Krückenversorgung bei Supinationstrauma
Bei einem Supinationstrauma des Sprunggelenks sollten Krücken nur kurzzeitig zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, wobei eine frühzeitige Teilbelastung mit Tape oder Orthese kombiniert mit einem Übungsprogramm bevorzugt wird.
Behandlungsalgorithmus
Akutphase (erste Tage)
Die aktuelle Leitlinie empfiehlt, dass eine kurze Immobilisationsphase zwar zur Schmerz- und Schwellungslinderung hilfreich sein kann, aber Patienten mit akuter lateraler Sprunggelenkbandruptur am meisten von Tape oder Orthese in Kombination mit einem Übungsprogramm profitieren 1.
Krückeneinsatz:
- Krücken können initial zur Entlastung verwendet werden, wenn die Schmerzen eine Vollbelastung nicht zulassen
- Die Belastung sollte jedoch so früh wie tolerierbar begonnen werden
- Forschungsdaten zeigen, dass frühe Mobilisierung mit elastischer Bandage und Teilbelastung unter Krückenverwendung keine Nachteile gegenüber nicht-belastender Gipsschiene aufweist 2
Krückenanpassung (falls erforderlich)
Wenn Krücken verwendet werden, ist die korrekte Anpassung entscheidend 3:
- Höhe: Etwa zwei Fingerbreiten unterhalb der Achselhöhle
- Handgriff: So eingestellt, dass der Ellenbogen 25-30° gebeugt ist bei geradem Handgelenk
- Gewichtsübertragung: Durch die Handflächen auf den Handgriffen, nicht durch die Achseln
- Gangmuster: Dreipunkt-Gang bei Verletzung eines Fußes, Knöchels oder Knies
Bevorzugte Behandlungsstrategie
Anstelle prolongierter Krückennutzung sollte folgendes Vorgehen gewählt werden:
Orthese/Tape: Sofortige Versorgung mit Sprunggelenkorthese oder Tape-Verband 1
Überwachte Übungstherapie: Überwachte übungsbasierte Programme werden gegenüber passiven Modalitäten bevorzugt, da sie die Wiederherstellung der funktionellen Gelenkstabilität stimulieren 1
Belastungsaufbau: Progressive Belastung nach Schmerztoleranz
Wichtige Warnhinweise
Prognostische Faktoren nach 2 Wochen
Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten, die nach 2 Wochen folgende Befunde aufweisen 4:
- Persistierendes Hämatom → signifikant erhöhtes Risiko für Arbeitsunfähigkeit
- Druckschmerz am ATFL → signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit für Instabilitätsgefühl nach 9 Monaten
- Instabilitätsgefühl → signifikant mehr Probleme beim Treppensteigen
Diese Patienten benötigen intensivierte Therapie und möglicherweise längere Unterstützung.
Häufige Fehler vermeiden
- Zu lange Immobilisierung: Prolongierte Nicht-Belastung verzögert die Wiederherstellung der funktionellen Stabilität
- Fehlende Übungstherapie: Passive Behandlung allein führt zu schlechteren Langzeitergebnissen
- Unterschätzung der Verletzung: Bis zu 40% entwickeln chronische Sprunggelenkinstabilität 1
Zeitrahmen
- Krücken (falls nötig): Nur wenige Tage bis Teilbelastung tolerierbar
- Orthese: Empfohlen für 5 Wochen 4
- Übungsprogramm: Sofortiger Beginn unter Supervision
Die Evidenz zeigt eindeutig, dass aktive Mobilisierung mit Orthese/Tape der prolongierten Krückennutzung überlegen ist, um chronische Instabilität und Langzeitbeschwerden zu vermeiden.