Geschwindigkeit der Natriumkorrektur bei Hyponatriämie
Bei Hyponatriämie sollte die Korrektur des Serumnatriums nicht schneller als 8 mmol/L in 24 Stunden erfolgen, um das Risiko eines osmotischen Demyelinisationssyndroms zu minimieren. 1
Korrekturgeschwindigkeiten nach Schweregrad
Schwere symptomatische Hyponatriämie
- Initiale Korrektur:
- Bei schweren neurologischen Symptomen (Somnolenz, Krämpfe, Koma) 6 mmol/L in den ersten 6 Stunden anstreben 1
- 3%ige NaCl-Lösung als Bolus (100-150 ml) oder kontinuierliche Infusion 2
- Natriumdefizit-Formel: Gewünschter Na-Anstieg (mEq) × (0,5 × ideales Körpergewicht in kg) 1
- Infusionsrate (ml/h) = Natriumdefizit (mEq) ÷ 513 mEq/L × 1000 ml/L ÷ Infusionsstunden 1
Überwachung
- Serumnatrium alle 2 Stunden bei schweren Symptomen kontrollieren 1
- Serumnatrium alle 4 Stunden bei leichten Symptomen kontrollieren 1
- Urinausscheidung und spezifisches Gewicht alle 4 Stunden überwachen, um Wasserdiurese zu erkennen 1
Wichtige Sicherheitsaspekte
Maximale Korrekturgeschwindigkeiten
- Kritisches Sicherheitsprinzip: Nicht mehr als 10 mmol/L in 24 Stunden 1
- Optimale Korrekturrate: Nicht mehr als 8 mmol/L in 24 Stunden 1
- Bei Risikopatienten (schwere Mangelernährung, Alkoholismus, fortgeschrittene Lebererkrankung) langsamere Korrektur erwägen 3, 4
Risiken einer zu schnellen Korrektur
- Osmotisches Demyelinisationssyndrom mit Symptomen wie Dysarthrie, Mutismus, Dysphagie, Lethargie, affektiven Veränderungen, spastischer Quadriparese, Krampfanfällen, Koma und Tod 3
- Tolvaptan kann zu schneller Korrektur führen und sollte nur unter stationärer Überwachung begonnen werden 3
Therapieansatz nach Volumenstatus
Hypovolämische Hyponatriämie
- Flüssigkeitsrestitution mit isotonischer Kochsalzlösung oder 5% Albumin 1
- Bei Addison-Krise: Initial 1 L/Stunde isotonische Kochsalzlösung, dann langsamere Infusion 1
Euvolämische oder hypervolämische Hyponatriämie
- Flüssigkeitsrestriktion (<1 L/Tag) 1
- Ausreichende Solut-Zufuhr sicherstellen 2
- Bei SIADH: Urea oder Tolvaptan als Zweitlinientherapie erwägen 2
Besondere Situationen
Tolvaptan-Anwendung
- Nur im Krankenhaus beginnen, wo Serumnatrium engmaschig überwacht werden kann 3
- Startdosis 15 mg einmal täglich, nach mindestens 24 Stunden auf 30 mg erhöhen 3
- Maximale Dosis 60 mg einmal täglich 3
- Nicht länger als 30 Tage anwenden (Leberrisiko) 3
- Kontraindiziert bei ADPKD, Hypovolämie, starken CYP3A-Inhibitoren 3
Pitfalls und Vorsichtsmaßnahmen
- Flüssigkeitsrestriktion in den ersten 24 Stunden der Tolvaptan-Therapie vermeiden 3
- Flüssigkeitsrestriktion bei Patienten mit Addison-Krise vermeiden 1
- Bei zu schneller Korrektur: Hypotone Flüssigkeiten oder Desmopressin erwägen 2
- Bei neurochirurgischen Patienten mit Risiko für Vasospasmus (insbesondere SAB) keine Flüssigkeitsrestriktion 1
Die Korrektur der Hyponatriämie erfordert ein sorgfältiges Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit, schwere neurologische Symptome zu behandeln, und dem Risiko einer zu schnellen Korrektur. Die Überwachung des Serumnatriums in regelmäßigen Abständen ist entscheidend, um eine sichere und effektive Behandlung zu gewährleisten.