Wichtige Aspekte der Pflege auf einer unfallchirurgischen Station
Das Wichtigste für eine Pflegefachkraft auf einer unfallchirurgischen Station ist die Implementierung eines multidisziplinären Versorgungsansatzes mit orthogeriatrischem Co-Management, insbesondere bei älteren Patienten mit Fragilitätsfrakturen, um die Mortalität und Morbidität zu reduzieren und funktionelle Ergebnisse zu verbessern. 1
Multidisziplinäre Versorgung und orthogeriatrisches Management
- Die Zusammenarbeit zwischen Orthopäden, Geriatern und Pflegefachkräften auf einer speziellen orthogeriatrischen Station führt nachweislich zur kürzesten Zeit bis zur Operation, zum kürzesten Krankenhausaufenthalt und zur niedrigsten Sterblichkeitsrate 1
- Pflegefachkräfte sollten aktiv an täglichen multidisziplinären Besprechungen teilnehmen, um die Kommunikation zwischen den Fachdisziplinen zu verbessern und eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten 1
- Ein Pflegekraft-Patienten-Verhältnis von 1:4 wird für Hüftfrakturpatienten empfohlen 1
Präoperative Versorgung
Schnelle Aufnahme und Vorbereitung
- Implementierung eines Fast-Track-Aufnahmepfads für Patienten mit Frakturen 1
- Systematische Beurteilung des medizinischen Zustands des Patienten, einschließlich:
Schmerzmanagement
- Regelmäßige Paracetamol-Gabe als Grundlage der Schmerztherapie 1, 2
- Nervenblocken (femoral oder Fascia iliaca) zur effektiven Analgesie ohne Opioid-Nebenwirkungen 2
- Vorsichtige Anwendung von Opioiden mit reduzierter Dosierung bei älteren Patienten 2
- Kontinuierliche Schmerzbeurteilung als Teil der routinemäßigen pflegerischen Beobachtung 1
Postoperative Versorgung
Überwachung und Komplikationsprävention
- Regelmäßige Überwachung der Vitalzeichen und des kognitiven Status 2
- Sauerstoffgabe für mindestens 24 Stunden postoperativ zur Vorbeugung von Hypoxie 1, 2
- Frühe Mobilisierung zur Verbesserung der Oxygenierung und Lungenfunktion 1
- Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin und mechanischen Methoden bei Kontraindikationen 2
Flüssigkeitsmanagement
- Förderung der frühen oralen Flüssigkeitsaufnahme anstelle von routinemäßiger intravenöser Flüssigkeitszufuhr 1
- Entfernung von Harnkathetern so früh wie möglich zur Reduzierung des Risikos von Harnwegsinfektionen 1
Management von postoperativer kognitiver Dysfunktion
- Häufig (25%) bei Patienten mit Hüftfraktur 1
- Multimodale Optimierung der postoperativen Versorgung:
- Adäquate Analgesie
- Ernährung und Hydratation
- Elektrolytgleichgewicht
- Angemessene Medikation
- Stuhlgang und Mobilisierung 1
- Identifizierung und Behandlung von Komplikationen wie Lungeninfektion, stille Myokardischämie und Harnwegsinfektion 1
Rehabilitation und Entlassungsplanung
- Frühe Rehabilitationsplanung mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern 1
- Regelmäßige Neupositionierung (alle 2-4 Stunden) und Hautpflege zur Vorbeugung von Druckgeschwüren 2
- Frühe Entlassungsplanung mit Beurteilung der häuslichen Umgebung und des Unterstützungsbedarfs 2
- Implementierung von Sturzpräventionsstrategien 2
Besonderheiten bei Fragilitätsfrakturen
- Systematische Untersuchung des Frakturrisikos bei allen Patienten über 50 Jahre mit einer kürzlichen Fraktur 1
- Beachtung der Knochenqualität bei der Auswahl von Fixierungsgeräten und -techniken 1
- Berücksichtigung nicht-pharmakologischer Behandlungsoptionen und Patientenaufklärung zur Prävention weiterer Frakturen 1
Psychologische Betreuung
- Mehr als 50% der Überlebenden nach orthopädischen Traumata erleben psychische Belastungen, die jahrzehntelang anhalten können 3
- Frühe Identifizierung von Patienten mit Belastungssymptomen, um Ressourcen und Unterstützung bereitzustellen 3
- Bereitstellung von Bewältigungsstrategien, Achtsamkeit und Bildungsressourcen 3
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Vorsicht bei der Verwendung von Cyclizin bei älteren Personen aufgrund seiner anticholinergen Nebenwirkungen 1
- Vermeidung von Codein wegen seiner Nebenwirkungen bei älteren Patienten 2
- Besondere Aufmerksamkeit für das Bone Cement Implantation Syndrome (BCIS) bei zementierten Prothesen, gekennzeichnet durch Hypoxie, Hypotonie oder unerwarteten Bewusstseinsverlust 1
- Haloperidol oder Lorazepam sollten nur kurzfristig zur Symptomkontrolle bei Verwirrtheit eingesetzt werden 1, 2
Die Pflege auf einer unfallchirurgischen Station erfordert ein umfassendes Verständnis der speziellen Bedürfnisse von Traumapatienten, insbesondere älterer Patienten mit Fragilitätsfrakturen. Durch die Implementierung eines multidisziplinären Ansatzes mit Fokus auf präoperative Optimierung, effektives Schmerzmanagement, Komplikationsprävention und frühe Rehabilitation können Pflegefachkräfte wesentlich zur Verbesserung der Patientenergebnisse beitragen.