Kommunikation der präoperativen Medikationsüberprüfung
Ja, die Ergebnisse der pharmazeutischen präoperativen Medikationsüberprüfung sollten primär an den zuweisenden Arzt im extramuralen Bereich kommuniziert werden, insbesondere bei komplexen Patienten und perioperativem Medikamentenmanagement.
Begründung und Evidenzlage
Die aktuelle Evidenz zeigt deutliche Kommunikationslücken im präoperativen Setting, die geschlossen werden müssen:
Dokumentierte Kommunikationsdefizite
Eine aktuelle Studie aus 2024 zeigt alarmierende Diskrepanzen 1:
- 92,5% der Hausärzte geben an, dass sie selten oder nie mit Anästhesisten kommunizieren
- Im Gegensatz dazu berichten 77% der Anästhesie- und Chirurgieanbieter, dass sie häufig oder manchmal kommunizieren
- 96,1% der älteren chirurgischen Patienten halten präoperative Kommunikation zwischen Anbietern für wichtig
- Nur 40,4% der Patienten fühlten, dass ihre Anbieter sehr oder extrem gut kommunizieren
Rolle des Apothekers als Kommunikationsbrücke
Die systematische Übersicht von 2025 identifiziert Apotheker als Schlüsselpersonen zur Fehlerreduktion 2:
- Medikationsabgleich (13 von 16 Studien) war die häufigste Intervention
- Medikationsbezogene Empfehlungen (12 von 16 Studien) waren die zweithäufigste Intervention
- Die häufigste Apothekerinterventionen war die Medikationsoptimierung durch Absetzen oder Umstellung von Wirkstoffen
Leitlinienempfehlungen zur Apothekerrolle
Die British Journal of Anaesthesia Leitlinie von 2017 empfiehlt explizit 3:
- Apotheker sollten dem OP zugeordnet sein und 24/7 für Fragen verfügbar sein
- Apotheker sollten an Bildungs- und Morbiditäts-/Mortalitätskonferenzen teilnehmen
- Apotheker sind verantwortlich für den gesamten Medikationsfluss (von der Bestellung bis zur Entsorgung)
- Apotheker bereiten alle zusammengesetzten oder verdünnten Hochrisikomedikamente vor
Praktische Umsetzung
Wann primär an den Zuweiser kommunizieren:
- Komplexe Patienten mit Mehrfacherkrankungen 1
- Perioperatives Medikamentenmanagement, insbesondere:
- Optimierung von Komorbiditäten 1
- Medikationsdiskrepanzen, die präoperativ identifiziert wurden 4
Häufige Fallstricke vermeiden:
- 71% der Medikationsfehler betreffen Medikamente mit erheblichem Komplikationspotenzial (z.B. Antithrombotika) 5
- Kommunikationsausfälle zwischen stationären perioperativen und ambulanten Primärversorgungsteams führen zu Komplikationen und Wiederaufnahmen 1
- Unzureichende Kommunikation der Entlassungspräferenzen zwischen Fachärzten und Teams führt zu Abweichungen von Leitlinien 7
Strukturierte Kommunikationsstrategie:
Die Apotheker sollten dokumentieren und kommunizieren:
- Identifizierte Medikationsdiskrepanzen
- Empfehlungen zum Absetzen/Umstellen von Medikamenten
- Spezifische Anweisungen zu Hochrisikomedikamenten
- Zeitplan für perioperatives Medikamentenmanagement
Der extramurale Zuweiser benötigt diese Informationen für:
- Langfristige Medikationsanpassungen nach der Operation
- Kontinuität der Versorgung
- Vermeidung von Wiederaufnahmen durch Medikationsfehler
- Optimale postoperative Betreuung
Die Evidenz zeigt eindeutig, dass trotz der Wichtigkeit dieser Kommunikation für Patientensicherheit und -zufriedenheit, sie in der Praxis häufig unzureichend erfolgt 1. Apotheker müssen daher aktiv als Kommunikationsbrücke zwischen dem perioperativen Setting und der ambulanten Primärversorgung fungieren 2, 6.