Warum Diclac-Zäpfchen bei erschwerter Miktion nach RLRPE
Diclofenac-Zäpfchen sind die Therapie der Wahl bei erschwerter Miktion nach roboter-assistierter laparoskopischer radikaler Prostatektomie (RLRPE), da sie Schwellungen im Anastomosenbereich reduzieren und so die Miktionsbeschwerden ohne Katheterisierung verbessern können. 1
Pathophysiologischer Hintergrund
Nach einer RLRPE kann es im Rahmen des Heilungsprozesses zu Schwellungen im Bereich der urethrovesikalen Anastomose kommen. Diese Schwellungen können zu:
- Erschwerter Miktion
- Notwendigkeit erhöhten Pressdrucks beim Wasserlassen
- Schmerzen beim Wasserlassen
führen, ohne dass eine Harnwegsinfektion oder Blasentamponade vorliegt.
Evidenzbasierte Begründung für Diclac-Zäpfchen
Die PROSPECT-Leitlinien zur Schmerztherapie nach Prostatektomie empfehlen ausdrücklich den Einsatz von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac aus folgenden Gründen 1:
- Entzündungshemmende Wirkung: NSAR reduzieren die postoperative Schwellung im Anastomosenbereich
- Analgetische Wirkung: Linderung der Schmerzen beim Wasserlassen
- Evidenzbasierte Empfehlung: "L'analgésie systémique doit inclure le paracétamol et les anti-inflammatoires non stéroïdiens sélectifs ou non sélectifs administrés en préopératoire ou peropératoire et poursuivis en postopératoire." 1
Vorteile der rektalen Applikationsform
Die Zäpfchenform bietet in dieser speziellen Situation mehrere Vorteile:
- Schnellere Wirkstofffreisetzung und damit raschere Wirkung
- Umgehung des First-Pass-Effekts der Leber
- Bessere lokale Wirkung im Beckenbereich durch die anatomische Nähe
- Vermeidung gastrointestinaler Nebenwirkungen, die bei oraler Einnahme häufiger auftreten
Klinische Wirksamkeit
Der Patient berichtete bereits nach Anwendung des ersten Zäpfchens in der Ambulanz über eine Besserung der Beschwerden, was die Wirksamkeit dieser Therapieoption bestätigt. Dies entspricht der klinischen Erfahrung, dass NSAR bei postoperativen Schwellungen im Urogenitalbereich effektiv sind.
Alternativen und ihre Nachteile
Alternative Behandlungsoptionen wären:
- Erneute Katheterisierung: Invasiver und mit Risiken für Infektionen und Verletzungen verbunden
- Orale NSAR: Langsamerer Wirkungseintritt und höheres Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen
- TAP-Block: Laut PROSPECT-Leitlinien zwar für die laparoskopische/robotische Prostatektomie empfohlen, aber als invasive Maßnahme erst bei Versagen der konservativen Therapie indiziert 1
Dosierungsempfehlung
Die Dosierung von Diclac-Zäpfchen 50 mg 1-1-1 für 4-5 Tage ist angemessen, da sie:
- Eine ausreichende entzündungshemmende Wirkung gewährleistet
- Zeitlich begrenzt ist, um Nebenwirkungen zu minimieren
- Die Heilungsphase der Anastomose abdeckt
Fazit
Bei Patienten mit erschwerter Miktion nach RLRPE ohne Hinweise auf Harnverhalt (Restharnmenge 65 ml), Tamponade oder Infektion (Nitrit negativ) stellt die Therapie mit Diclac-Zäpfchen eine effektive, nicht-invasive Behandlungsoption dar, die durch aktuelle Leitlinien zur Schmerztherapie nach Prostatektomie unterstützt wird.