DGVS-Empfehlungen zur Behandlung von Morbus Crohn bei Erwachsenen
Hinweis: Die bereitgestellten Evidenzen enthalten keine spezifischen DGVS (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten)-Leitlinien. Die aktuellsten verfügbaren Leitlinien stammen von der AGA (American Gastroenterological Association) und BSG (British Society of Gastroenterology) aus 2025.
Primäre Therapieempfehlungen für moderate bis schwere Erkrankung
Bei erwachsenen ambulanten Patienten mit moderat bis schwer aktivem Morbus Crohn sollten vorrangig hocheffektive Biologika oder Small Molecules eingesetzt werden: Infliximab, Adalimumab, Ustekinumab, Risankizumab, Mirikizumab, Guselkumab oder Upadacitinib 1.
Therapiealgorithmus nach Evidenzstärke:
Erstlinientherapie (Therapie-naive Patienten):
- Bevorzugen Sie Medikamente mit HÖHERER Wirksamkeit (Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab, Ustekinumab, Risankizumab, Mirikizumab, Guselkumab) gegenüber solchen mit NIEDRIGERER Wirksamkeit (Certolizumab Pegol, Upadacitinib) 1
- Diese Empfehlung basiert auf direkten Vergleichsdaten und priorisiert langfristige Krankheitskontrolle
Zweitlinienoptionen:
- Certolizumab Pegol oder Vedolizumab können als Alternative verwendet werden, haben aber eine bedingte Empfehlung mit moderater Evidenzqualität 1
Wichtige Implementierungsaspekte
Biosimilars und Formulierungen:
- Biosimilars von Infliximab, Adalimumab und Ustekinumab sind als gleichwertig zu ihren Originalpräparaten zu betrachten 1
- Subkutane Formulierungen von Infliximab und Vedolizumab zeigen vergleichbare Wirksamkeit zu den intravenösen Erhaltungsdosen 1
Dosierungsstrategien:
- Bei Patienten mit hoher Entzündungslast, schwerer Erkrankung oder vorherigem TNF-Versagen sollten höhere Erhaltungsdosen bevorzugt werden 1
- Für Risankizumab, Guselkumab und Upadacitinib stehen zwei Dosierungsoptionen zur Verfügung
- Bei partiellem Ansprechen können verlängerte Induktionsregime oder Dosissteigerungen bei den meisten fortgeschrittenen Therapien vorteilhaft sein 1
Spezifische Medikamentenüberlegungen
Risankizumab:
- Zeigt Nicht-Unterlegenheit gegenüber Ustekinumab für klinische Remission nach 24 Wochen und Überlegenheit bei endoskopischer Remission nach 48 Wochen bei Anti-TNF-vorbehandelten Patienten (SEQUENCE-Studie) 2
- Niedrigeres Nebenwirkungsprofil erwartet, basierend auf dem Wirkmechanismus 2
Upadacitinib:
- Erstes orales Medikament mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Induktion und Erhaltung der Remission bei Morbus Crohn 2
- Ermöglicht zeitnahen Beginn einer wirksamen Therapie
- Wichtige Warnung: Black-Box-Warnung für VTE und MACE bei Hochrisikopatienten 2
- Erhöhtes Risiko für Akne und Varizella-Zoster-Virus-Reaktivierung 2
- Derzeit empfohlen, wenn Anti-TNF versagt haben, nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind 2
Vedolizumab:
- Hohe Evidenzqualität für klinische Remission (NNT=13) und klinisches Ansprechen 2
- Wird als Erstlinientherapie bei chronisch refraktärer Pouchitis empfohlen 2
Kortikosteroide: Nur zur Induktion
Systemische Kortikosteroide sollten NUR zur Remissionsinduktion verwendet werden, maximal 8 Wochen, NICHT zur Erhaltungstherapie 2.
- Budesonid kann bei milder ileozökaler Erkrankung für maximal 12 Wochen eingesetzt werden 2
- Wiederholte Kortikosteroidkurse sollten vermieden werden, es sei denn, die Unwirksamkeit anderer effektiver Therapien ist nachgewiesen 2
- Bei jeder Kortikosteroidverschreibung sollte die Einleitung oder Änderung einer fortgeschrittenen Therapie erwogen werden 2
- Frühzeitige Bewertung (nach 2 Wochen) mittels klinischer und/oder Biomarker-Beurteilung (fäkales Calprotectin) zur rechtzeitigen Eskalation 2
Häufige Fallstricke
- Verzögerung der fortgeschrittenen Therapie: Bei moderater bis schwerer Erkrankung nicht mit Kortikosteroiden allein behandeln – frühzeitig Biologika/Small Molecules einsetzen
- Kortikosteroid-Abhängigkeit: Keine Langzeiterhaltung mit Steroiden – dies verschlechtert die Langzeitprognose
- Unterdosierung: Bei schwerer Erkrankung oder TNF-Versagen höhere Erhaltungsdosen in Betracht ziehen
- Ignorieren von Patientenfaktoren: Alter, Komorbiditäten (besonders kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Upadacitinib), Schwangerschaft und Präferenzen müssen in die Therapiewahl einbezogen werden 1