verstärken 1