Die wichtigsten pflegerischen Interventionen auf einer unfallchirurgischen Station
Die wichtigsten pflegerischen Interventionen auf einer unfallchirurgischen Station umfassen Wundmanagement, Schmerzmanagement, Mobilitätsförderung, Infektionsprävention und psychologische Betreuung, wobei die Priorität auf der Vermeidung von Morbidität und Mortalität durch frühzeitige Erkennung von Komplikationen liegt.
Wundmanagement und Infektionsprävention
- Frühzeitiges Wundmanagement: Bei offenen Frakturen sollte eine Wundspülung und Anlage eines gefensterten Gipsverbandes erfolgen 1
- Negative-Druck-Wundtherapie (NPWT): Kann bei Hochrisiko-Operationswunden nach offener Reposition und interner Fixierung (ORIF) von Tibia-Plateau-, Pilon- oder Kalkaneusfrakturen erwogen werden 1
- Infektionsprävention: Frühe Antibiotikagabe bei offenen Frakturen senkt das Risiko von tiefen Infektionen 1
- Regelmäßige Wundkontrollen: Überwachung auf Anzeichen von Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Kompartmentsyndrom 2
- Sterile Wundversorgung: Verwendung von klaren Wundauflagen zur besseren Beobachtung 1
Schmerzmanagement
- Multimodale Analgesie: Kombination aus Opioiden und Nicht-Opioiden (Paracetamol) sowie nicht-pharmakologischen Methoden 3
- Frühzeitige Schmerzbehandlung: Implementierung von Pflegepersonal-initiierten Schmerzprotokollen zur Reduzierung der Wartezeit bis zur ersten Analgetikagabe 4
- Nicht-pharmakologische Strategien: Lagerung, Massage, Ablenkung und Physiotherapie werden von Patienten als besonders wirksam empfunden 3
- Überwachung von Nebenwirkungen: Besonders bei Opioiden auf Mundtrockenheit (78,8%), Müdigkeit (66,1%) und Schlaflosigkeit (30%) achten 3
Mobilitätsförderung und Rehabilitation
- Frühe Mobilisierung: Bei hämodynamisch stabilen Patienten zur Vermeidung von Komplikationen wie tiefer Venenthrombose, Dekubitus und zur Verbesserung der Lungenfunktion 5
- Temporäre Stabilisierung: Bei instabilen Patienten externe Fixation gegenüber Skeletttraktion bevorzugen, da sie schnelle Stabilisierung bei gleichzeitiger Wundzugänglichkeit ermöglicht 2
- Individuelle Rehabilitationspläne: Frühzeitige Einbindung der Physiotherapie zur Förderung der Funktionalität und Vermeidung von Langzeitbeeinträchtigungen 2
- Verwendung abnehmbarer Gipsverbände und Schienen: Maximierung der Verwendung abnehmbarer Hilfsmittel zur Erleichterung der Wundkontrolle und Mobilisierung 1
Überwachung und Komplikationsprävention
- Regelmäßige Vitalzeichenkontrolle: Überwachung von Kreislaufstatus, Gerinnungsstatus, Körpertemperatur und Atemfunktion 2
- Beurteilung der Durchblutung: Regelmäßige Kontrolle der peripheren Durchblutung, besonders bei Gefäßverletzungen oder Kompartmentsyndrom-Risiko 1
- Überwachung auf Rhabdomyolyse: Besonders bei schweren Quetschverletzungen 2
- Thromboseprophylaxe: Konsequente Durchführung zur Vermeidung von tiefen Venenthrombosen 5
Psychologische Betreuung
- Früherkennung psychischer Belastungen: Mehr als 50% der Überlebenden leiden unter psychischen Belastungen, die Jahrzehnte nach der körperlichen Verletzung anhalten können 6
- Ganzheitliche Ansätze: Seelsorge, Bewältigungsstrategien, Achtsamkeit und Peer-Besuche zur Unterstützung der kurzfristigen Genesung 6
- Aufklärung und Schulung: Bereitstellung von Informationen bei Krankenhausentlassung und personalisierte Nachsorge 3
- Soziale Unterstützungsnetzwerke: Verbindung zu Menschen mit ähnlichen Erfahrungen oder Verletzungen zur Förderung der langfristigen psychischen Gesundheit 6
Besondere Maßnahmen während der COVID-19-Pandemie
- Persönliche Schutzausrüstung (PSE): Konsequente Verwendung von Schutzkitteln, Handschuhen, Gesichtsmasken und Atemschutzmasken (N-95, P100 oder FFP2) mit Gesichtsschutz/Schutzbrille 1
- Minimierung von Bildgebung: Nur durchführen, wenn sie den Behandlungsplan ändert 1
- Telemedizin: Für postoperative Nachsorge nutzen, um persönliche Kontakte zu reduzieren 1
- Schulung des Pflegepersonals: Regelmäßige Auffrischung der korrekten PSE-Verwendung, da 90% des beobachteten PSE-Ablegens inkorrekt war 1
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Verzögerung der Antibiotikagabe: Bei offenen Frakturen kann eine verzögerte Antibiotikagabe das Infektionsrisiko erhöhen 7
- Unterschätzung psychologischer Faktoren: Psychologische Belastungen können die funktionelle Genesung und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen 6
- Übersehen von Kompartmentsyndromen: Regelmäßige Überwachung auf Anzeichen eines Kompartmentsyndroms ist entscheidend 2
- Unzureichendes Schmerzmanagement: Schmerz bleibt in Notaufnahmen häufig untertherapiert, was die Genesung verzögern kann 4
- Fehlende Nachsorgeplanung: Sorgfältige Organisation der Nachsorge ist notwendig, um sicherzustellen, dass Patienten nicht verloren gehen 1