Berechnung von Medikamentendosierungen
Die Berechnung von Medikamentendosierungen erfolgt in der Regel auf Basis des Körpergewichts, der Nierenfunktion und der therapeutischen Kategorie des Medikaments, wobei je nach Medikament unterschiedliche Rundungsregeln angewendet werden müssen.
Grundprinzipien der Dosisberechnung
Für die meisten Medikamente wird die Dosis anhand des Körpergewichts berechnet, wobei folgende Formel verwendet wird:
- Dosis = Gewicht (kg) × Dosierung (mg/kg) 1
Bei Patienten mit Niereninsuffizienz muss die Kreatinin-Clearance mit der Cockcroft-Gault-Formel berechnet werden:
- Für Männer: CrCl (ml/min) = [(140 - Alter) × Gewicht (kg)] ÷ [72 × Serumkreatinin (mg/dl)]
- Für Frauen: CrCl (ml/min) = [(140 - Alter) × Gewicht (kg)] ÷ [72 × Serumkreatinin (mg/dl)] × 0,85 1
Kategorien für Medikamentenrundung
Basierend auf den Leitlinien können Medikamente in drei Hauptkategorien eingeteilt werden 2:
Medikamente mit vorsichtiger Rundung (0-1%)
- Medikamente mit engem therapeutischem Fenster (z.B. Digoxin, Insulin)
- Rundung nur auf die nächste Zehntelstelle
- Beispiel: 5,82 ml → 5,8 ml
Medikamente mit moderater Rundung (5-10%)
- Medikamente mit dosisabhängigen Nebenwirkungen (z.B. Antibiotika, Steroide)
- Rundung auf praktikable Dosen unter Berücksichtigung der maximalen Dosierungsrichtlinien
- Beispiel: 5,82 ml → 5,9 ml (5%) oder 6,0 ml (10%)
Medikamente mit großzügiger Rundung (15%)
- Medikamente mit breitem therapeutischem Fenster (z.B. Penicillin, Hustenmittel)
- Rundung auf leicht zu verabreichende Dosen
- Beispiel: 5,82 ml → 6,0 ml
Medikamente mit unzureichenden Daten
- Keine Rundungsempfehlungen verfügbar
Praktisches Beispiel: Azithromycin-Dosierung
Bei Azithromycin erfolgt die Dosierung wie folgt 3:
Für Erwachsene:
- Akute bakterielle Sinusitis: 500 mg täglich für 3 Tage
- Keine Dosisanpassung bei leichter bis mittelschwerer Niereninsuffizienz (GFR >10 ml/min)
- Bei schwerer Niereninsuffizienz (GFR <10 ml/min) Vorsicht walten lassen
Für Kinder:
- Akute Otitis media: 30 mg/kg als Einzeldosis oder 10 mg/kg einmal täglich für 3 Tage
- Akute bakterielle Sinusitis: 10 mg/kg einmal täglich für 3 Tage
- Berechnung basierend auf Gewichtstabellen (z.B. 10 kg = 5 ml einer 200 mg/5 ml Suspension für 3 Tage) 3
Infusionsratenberechnung
Für intravenöse Medikamente kann die Infusionsrate wie folgt berechnet werden 1:
Infusionsrate (ml/h) = (Dosis [µg/kg/min] × Gewicht [kg] × 60 [min/h]) / Konzentration [µg/ml]
Besondere Überlegungen
Bei Patienten mit Flüssigkeitsüberladung:
- Für hydrophile Medikamente: tatsächliches Körpergewicht verwenden
- Für lipophile Medikamente: ideales oder angepasstes Körpergewicht verwenden 1
Bei Patienten mit Lebererkrankungen:
- Für Medikamente mit hoher hepatischer Extraktion: Initialdosis und Erhaltungsdosis reduzieren
- Für Medikamente mit niedriger hepatischer Extraktion: nur Erhaltungsdosis reduzieren 4
Bei pädiatrischen Patienten:
- Individuelle Dosierung basierend auf Alter, Größe und Organreife
- Nicht einfach eine "kleine Erwachsenendosis" verabreichen 5
Häufige Fehler bei der Dosisberechnung
- Verwendung von Serumkreatinin allein ohne Berechnung der eGFR
- Fehlende Umrechnung der normalisierten eGFR in absolute Clearance
- Nichtberücksichtigung von Arzneimittelwechselwirkungen 1
Elektronische Verschreibungssysteme
Elektronische Verschreibungssysteme können die Sicherheit der Medikamentenverschreibung verbessern, indem sie:
- Gewichtsbasierte Dosisberechnungen automatisieren
- Dosierungsrichtlinien integrieren
- Rundungsempfehlungen anwenden, um praktikable Dosen zu generieren 2
Die Verwendung elektronischer Verschreibungssysteme mit integrierten Rundungstoleranzen kann bis zu 21% der unerwünschten Arzneimittelereignisse in ambulanten Einrichtungen verhindern 2.