Chlorprothixen ist schwach anticholinerg
Chlorprothixen besitzt anticholinerge Eigenschaften, ist aber im Vergleich zu anderen Antipsychotika als schwach bis moderat anticholinerg einzustufen.
Evidenz aus der Forschung
Die direkte experimentelle Untersuchung zeigt, dass Chlorprothixen anticholinerge Effekte hat, diese aber quantitativ begrenzt sind. In isolierten Rattenspeicheldrüsenzellen wurde die halbmaximale Hemmung cholinerger Effekte erst bei 1,9 μM erreicht, mit maximaler Inhibition bei 10 μM 1. Dies deutet auf eine moderate Potenz hin.
Klinische Einordnung
Wichtig ist die Unterscheidung zu stark anticholinergen Antipsychotika:
Stark anticholinerg (>15 pmol/mL Atropin-Äquivalente): Clozapin, Olanzapin, Quetiapin werden in aktuellen Leitlinien als Medikamente mit der höchsten zentralen anticholinergen Aktivität genannt 2
Moderat anticholinerg (5-15 pmol/mL): Chlorpromazin, Olanzapin, Nortriptylin 3
Chlorprothixen: Wird in der Literatur als Medikament mit anticholinergen, antidopaminergen UND antiadrenergen Eigenschaften beschrieben, wobei die anticholinerge Komponente ausreicht, um extrapyramidale Nebenwirkungen zu reduzieren 4
Praktische Implikationen
Die anticholinerge Aktivität von Chlorprothixen ist klinisch relevant genug, dass:
- Es weniger extrapyramidale Nebenwirkungen verursacht als rein antidopaminerge Neuroleptika 4
- Die anticholinerge Belastung bei Patienten berücksichtigt werden sollte, besonders bei kognitiven Symptomen 2
- Es nicht in die Kategorie der stark anticholinergen Antipsychotika wie Clozapin oder Olanzapin fällt
Zusammenfassend: Chlorprothixen ist schwach bis moderat anticholinerg - deutlich weniger als Clozapin/Olanzapin/Quetiapin, aber mit messbarer anticholinerger Aktivität, die klinisch relevant sein kann.