Primärprophylaxe der spontanen bakteriellen Peritonitis (SBP)
Für die primäre SBP-Prophylaxe wird Norfloxacin 400 mg täglich bei Patienten mit Leberzirrhose und niedrigem Aszitesprotein (<1,5 g/dl) sowie fortgeschrittener Lebererkrankung (Child-Pugh ≥9, Bilirubin >3 mg/dl, eingeschränkter Nierenfunktion oder Natrium <130 mEq/l) empfohlen. 1
Indikationen für die Primärprophylaxe
Die Primärprophylaxe sollte bei folgenden Risikogruppen eingeleitet werden:
Patienten mit Leberzirrhose und Aszites mit niedrigem Aszitesprotein (<1,5 g/dl) UND einem der folgenden Faktoren:
- Child-Pugh-Score ≥9
- Serum-Bilirubin >3 mg/dl
- Eingeschränkte Nierenfunktion
- Serum-Natrium <130 mEq/l 1
Patienten mit Leberzirrhose und akuter gastrointestinaler Blutung (kurzfristige Prophylaxe für 5-7 Tage) 1
Empfohlene Antibiotika-Regime
| Antibiotikum | Dosierung | Empfehlungsstärke |
|---|---|---|
| Norfloxacin | 400 mg einmal täglich | Erste Wahl [2,1] |
| Ciprofloxacin | 500 mg einmal täglich | Alternative zu Norfloxacin [1,3] |
| Trimethoprim-Sulfamethoxazol | 800/160 mg täglich | Alternative Option [1] |
| Rifaximin | - | Neuere Option mit möglicherweise überlegener Wirksamkeit [1,4] |
Norfloxacin ist das am besten untersuchte Antibiotikum für die SBP-Prophylaxe und reduziert signifikant das Auftreten von SBP bei Risikopatienten 1. Eine Studie zeigte, dass Ciprofloxacin 500 mg/Tag das Infektionsrisiko senkt und das Überleben verbessert (86% vs. 66% Überlebenswahrscheinlichkeit nach 12 Monaten) 3.
Überwachung und Nebenwirkungen
Bei Langzeitanwendung von Antibiotika zur SBP-Prophylaxe ist Folgendes zu beachten:
- Regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion alle 1-3 Monate
- Periodische Kulturen zur Erkennung resistenter Erreger
- Überwachung auf Nebenwirkungen der Antibiotika 1
Trimethoprim-Sulfamethoxazol kann im Vergleich zu Fluorchinolonen mit mehr unerwünschten Ereignissen verbunden sein, darunter Hautausschlag, Hyperkaliämie und Knochenmarkssuppression 1.
Besondere Überlegungen
- Die Entwicklung resistenter Bakterien ist ein zunehmendes Problem bei der Langzeitanwendung von Antibiotika zur SBP-Prophylaxe 5
- In Gebieten mit hoher Prävalenz von Chinolon-resistenten Bakterien sollten alternative Antibiotika in Betracht gezogen werden 2
- Patienten mit SBP haben eine schlechte Langzeitprognose und sollten für eine Lebertransplantation evaluiert werden 1
Vorsichtsmaßnahmen
- Bei Patienten mit SBP sollte die Verwendung von Säuresuppressiva (PPI, H2-Blocker) vermieden werden, da diese das Risiko für bakterielle Infektionen erhöhen können 5
- Beta-Blocker sollten bei Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose und therapierefraktärem Aszites mit Vorsicht eingesetzt werden 5
Die Primärprophylaxe der SBP mit Antibiotika ist eine wirksame Strategie zur Verbesserung des Überlebens bei Hochrisikopatienten mit Leberzirrhose und Aszites, sollte jedoch auf Patienten mit den genannten Risikofaktoren beschränkt werden, um die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen zu minimieren.