Pädagogische Konzepte bei Autismus
Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung benötigen strukturierte, verhaltensbasierte Bildungsprogramme mit explizitem Unterricht, wobei Applied Behavior Analysis (ABA) und spezifische evidenzbasierte Modelle wie das Early Start Denver Model und TEACCH die Grundlage bilden sollten. 1, 2
Verhaltensbasierte Interventionen (Kernansatz)
Applied Behavior Analysis (ABA) ist das zentrale pädagogische Konzept mit nachgewiesener Wirksamkeit:
- Early Intensive Behavioral Intervention (EIBI) umfasst bis zu 40 Stunden pro Woche individualisierte Einzelförderung, beginnend mit diskreten Lerneinheiten für einfache Fähigkeiten und Fortschreiten zu komplexeren Fertigkeiten wie der Initiierung verbalen Verhaltens 1
- ABA-Techniken haben wiederholt Wirksamkeit für spezifische Problemverhalten, akademische Aufgaben, soziale Kompetenzen sowie adaptive Lebens- und berufliche Fertigkeiten gezeigt 1
- Eine funktionale Verhaltensanalyse identifiziert Verstärkungsmuster, um gewünschte Verhaltensalternativen zu fördern 1
- Kritisch wichtig: Ein expliziter Fokus auf Generalisierung ist unerlässlich, da Kinder mit Autismus dazu neigen, Aufgaben isoliert zu lernen 1
Strukturierte Bildungsmodelle mit Wirksamkeitsnachweis
Zwei spezifische Programme haben Evidenz für ihre Wirksamkeit:
- Early Start Denver Model (ESDM): Ein strukturiertes Entwicklungsmodell mit nachgewiesener Effektivität 1, 2
- TEACCH (Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children): Ein strukturiertes Bildungsprogramm mit Wirksamkeitsnachweis 1, 2
Beide Programme teilen gemeinsame Elemente: geplante intensive Intervention, erfahrene interdisziplinäre Teams, Familieneinbindung und explizite Verfahren zur Wirksamkeitsüberwachung 2
Kommunikationsförderung
Kommunikation ist ein Hauptfokus der Intervention und sollte koordiniert mit Logopäden umgesetzt werden:
Für nonverbale Kinder:
- Picture Exchange Communication System (PECS) mit Evidenz für Wirksamkeit 1, 2
- Gebärdensprache als alternative Ausdrucksmodalität 1, 2
- Kommunikationstafeln und visuelle Unterstützungen 1
- Aktivitätspläne 1, 3
- Sprachausgabegeräte 1
Für verbal fließende Kinder:
- Explizites Training pragmatischer Sprachfertigkeiten, da diese trotz hoher Verbalität stark beeinträchtigt sein können 1
Visuelle Unterstützungssysteme
Visuelle Hilfsmittel sind durchgängig zu implementieren:
- Visuelle Zeitpläne, Aktivitätspläne und schrittweise visuelle Anleitungen 2, 4, 5, 3
- Visuelle Aktivitätspläne gelten als evidenzbasierte Praxis zur Steigerung, Aufrechterhaltung und Generalisierung verschiedener Fertigkeiten 3
- Visuelle Unterstützungen reduzieren Angst, erhöhen Vorhersagbarkeit und verbessern die Teilhabe 5
Soziale Kompetenzförderung
Programme zur Verbesserung sozialer Reziprozität und pragmatischer Sprachfertigkeiten nach Entwicklungsstufe:
Säuglings-/Vorschulalter (spielbasiert):
- Guided Participation: Erwachsenen-Coaching und Mediation durch trainierte Gleichaltrige 1, 2
- Do-Watch-Listen-Say: Sorgfältige Auswahl von Spielmaterialien zur Förderung von Teilnahme und Kooperation 1, 2
- Play Organizers: Neurotypische Gleichaltrige werden gelehrt, Teilen, Helfen und Loben zu fördern 1, 2
- Buddy Skills: Lehrt neurotypische Gleichaltrige, bei ihren "Buddies" zu bleiben, mit ihnen zu spielen und zu sprechen 1, 2
Schulalter:
- Social Stories: Formulieren ein Problem und geben dem Kind eine akzeptable Reaktion darauf 1
Strukturierter Bildungsansatz
Es besteht Konsens, dass Kinder mit Autismus einen strukturierten Bildungsansatz mit explizitem Unterricht benötigen:
- Programme mit nachgewiesener Wirksamkeit umfassen typischerweise geplante, intensive, individualisierte Intervention mit einem erfahrenen interdisziplinären Team und Familieneinbindung 1
- Der Bildungsplan muss eine genaue Bewertung der Stärken und Schwächen des Kindes widerspiegeln, mit expliziter Beschreibung der zu erbringenden Leistungen, Zielen und Verfahren zur Wirksamkeitsüberwachung 1, 2
- Gemeinsame Ziele umfassen die Verbesserung verbaler und nonverbaler Kommunikation, akademischer Fertigkeiten sowie sozialer, motorischer und verhaltensbezogener Fähigkeiten 1
- Für jüngere Kinder kann eine Elternbildungs- und Heimkomponente wichtig sein 1
Elterntraining als Ko-Therapeuten
- Eltern sollten 5 Stunden pro Woche Schulung erhalten, um ABA-Techniken zu implementieren, visuelle Unterstützungen und Kommunikationssysteme konsistent zu nutzen und lehrbare Momente während täglicher Routinen zu nutzen 2
- Elternvermittelte Interventionen haben Wirksamkeit zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kindes oder Reduzierung herausfordernder Verhaltensweisen 6
Interdisziplinäres Team
Das Team sollte umfassen:
- Sonderpädagogen mit Autismus-Expertise 2
- Logopäden 1, 2
- Ergotherapeuten 2
- Verhaltensexperten 2
- Eltern als wesentliche Teammitglieder 2
Zusätzliche Interventionen
- Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) hat Wirksamkeit für Angst- und Wutmanagement bei hochfunktionalen Jugendlichen mit Autismus gezeigt 1, 6
- Für die meisten anderen Formen psychosozialer Intervention fehlt die Evidenz 1
Kritische Fallstricke zu vermeiden
- Interventionen ohne Messung der Baseline und Fortschrittsüberwachung 2
- Ausschließlicher Fokus auf Verhaltensmanagement ohne Berücksichtigung zugrunde liegender Kommunikationsbedürfnisse 2
- Annahme, dass Fertigkeiten automatisch generalisieren werden 2
- Übersehen exekutiver Dysfunktion 2