Management der Blutung bei iatrogener Hypospadie
Bei einer blutenden iatrogenen Hypospadie sollte sofort eine lokale Kompression angewendet werden, gefolgt von gezielten hämostatischen Maßnahmen und bei Bedarf chirurgischer Intervention. 1, 2
Erstbeurteilung und Sofortmaßnahmen
Hämodynamische Stabilität prüfen:
- Überwachung der Vitalzeichen (Blutdruck, Herzfrequenz)
- Beurteilung des Blutverlusts (Hb-Abfall ≥2 g/dL oder Transfusionsbedarf ≥2 Einheiten gilt als schwere Blutung) 1
- Venösen Zugang für Flüssigkeitsersatz sicherstellen
Lokale Blutstillung:
- Direkte Kompression auf die Blutungsstelle 1
- Sterile Kompressen oder Druckverband anlegen
- Bei anhaltender Blutung Verwendung von hämostatischen Materialien erwägen
Spezifische Maßnahmen basierend auf Blutungsschwere
Bei schwerer Blutung:
- Sofortige chirurgische Intervention mit transurethralem Zugang 2
- Anwendung von Antifibrinolytika (Tranexamsäure 10-15 mg/kg i.v., gefolgt von 1-5 mg/kg/h Infusion) 1
- Bei massiver Blutung selektive angiographische Embolisation der prostatischen Arterien erwägen 2
- Blutprodukte nach Laborergebnissen verabreichen:
- Fibrinogen ≥50 mg/dL (vorzugsweise 100 mg/dL)
- Thrombozyten ≥50.000 × 10^9/L (vorzugsweise 100.000 × 10^9/L) 2
Bei leichter bis mittelschwerer Blutung:
- Lokale Kompression fortsetzen
- Topische Hämostyptika anwenden
- Überwachung der Vitalzeichen und des Hb-Werts 1
Management bei Patienten unter Antikoagulation
Falls der Patient unter Antikoagulation steht:
- Antikoagulation vorübergehend pausieren 1
- Bei schwerer Blutung und VKA-Therapie: 5-10 mg Vitamin K i.v. verabreichen 1
- Bei DOAK-Therapie und schwerer Blutung: spezifische Antidota erwägen (z.B. Idarucizumab für Dabigatran, Andexanet alfa für Apixaban/Rivaroxaban) 1
- Gerinnungsstatus überwachen und korrigieren 1
Chirurgische Interventionen
Indikationen für sofortige chirurgische Intervention:
- Anhaltende Blutung trotz konservativer Maßnahmen
- Hämodynamische Instabilität
- Große Hämatome mit Kompressionseffekt 3
Chirurgische Techniken:
Nachsorge und Prävention weiterer Komplikationen
- Kontinuierliche Überwachung der Vitalzeichen und des Hb-Werts alle 30-60 Minuten während aktiver Blutung 2
- Adäquate Flüssigkeitszufuhr mit kristalloiden Lösungen 1
- Zielblutdruck von 80-100 mmHg bis zur Kontrolle der Blutung 1
- Frühzeitige Erkennung und Behandlung von Infektionen
- Überwachung auf Anzeichen von Harnverhalt oder Harnwegsobstruktion 3
Besondere Überlegungen
- Die Komplikationsrate nach Hypospadie-Operationen liegt zwischen 20-30%, wobei Blutungen zu den frühen Komplikationen zählen 3
- Übermäßige Verwendung von Knochenwachs vermeiden, da dies die Knochenheilung beeinträchtigen kann 2
- Bei schwerer, anhaltender Blutung mit Koagulopathie, Hypothermie oder Azidose einen Damage-Control-Ansatz erwägen 2
Die Behandlung von Komplikationen nach Hypospadie-Korrektur ist anspruchsvoll und sollte idealerweise von einem erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden 3.