Warum die Fridericia-Formel bei Kindern besser geeignet ist
Die Fridericia-Formel (QTc = QT/∛RR) sollte bei Kindern anstelle der Bazett-Formel verwendet werden, weil Kinder typischerweise höhere Herzfrequenzen haben und die Bazett-Formel bei Herzfrequenzen >80-90 Schlägen/Minute systematisch überkorrigiert, was zu falsch-positiven Diagnosen einer QT-Verlängerung führt. 1, 2
Das grundlegende Problem der Bazett-Formel bei Kindern
Die Bazett-Formel (QTc = QT/√RR) behält eine starke positive Restkorrelation mit der Herzfrequenz (r = 0,32) bei, was zu systematischer Überkorrektur bei Herzfrequenzen >90 Schlägen/Minute und Unterkorrektur bei <50 Schlägen/Minute führt. 1
Bei Kindern, die durchschnittliche Herzfrequenzen von 122 ± 20 Schlägen/Minute aufweisen, führt die Bazett-Formel zu erheblich künstlich verlängerten QTc-Werten. 3
In einer Studie mit 332 gesunden Kindern ohne QT-Abnormalitäten identifizierte die Bazett-Formel im Stehen fälschlicherweise 151 Kinder mit QTc 440-460 ms, 45 Kinder mit QTc 460-480 ms und 5 Kinder mit QTc >480 ms, während die Fridericia-Formel korrekt fast keine falsch-positiven Fälle identifizierte. 2
Überlegene Leistung der Fridericia-Formel
Die Fridericia-Formel ist der Bazett-Formel überlegen, insbesondere bei hohen Herzfrequenzen, und wird von der FDA empfohlen. 4
Bei Kindern mit Ruheherzfrequenzen ≥82 Schlägen/Minute ist die Fridericia-Korrektur unabhängig von der Herzfrequenz, im Gegensatz zur Bazett-Korrektur. 5
Die mittlere Differenz zwischen den beiden Formeln beträgt 25 ± 11 ms (P < 0,0001), wobei Bazett systematisch höhere Werte liefert. 5
Klinische Leitlinienempfehlungen
Die American Heart Association, das American College of Cardiology und die Heart Rhythm Society geben eine Klasse-I-Leitlinienempfehlung ab, dass lineare regressionsbasierte Korrekturfunktionen – nicht die Bazett-Formel – für die QT-Frequenz-Korrektur verwendet werden sollten. 1
Wenn eine lineare Regressionsfunktion nicht verfügbar ist, ist die Fridericia-Formel die bevorzugte Alternative, insbesondere bei Herzfrequenzen >80 Schlägen/Minute. 1
Bei Kindern unter 12 Jahren liegt die 98. Perzentile für das frequenzkorrigierte QT bei etwa 450 ms ohne Geschlechtsdifferenzierung. 4
Praktischer klinischer Algorithmus für Kinder
Schritt 1 – Herzfrequenz beurteilen
- Bei Herzfrequenzen >80-90 Schlägen/Minute (typisch für Kinder): Verwenden Sie die Fridericia-Formel. 1, 2
- Bei Herzfrequenzen 60-80 Schlägen/Minute: Beide Formeln sind akzeptabel, aber Fridericia bleibt konsistenter. 1
Schritt 2 – Formelauswahl
- Erste Wahl: Fridericia-Formel (QT/∛RR) für alle pädiatrischen Patienten. 1, 4
- Zweite Wahl: Lineare Regressionsformeln (z.B. Framingham), wenn verfügbar. 1
- Vermeiden: Bazett-Formel bei Kindern mit erhöhten Herzfrequenzen oder beim Screening auf Long-QT-Syndrom. 2, 5
Schritt 3 – Grenzwerte für Kinder
- Normal: QTc <440 ms bei Kindern <12 Jahren. 1
- Grauzone: 440-470 ms erfordert Risikofaktorenbewertung. 1, 4
- Verlängert: QTc ≥460 ms bei Kindern. 1
- Hochrisiko: QTc ≥480 ms oder Anstieg >60 ms vom Ausgangswert. 4
Wichtige Einschränkungen zu beachten
Die QT-Korrektur sollte nicht versucht werden, wenn die RR-Intervall-Variabilität groß ist (z.B. Vorhofflimmern) oder wenn das T-Wellen-Ende nicht zuverlässig identifiziert werden kann. 1, 6
Automatisierte QTc-Messungen sollten niemals ohne visuelle Überprüfung verwendet werden, da Computeralgorithmen das T-Wellen-Ende falsch identifizieren oder U-Wellen fälschlicherweise einbeziehen können. 1, 6
Bei posturalen Manövern (Stehen, Sitzen) erhöht sich die Herzfrequenz bei Kindern erheblich, was die Überkorrektur durch Bazett verschlimmert und zu einer hohen Anzahl falsch-positiver Fälle führt. 2
Widersprüchliche Evidenz
Eine einzelne Studie aus 2015 mit 702 Kindern berichtete, dass die Bazett-Formel die konsistenteste QTc berechnete (Steigung der Regressionslinie -0,019 vs. 0,1028 für Fridericia). 3
Diese Studie steht jedoch im Widerspruch zu mehreren neueren Studien 2, 5 und aktuellen Leitlinienempfehlungen 1, 4, die alle die Überlegenheit der Fridericia-Formel bei Kindern zeigen.
Die überwältigende Evidenz und Leitlinienempfehlungen unterstützen die Fridericia-Formel, insbesondere angesichts der hohen Rate falsch-positiver Befunde mit Bazett in realen pädiatrischen Screening-Szenarien. 1, 2, 5