Ursachen der Leberverfettung
Eine Leberverfettung entsteht primär durch metabolische Störungen – insbesondere Insulinresistenz, Adipositas und Diabetes – sowie durch übermäßigen Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente und seltene genetische Erkrankungen. 1
Primäre metabolische Ursachen
Metabolisches Syndrom und Insulinresistenz
- Insulinresistenz ist der zentrale metabolische Treiber, der die Dysfunktion des Fettgewebes mit der hepatischen Fettakkumulation verbindet 2, 3
- Adipositas ist mit einer 70%igen Prävalenz der Leberverfettung assoziiert, was Übergewicht als Hauptrisikofaktor etabliert 3
- Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes liegt die Prävalenz über 70% und kann 90% erreichen, was den starken Zusammenhang zwischen Hyperglykämie/Insulinresistenz und Leberfett zeigt 3
- Dyslipidämie – charakterisiert durch erhöhte Nüchtern-Triglyzeride, erhöhtes LDL-Cholesterin und reduziertes HDL-Cholesterin – ist häufig bei Fettlebererkrankungen 3
Pathophysiologische Mechanismen der Fettakkumulation
- Freie Fettsäuren aus der Lipolyse des Fettgewebes liefern 50-70% der hepatischen Triglyceridspeicher im Fastenzustand, was die dominante Rolle zirkulierender Fettsäuren bei der hepatischen Fettakkumulation unterstreicht 3
- Die De-novo-Lipogenese (DNL) ist bei Personen mit Fettleber etwa fünfmal höher als bei gesunden Kontrollen, was auf einen stark hochregulierten hepatischen Fettsäure-Syntheseweg hinweist 3
- Die gestörte postprandiale Suppression der Freisetzung freier Fettsäuren aus dem Fettgewebe führt zu übermäßiger Fettsäurelieferung an die Leber 3
- Die VLDL-Sekretion ist erhöht, bleibt aber unzureichend, um die Triglyceridakkumulation auszugleichen 3
Ernährungsfaktoren
- Fruktose wird beim ersten Durchgang durch die Leber abgebaut und mit minimaler Insulinregulation metabolisiert, was eine schnelle Substratverfügbarkeit für die Lipogenese ermöglicht 3
- Fruktosekonsum stimuliert die De-novo-Lipogenese und kann den Schweregrad der Leberfibrose verschlimmern 3
- Fruktose kann das Darmmikrobiom verändern und die intestinale Permeabilität für Endotoxine erhöhen, was hepatische Entzündungen fördert 3
Alkoholische Leberverfettung
- Übermäßiger Alkoholkonsum (>21 Standardgetränke pro Woche für Männer, >14 für Frauen über einen 2-Jahres-Zeitraum) muss bei der Diagnose einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung ausgeschlossen werden 3
- Alkoholische Fettleber ist die häufigste alkoholassoziierte Erkrankung und tritt bei 80-90% der starken Trinker auf 1
- Fortgesetzter Alkoholkonsum (≥400 g/Woche) erhöht das Risiko einer Progression zur Zirrhose in 30% der Fälle 1
Sekundäre Ursachen der hepatischen Steatose
Medikamente (makrovesikuläre Steatose)
- Amiodaron, Methotrexat, Tamoxifen und Kortikosteroide können hepatische Steatose verursachen 1
Medikamente (mikrovesikuläre Steatose)
- Valproat und antiretrovirale Medikamente sind mit mikrovesikulärer Steatose assoziiert 1
Virale und metabolische Erkrankungen
- Hepatitis C (Genotyp 3) kann hepatische Steatose verursachen 1
- Morbus Wilson ist eine seltene Ursache 1
- Lipodystrophie, Abetalipoproteinämie und angeborene Stoffwechselstörungen (z.B. LCAT-Mangel, Cholesterinester-Speicherkrankheit, Wolman-Krankheit) 1
Ernährungsbedingte Ursachen
- Hunger (Starvation) kann paradoxerweise zu Steatose führen 1
- Parenterale Ernährung ist eine bekannte Ursache 1
Schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen
- Akute Schwangerschaftsfettleber und HELLP-Syndrom verursachen mikrovesikuläre Steatose 1
- Reye-Syndrom ist mit mikrovesikulärer Steatose assoziiert 1
Genetische Faktoren
- Die PNPLA3 I148M (rs738409) Variante ist mit erhöhtem hepatischen Fettgehalt und Entzündung assoziiert 1, 3
- Das I148M-Allel ist bei hispanischen Populationen häufiger, was teilweise die höhere Anfälligkeit für Fettleber in dieser ethnischen Gruppe erklärt 1, 3
- Eine familiäre Diabetesanamnese erhöht unabhängig das Risiko für Fettleber 3
Wichtige klinische Hinweise
Diagnostische Kriterien
- Der Nachweis einer hepatischen Steatose erfordert entweder bildgebende Verfahren mit ≥5% Fettakkumulation oder eine Histologie, kombiniert mit dem Ausschluss sekundärer Ursachen 1, 2
- Signifikanter Alkoholkonsum, steatogene Medikamente und hereditäre Störungen müssen ausgeschlossen werden 1
Klinische Präsentation
- Die Mehrheit (60-80%) der Patienten mit hepatischer Steatose ist asymptomatisch, da die Leberkapsel keine Schmerzrezeptoren für Dehnung oder Fettakkumulation allein besitzt 2, 4
- Wenn Symptome auftreten, sind sie typischerweise unspezifisch und können abdominelles Unbehagen, Müdigkeit, Übelkeit und Muskelschmerzen umfassen 4