Wirkung von Ulipristalacetat (Ella) bei bereits erfolgter Ovulation
Wenn die Ovulation bereits vor der Einnahme von Ulipristalacetat (UPA) stattgefunden hat, ist die kontrazeptive Wirksamkeit deutlich reduziert – die Schwangerschaftsverhütungsrate sinkt von 77,6% bei präovulatorischer Einnahme auf nur 36,4% bei postovulatorischer Einnahme.
Wirksamkeit nach Ovulationszeitpunkt
Die wichtigste Studie zu dieser Frage 1 zeigt eindeutig:
- Präovulatorische Einnahme: 77,6% Schwangerschaftsverhütung
- Postovulatorische Einnahme: 36,4% Schwangerschaftsverhütung (statistisch signifikanter Unterschied, P < 0,0001)
Die beobachtete Schwangerschaftsrate war nur in der präovulatorischen Gruppe signifikant niedriger als die erwartete Rate (P < 0,0001), während in der postovulatorischen Gruppe kein signifikanter Unterschied bestand (P = 0,281).
Wirkmechanismus und zeitliche Einschränkungen
UPA wirkt primär durch Verzögerung oder Hemmung der Follikelruptur, nicht durch Verhinderung der Implantation 2, 3:
- Bei Follikeln ≥18 mm (unmittelbar vor Ovulation): 59% Hemmung der Follikelruptur für mindestens 5 Tage 3
- Vor LH-Anstieg: 100% Wirksamkeit in der Ovulationshemmung
- Nach LH-Anstieg, aber vor LH-Peak: 78,6% Wirksamkeit
- Nach LH-Peak: Nur 8,3% Wirksamkeit 3
Dies erklärt, warum UPA nach bereits erfolgter Ovulation kaum noch wirksam ist – der entscheidende Mechanismus (Ovulationsverzögerung) kann nicht mehr greifen.
Praktische Konsequenzen
Gesamtwirksamkeit
Die Gesamtversagerrate liegt bei 1,7% (1,4% präovulatorisch vs. 2,1% postovulatorisch) 1. UPA sollte dennoch innerhalb von 5 Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden 4, da:
- Der genaue Ovulationszeitpunkt oft nicht sicher bestimmbar ist
- Auch eine reduzierte Wirksamkeit besser ist als keine Intervention
- UPA im Zeitfenster 72-120 Stunden wirksamer ist als Levonorgestrel 4
Menstruationsveränderungen als Hinweis
- Präovulatorische Einnahme: Verzögerung der nächsten Menstruation (Median 3 Tage)
- Postovulatorische Einnahme: Minimale Vorverlegung (Median 1 Tag)
- 19,1% der präovulatorischen vs. 7,8% der postovulatorischen Anwenderinnen hatten Abweichungen >7 Tage 1
Wichtige Einschränkungen
Häufiger Fehler: Die Annahme, UPA könne nach Ovulation noch durch Implantationshemmung wirken. Die Evidenz zeigt, dass der Hauptmechanismus die Ovulationsverzögerung ist, und dieser nach erfolgter Ovulation nicht mehr funktioniert.
Alternative bei bekannter postovulatorischer Situation: Die Kupfer-IUD bleibt die wirksamste Notfallkontrazeption und kann bis zu 5 Tage nach Ovulation eingesetzt werden 4, da sie primär durch Verhinderung der Implantation wirkt.
Vergleich mit Levonorgestrel
UPA ist Levonorgestrel überlegen, besonders in der späten Follikelphase 2:
- UPA: 58,8% Hemmung der Follikelruptur bei Follikeln ≥18 mm
- Levonorgestrel: 14,6% (nicht signifikant unterschiedlich zu Placebo mit 4%)
Bei bereits erfolgter Ovulation bietet UPA nur noch minimalen Schutz, sollte aber dennoch eingenommen werden, da der exakte Ovulationszeitpunkt meist unbekannt ist und selbst eine reduzierte Wirksamkeit besser ist als keine Intervention.