Bewertung asymptomatischer selbstlimitierender rhythmischer Schmalkomplextachykardien im Langzeit-EKG
Bei asymptomatischen selbstlimitierenden Schmalkomplextachykardien im Langzeit-EKG ist in der Regel keine spezifische Therapie oder weitere diagnostische Abklärung erforderlich, solange keine strukturelle Herzerkrankung vorliegt oder andere Risikofaktoren bestehen. 1
Diagnostische Einordnung
Die Beurteilung von Schmalkomplextachykardien (QRS <120 ms) im Langzeit-EKG erfolgt nach folgenden Kriterien:
- Regelmäßigkeit des Rhythmus: Regelmäßige Tachykardien deuten auf AVNRT, AVRT oder atriale Tachykardien hin, unregelmäßige auf Vorhofflimmern oder Vorhofflattern mit variabler Überleitung 2
- P-Wellen-Morphologie und Beziehung zum QRS-Komplex:
- Bei AVNRT sind P-Wellen oft im QRS-Komplex verborgen
- Bei AVRT sind P-Wellen im frühen ST-Segment sichtbar
- Bei atrialen Tachykardien unterscheidet sich die P-Wellen-Morphologie von Sinusrhythmus 2
- Frequenz: Typischerweise 150-250 Schläge/min bei SVT 2
Klinische Relevanz und Management
Bei asymptomatischen Patienten:
Keine Therapie notwendig bei:
- Selbstlimitierenden Episoden
- Fehlen von strukturellen Herzerkrankungen
- Normaler linksventrikulärer Funktion
- Fehlender Beeinträchtigung der Lebensqualität 1
Auslösende Faktoren identifizieren und eliminieren:
- Übermäßiger Koffein-, Alkohol- oder Nikotinkonsum
- Freizeitdrogen
- Hyperthyreose 1
Wann weitere Diagnostik erwägen:
Eine elektrophyiologische Untersuchung ist NICHT indiziert bei:
- Asymptomatischen Patienten mit selbstlimitierenden Tachykardien
- Patienten mit gut kontrollierbaren Tachykardien durch vagale Manöver oder gut verträgliche Medikamente 1
Algorithmus zur Beurteilung
- QRS-Dauer bestimmen: <120 ms = Schmalkomplextachykardie
- Regelmäßigkeit prüfen: Regelmäßig vs. unregelmäßig
- P-Wellen analysieren: Lokalisation, Morphologie, Beziehung zum QRS
- Klinische Beurteilung:
- Bei asymptomatischen, selbstlimitierenden Episoden → Beobachtung
- Bei Symptomen oder hämodynamischer Beeinträchtigung → weitere Abklärung
Wichtige Hinweise und Fallstricke
- Nicht überbehandeln: Asymptomatische selbstlimitierende Episoden benötigen in der Regel keine antiarrhythmische Therapie 1
- Vorsicht bei Antiarrhythmika: Aufgrund des Risikos einer Proarrhythmie sollten Klasse-I- oder Klasse-III-Antiarrhythmika nicht ohne dokumentierte Arrhythmie eingeleitet werden 1
- Fehldiagnose vermeiden: Eine breite QRS-Tachykardie (>120 ms) sollte im Zweifelsfall als ventrikuläre Tachykardie behandelt werden 2
- Stabile Vitalzeichen: Diese schließen eine ventrikuläre Tachykardie nicht aus und sollten nicht als alleiniges Unterscheidungsmerkmal herangezogen werden 2
Bei Patienten mit wiederkehrenden, symptomatischen Episoden, die nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen, kann eine weiterführende elektrophysiologische Untersuchung mit der Option einer Katheterablation erwogen werden 1.