Opioid-induzierte Atemdepression: Diagnose und Management
Bei nicht-hypoxischen, nicht-kritischen Patienten mit Opioid-induzierter Atemdepression ist die titrierte Gabe von Naloxon (0,4 mg auf 10 ml NaCl aufziehen und milliliterweise mit 0,04 mg/ml verabreichen) bis zum Erreichen einer Atemfrequenz von 8-10/min die empfohlene Therapie. 1
Diagnose der Opioid-induzierten Atemdepression
Die Diagnose einer Opioid-induzierten Atemdepression basiert auf folgenden Kriterien:
- Bewusstseinszustand: Verändertes Bewusstsein ist der zuverlässigste Indikator für eine Opioid-induzierte Atemdepression 2
- Atemfrequenz: Verminderte Atemfrequenz (typischerweise < 8/min)
- Atemtiefe: Oberflächliche Atmung oder nur gelegentliches Schnappatmen
- Sauerstoffsättigung: Hypoxämie, wobei zu beachten ist, dass dies ein spätes Zeichen sein kann, besonders wenn der Patient Sauerstoff erhält 2
- End-tidales CO₂: Werte > 50 mmHg oder eine absolute Änderung vom Ausgangswert > 10 mmHg weisen auf eine signifikante Atemdepression hin 2
Management der Opioid-induzierten Atemdepression
Nicht-kritischer Patient (mit Puls und Atemdepression)
Atemwege sichern und Beatmung unterstützen
Naloxon titriert verabreichen
Überwachung nach Naloxongabe
- Kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter
- Intravenösen Zugang aufrechterhalten für mögliche weitere Naloxongaben 1
- Beachten, dass die Wirkdauer von Naloxon kürzer sein kann als die des Opioids (30 Minuten vs. längere Opioidwirkung) 3, 5
- Bei Bedarf wiederholte Gaben oder kontinuierliche Infusion von Naloxon 1
Kritischer Patient (mit Kreislaufstillstand)
Standard-Reanimationsmaßnahmen haben Priorität
Naloxon als Ergänzung zur Standardtherapie
Besondere Überlegungen
- Vorsicht bei chronischen Opioidkonsumenten: Zu schnelle Antagonisierung kann zu Entzugssymptomen und refraktären Schmerzen führen 3, 4
- Überwachungsdauer: Patienten sollten überwacht werden, bis das Risiko einer erneuten Atemdepression gering ist und Bewusstseinszustand sowie Vitalzeichen normalisiert sind 1
- Bei längerwirksamen Opioiden: Längere Überwachung und möglicherweise kontinuierliche Naloxon-Infusion erforderlich 1, 5
- Nicht-invasive Beatmung: Bei häufiger oder schwerer Atemwegsobstruktion oder Hypoxämie kann eine nicht-invasive Überdruckbeatmung erwogen werden 1
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Nicht allein auf Sauerstoffsättigung verlassen: Die Pulsoxymetrie kann die Atemdepression maskieren, besonders wenn der Patient Sauerstoff erhält 1, 2
- Naloxon-Überdosierung vermeiden: Zu hohe Dosen können zu Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen, Tachykardie, erhöhtem Blutdruck, Krampfanfällen und kardialen Komplikationen führen 3
- Renarkotisierung beachten: Die kurze Halbwertszeit von Naloxon (30 Minuten) kann zu einer erneuten Atemdepression führen, wenn das Opioid länger wirkt 5
- Bei Hochrisikopatienten: Intensivere Überwachung bei instabilem Gesundheitszustand, Adipositas, gleichzeitiger Gabe von Opioiden oder Hypnotika und bei Patienten in extremen Altersgruppen 1