Ja, ein MRT kann zwei Tage nach Symptombeginn völlig normal sein
Ein MRT, das zwei Tage nach Beginn von Dysarthrie, Dysphagie und einseitiger Handschwäche durchgeführt wird, kann tatsächlich keinen Befund zeigen – dies ist ein bekanntes, wenn auch seltenes Phänomen, insbesondere bei Infarkten im hinteren Stromgebiet.
Warum MRT-Befunde fehlen können
Die Diffusions-gewichtete Bildgebung (DWI) im MRT gilt als hochsensitiv für akute ischämische Schlaganfälle, erreicht aber keine 100%ige Sensitivität:
- Sensitivität variiert je nach Zeitpunkt und Lokalisation: Bei Patienten mit klinisch diagnostiziertem Schlaganfall oder TIA liegt die MRT-Sensitivität bei etwa 58% für alle Fälle, steigt aber auf 93%, wenn man TIA-Patienten ausschließt 1
- Posteriore Zirkulation besonders problematisch: Ein dokumentierter Fall zeigte ein negatives DWI-MRT 12 Stunden nach Symptombeginn bei einem medulären Infarkt; erst nach 4 Tagen wurde die Läsion sichtbar 2
- Sehr frühe Stadien können negativ sein: Die DWI-Bildgebung ist in sehr frühen Phasen, besonders bei Infarkten der hinteren Zirkulation, nicht 100% sensitiv 2
Klinische Implikationen
Die klinische Beurteilung behält Priorität – ein negatives MRT schließt einen Schlaganfall nicht aus, wenn die klinische Präsentation stark dafür spricht 2.
Wichtige Überlegungen:
- Symptomkonstellation beachten: Dysarthrie, Dysphagie und einseitige Handschwäche können auf einen Hirnstamminfarkt oder kortikalen Infarkt hinweisen
- Wiederholungsbildgebung erwägen: Bei persistierenden Symptomen und initial negativem MRT sollte eine Wiederholung nach einigen Tagen erfolgen 2
- Gefäßbildgebung durchführen: CTA oder MRA können zusätzliche Informationen über Gefäßverschlüsse liefern, auch wenn das Parenchym noch normal erscheint 3, 4
Häufige Fallstricke
- Zu frühe Entwarnung: Ein negatives MRT bedeutet nicht automatisch "kein Schlaganfall" – die klinische Diagnose ist entscheidend
- Posteriore Fossa-Läsionen übersehen: Diese sind auf MRT schwieriger zu erkennen und können initial negativ sein
- Kleine lakunäre Infarkte: Können ebenfalls initial nicht sichtbar sein, besonders wenn sie sehr klein sind
Bei anhaltenden neurologischen Symptomen trotz negativem MRT sollte die Bildgebung nach 3-7 Tagen wiederholt werden, und der Patient sollte wie ein Schlaganfallpatient behandelt werden, bis eine alternative Diagnose gesichert ist.