DGVS-Empfehlungen zu Biologika bei Morbus Crohn
Die bereitgestellten Evidenzen enthalten keine spezifischen DGVS-Leitlinien zur Erstlinientherapie mit Biologika bei mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn. Die verfügbaren DGVS-Dokumente 1, 2 befassen sich ausschließlich mit der Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen während der COVID-19-Pandemie und adressieren nicht die grundsätzliche Frage der Biologika-Erstlinientherapie.
Verfügbare internationale Leitlinien-Empfehlungen
Da keine DGVS-Stellungnahme zur spezifischen Frage vorliegt, sind die relevanten internationalen Empfehlungen:
AGA-Leitlinien (2021-2025)
Die AGA empfiehlt bei therapienaiven Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn Biologika mit HÖHERER Wirksamkeit (Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab, Ustekinumab, Risankizumab, Mirikizumab, Guselkumab) gegenüber Medikamenten mit NIEDRIGERER Wirksamkeit (Certolizumab Pegol, Upadacitinib) 3.
Wichtige AGA-Kernempfehlungen:
Biologika-Monotherapie wird gegenüber Thiopurin-Monotherapie zur Remissionsinduktion empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz) 4
Früher Einsatz von Biologika mit oder ohne Immunmodulator wird empfohlen, anstatt deren Verwendung erst nach Versagen von Mesalazin und/oder Kortikosteroiden (bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz) 4
Bei therapienaiven Patienten: Infliximab, Adalimumab oder Ustekinumab werden gegenüber Certolizumab Pegol empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz) 4
Kanadische Leitlinien (2019)
Bei Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn mit Risikofaktoren für eine schlechte Prognose wird Anti-TNF-Therapie (Infliximab, Adalimumab) als Erstlinientherapie zur Induktion einer kompletten Remission empfohlen (starke Empfehlung, moderate Evidenz) 5.
Klinische Umsetzung
Therapieauswahl-Algorithmus:
Risikostratifizierung: Patienten mit Risikofaktoren für schlechte Prognose (extensive Erkrankung, tiefe Ulzerationen, perianale Fisteln, junges Erkrankungsalter, früher Steroidbedarf) → direkte Biologika-Therapie
Erstlinien-Biologika (in absteigender Rangfolge basierend auf Netzwerk-Metaanalyse 6):
- Infliximab (P-Score: 0.98)
- Adalimumab (P-Score: 0.78)
- Ustekinumab (P-Score: 0.75)
- Risankizumab, Guselkumab, Mirikizumab
Kombinationstherapie: Bei therapienaiven Patienten kann Infliximab in Kombination mit Thiopurinen erwogen werden (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz) 4
Wichtige Fallstricke:
- Kortikosteroide sind NICHT zur Remissionserhaltung geeignet (starke Empfehlung gegen deren Einsatz) 4
- 5-ASA/Sulfasalazin sind bei Morbus Crohn unwirksam (starke Empfehlung gegen deren Einsatz) 4
- Biosimilare von Infliximab, Adalimumab und Ustekinumab sind als gleichwertig zu ihren Originalpräparaten anzusehen 3
Zusammenfassung
Die DGVS hat in den verfügbaren Dokumenten keine spezifische Stellungnahme zur Erstlinientherapie mit Biologika bei mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn abgegeben. Die aktuellsten internationalen Leitlinien (AGA 2025, kanadische Leitlinien 2019) empfehlen jedoch übereinstimmend den frühen Einsatz von Anti-TNF-Therapien (insbesondere Infliximab und Adalimumab) bei Patienten mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf.