Ausführliche Anleitung zur Berechnung von Medikamentendosierungen
Die Berechnung von Medikamentendosierungen erfordert ein systematisches Vorgehen unter Berücksichtigung von Patientenparametern wie Gewicht, Alter und Nierenfunktion, wobei die Verwendung von Formeln wie Cockcroft-Gault für die Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion entscheidend ist. 1
Grundlegende Berechnungsmethoden
Gewichtsbasierte Dosierung
- Standardformel: Dosis = Gewicht (kg) × Dosierung pro kg
- Beispiel: Bei einem 70 kg schweren Patienten und einer Dosierung von 5 mg/kg: 70 kg × 5 mg/kg = 350 mg
Körperoberflächen-basierte Dosierung
- Formel: Dosis = Körperoberfläche (m²) × Dosierung pro m²
- Berechnung der Körperoberfläche: KOF (m²) = √(Größe [cm] × Gewicht [kg] / 3600)
Nierenfunktionsangepasste Dosierung
- Cockcroft-Gault-Formel zur Berechnung der Kreatinin-Clearance:
- Für Männer: CrCl (ml/min) = [(140 - Alter) × Gewicht (kg)] ÷ [72 × Serumkreatinin (mg/dl)]
- Für Frauen: CrCl (ml/min) = [(140 - Alter) × Gewicht (kg)] ÷ [72 × Serumkreatinin (mg/dl)] × 0,85 1
Spezielle Dosierungsberechnungen
Umrechnung von intravenösem Fentanyl zu oralem Methadon
- Berechne die 24-Stunden-Fentanyl-Dosis anhand der stündlichen Infusionsrate
- Multipliziere die tägliche Fentanyl-Dosis mit dem Faktor 100 (Potenz-Verhältnis Fentanyl:Methadon = 100:1)
- Teile diese Methadon-Menge durch 6 (Korrektur für längere Halbwertszeit von Methadon)
- Verabreiche diese Menge am ersten Tag oral in 4 geteilten Dosen alle 6 Stunden 2
Umrechnung von intravenösem Fentanyl zu intravenösem Morphin
- Berechne die 24-Stunden-Fentanyl-Dosis
- Multipliziere die tägliche Fentanyl-Dosis mit dem Faktor 60 (Potenz-Verhältnis Fentanyl:Morphin = 60:1)
- Teile die Morphin-Dosis durch 4 (Korrektur für längere Halbwertszeit von Morphin)
- Verabreiche diese Menge am ersten Tag intravenös in 6 geteilten Dosen alle 4 Stunden 2
Morphin-Äquivalent-Dosierung (MME)
Die Umrechnung verschiedener Opioide in Morphin-Äquivalente erfolgt mit folgenden Faktoren:
| Opioid | Umrechnungsfaktor |
|---|---|
| Codein | 0,15 |
| Fentanyl transdermal (in mcg/h) | 2,4 |
| Hydromorphon | 4 |
| Oxycodon | 1,5 |
| Morphin | 1 |
| Methadon (1-20 mg/Tag) | 4 |
| Methadon (21-40 mg/Tag) | 8 |
| Methadon (41-60 mg/Tag) | 10 |
| Methadon (≥61-80 mg/Tag) | 12 |
Dosierungsanpassung bei Kindern
Altersbasierte Blutdruckgrenzwerte für Hypotonie
| Alter | Systolischer Blutdruck (mmHg) |
|---|---|
| Neugeborene (0-28 Tage) | <60 |
| Säuglinge (1-12 Monate) | <70 |
| Kinder (>1 Jahr bis 10 Jahre) | <70 + (2 × Alter in Jahren) |
| Über 10 Jahre | <90 |
Infusionsraten für Notfallmedikamente bei Kindern
| Medikament | Dosisbereich | Zubereitung |
|---|---|---|
| Dopamin | 2-20 μg/kg/min | 6 × Körpergewicht (kg) = mg in 100 ml NaCl; dann liefert 1 ml/h 1 μg/kg/min |
| Epinephrin | 0,1 μg/kg/min | 0,6 × Körpergewicht (kg) = mg in 100 ml NaCl; dann liefert 1 ml/h 0,1 μg/kg/min |
Dosierungsberechnung bei Antikoagulantien
Rivaroxaban-Dosierung
- Nichtvalvuläres Vorhofflimmern:
- Bei CrCl ≥50 ml/min: 20 mg einmal täglich mit Nahrung
- Bei CrCl 15-49 ml/min: 15 mg einmal täglich mit Nahrung
- Bei CrCl <15 ml/min: Nicht empfohlen 3
Apixaban-Dosierung
- Nichtvalvuläres Vorhofflimmern:
- Standarddosierung: 5 mg zweimal täglich
- Reduzierte Dosierung (2,5 mg zweimal täglich) bei mindestens zwei der folgenden Kriterien:
- Alter ≥80 Jahre
- Körpergewicht ≤60 kg
- Serumkreatinin ≥1,5 mg/dl 4
Praktische Tipps zur Vermeidung von Dosierungsfehlern
- Verwende standardisierte Formeln für die Berechnung von Medikamentendosierungen
- Überprüfe die Berechnung durch eine zweite Person, besonders bei hochriskanten Medikamenten
- Achte auf die Einheiten (mg, μg, ml) und vermeide Dezimalstellen-Fehler
- Berücksichtige die Nierenfunktion bei der Dosierung von renal eliminierten Medikamenten
- Verwende computergestützte Dosierungsrechner, um die Fehlerrate zu reduzieren 5
- Achte auf Umrechnungsfaktoren bei Opioid-Rotationen oder Wechsel der Applikationsform
Fallstricke bei der Dosierungsberechnung
- Verwendung von Serumkreatinin allein ohne Berechnung der eGFR kann zu ungenauen Dosierungen führen 1
- Fehlende Umrechnung von normalisierter eGFR (ml/min/1,73m²) in absolute Clearance (ml/min) für die Medikamentendosierung 1
- Unzureichende Berücksichtigung von Arzneimittelinteraktionen und deren Einfluss auf die Pharmakokinetik
- Übersehen von Komorbiditäten, die die Pharmakokinetik beeinflussen können
- Fehlerhafte Dezimalstellen: Verwende führende Nullen bei Dosen <1 mg (z.B. 0,5 mg statt ,5 mg) und keine nachgestellten Nullen (z.B. 5 mg statt 5,0 mg) 2
Die korrekte Berechnung von Medikamentendosierungen ist ein entscheidender Faktor für die Patientensicherheit und den Behandlungserfolg. Durch systematisches Vorgehen und Beachtung der genannten Prinzipien können Dosierungsfehler minimiert werden.