Management bei Hüftprothesenluxation
Bei einer Hüftprothesenluxation sollte eine schnelle geschlossene Reposition unter adäquater Analgesie und Sedierung in der Notaufnahme als erste Maßnahme durchgeführt werden, da dies die Behandlungszeit im Vergleich zur Reposition im OP unter Vollnarkose um fast 6 Stunden verkürzt. 1
Diagnostisches Vorgehen
- Klinische Untersuchung: Typische Fehlstellung des Beins (verkürzt, innenrotiert)
- Bildgebung: Röntgenaufnahmen zur Bestätigung der Luxation und Beurteilung der Prothesenkomponenten
- Bei klinischen oder paraklinischen Infektionszeichen und bei späten Luxationen (>3 Monate nach OP) ist eine Gelenkpunktion indiziert 2
Akutbehandlung
Geschlossene Reposition:
- Unter bildgebender Kontrolle
- Mit ausreichender Analgesie und Sedierung
- Durchführung in der Notaufnahme, wenn möglich (signifikant schneller als im OP: 2h 21min vs. 8h 32min) 1
Nach erfolgreicher Reposition:
- Immobilisierung mit Hüftgelenksorthese oder Becken-Bein-Gips für 6 Wochen 2
- Röntgenkontrolle zur Bestätigung der korrekten Position
- Beachte: Postoperative Pseudosubluxation kann in etwa 3% der Fälle auftreten, besonders wenn Röntgenaufnahmen innerhalb einer Stunde nach OP unter Wirkung der Regionalanästhesie gemacht werden 3
Therapie bei rezidivierenden Luxationen
Bei wiederholter Luxation ist ein operatives Vorgehen notwendig:
Ursachenanalyse:
- Fehlpositionierung der Implantate
- Insuffizienz der pelvitrochantären Muskulatur
- Impingement
- Inkongruenz zwischen Kopf und Inlay
- Kombinationen von Ursachen 2
Operative Strategien:
Besondere Hinweise
- Die Luxationsrate nach Hüftendoprothetik beträgt etwa 4% bei primärer Totalendoprothese 1
- Etwa 50% der Luxationen treten innerhalb der ersten 3 Monate nach Operation auf (Frühluxation) 2
- Die Rezidivrate nach Luxation ist mit 30% hoch, daher sollte bei erfolgloser Therapie die Behandlung in einem Zentrum für Revisionsendoprothetik erfolgen 2
- Bei Luxation aufgrund einer Infektion erfolgt die Behandlung nach den Prinzipien der periprothetischen Infektionstherapie 2
Risikofaktoren für Luxationen
- Operativer Zugang: Der posteriore Zugang scheint ein prädisponierender Faktor für Luxationen zu sein 5
- Fehlpositionierung der Prothesenkomponenten 5
- Patientenspezifische Faktoren (Alter, Grunderkrankung, Compliance)
Die genaue Ursachensuche bei Hüftprothesenluxation ist äußerst wichtig. Nur wenn die exakte Ursache bekannt ist, kann zusammen mit patienten- und implantatspezifischen Details der therapeutische Ansatz festgelegt werden 2.